Verspätungen und Zugausfälle: Was BOB und BRB nach Krisengespräch mit Bayerischer Eisenbahngesellschaft nun ändern müssen

Die BOB/BRB-Geschäftsführer haben ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das die Störungen im Betrieb künftig reduzieren soll. (Foto: Symbolbild: BRB)

Die Geschäftsführung der BOB/BRB legt Maßnahmen für die Netze „Bayerisches Oberland“, „Meridian“ und „Ostallgäu-Lechfeld-Bahn“ vor. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) will die Umsetzung fachlich und finanziell unterstützen sowie in wöchentlichen Gesprächen intensiv begleiten.

Aufgrund der nicht abreißenden Probleme bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), dem Meridian sowie bei der seit Dezember 2018 neu in Betrieb gegangenen Ostallgäu-Lechfeld-Bahn (Augsburg – Landsberg, München/Augsburg – Füssen), hat die BEG, die im Auftrag des Freistaats den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert, die für die genannten Netze zuständige Geschäftsführung zu einem Krisengespräch zur Betriebsqualität einbestellt. Über die Ergebnisse des Krisengipfels berichtet die Gesellschaft nun in einer Pressemitteilung.

Anlass des Krisengesprächs waren die im Bayerischen Oberland und beim Meridian seit Monaten anhaltenden Qualitätsprobleme in Form von erheblichen Verspätungen, Zugausfällen, unakzeptablen Zugkürzungen, mangelnden Fahrgastinformationen und einer unzureichenden Disposition im Störfall. Seit Dezember 2018 kamen außerdem erhebliche Startschwierigkeiten beim Betrieb des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes hinzu.


Fahrgäste üben harsche Kritik an BOB und BRB

Die schlechte Betriebsqualität in den drei Netzen hatte dazu geführt, dass sich seit Fahrplanwechsel im Dezember 2018 knapp 50 Prozent aller bei der BEG eingegangenen Fahrgastbeschwerden auf eines der BOB/BRB-Netze bezogen haben – und dies, obwohl die drei Netze nur einen Anteil von 7,5 Prozent der im bayerischen Schienenpersonennahverkehr bestellten Zugkilometer ausmachen.

Neben zahlreichen Gesprächen mit der BOB/BRB-Geschäftsführung, vielen Vor-Ort-Terminen sowie auch der Mitfinanzierung von Qualitätsprojekten wie beispielsweise die Beschaffung einer Enteisungsanlage für das Betriebswerk Lenggries, der Einsatz von Infodisponenten zur Verbesserung der Fahrgastinformation im Störfall oder der Einsatz eines Pünktlichkeitsmanagers zur Analyse von Verspätungsursachen erhebt die BEG auch alle vorgesehenen Vertragsstrafen, wenn die geforderten Qualitätsstandards nicht erreicht werden.

„Mit dem Krisengespräch wollten wir nicht nur der BOB/BRB-Geschäftsführung gegenüber nochmals ausdrücklich den massiven Unmut der Fahrgäste sowie der BEG über die derzeitige Betriebslage verdeutlichen, sondern haben auch mit Nachdruck weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation bei der BOB, dem Meridian sowie der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn gefordert“, so Thomas Prechtl, Geschäftsführer der BEG.

Im Zuge des Krisengesprächs hat die BOB/BRB zu den einzelnen Netzen verschiedene Maßnahmenpakete vorgelegt.

Pünktlichkeit bei der Bayerischen Oberlandbahn unter 70 Prozent

Im Oberlandnetz waren die Fahrgäste im Januar untragbaren Zuständen ausgesetzt. Im Rahmen der Schneefälle waren die Streckenabschnitte südlich von Holzkirchen tagelang komplett gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar. Für die noch verbleibenden Verkehrsleistungen erreichte die BOB im Januar nach vorläufigen Daten eine Pünktlichkeit von unter 70 Prozent.

„Uns ist bewusst, dass im Januar zahlreiche Ausfälle und Einschränkungen im Betrieb der BOB zunächst auf eine mangelhafte Räumung durch die Infrastrukturbetreiber DB Netz und DB Station&Service zurückzuführen waren. Die Probleme bei der BOB wie mangelnde Fahrgastinformationen, ein unzureichendes Störfallmanagement oder immer wiederkehrende Fahrzeugprobleme bestehen aber bereits viel länger“, kritisiert Prechtl.

Schon im vierten Quartal 2018 lag die Monatspünktlichkeit der BOB jeweils deutlich unter 90 Prozent (Oktober: 84,7 Prozent; November: 88,6 Prozent; Dezember: 86,4 Prozent). Die BEG hatte von der BOB immer wieder die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrzeugsituation, der Fahrgastinformation sowie der Betriebsabläufe gefordert und die Umsetzung in regelmäßigen Gesprächen mit der BOB kontrolliert – offenbar seien die Maßnahmen der BOB jedoch gerade bei Großstörungen nicht weitreichend genug gewesen, schlussfolgert BEG.

Wie sich die Situation im Oberlandnetz verbessern soll

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, soll die BOB gemeinsam mit DB Netz und DB Station&Service ein Konzept zur Wintervorbereitung sowie zum Umgang mit unterschiedlichen Wintersituationen und entsprechende Notfallkonzepte erstellen.

Zudem soll die BOB den Personalbestand in der Betriebsleitzentrale zur Verbesserung der Disposition erhöhen. Zur Verbesserung der Fahrgastinformation wurde eine zweiteilige Strategie vereinbart. Die BOB wird einerseits kurzfristige Maßnahmen zur Herstellung der Funktionsfähigkeit ihrer eigenen Systeme vornehmen. Andererseits soll eine übergreifende und gesamthafte Analyse der Fahrgastinformationssysteme durch einen externen Gutachter durchgeführt werden.

Die BEG will die Analyse fachlich und finanziell unterstützen, betont die Gesellschaft in ihrem Schreiben an die Presse.

Aufgrund der zehntätigen Wintersperrungen habe die BOB die Ausarbeitung einer Entschädigungsregelung für Zeitkarteninhaber zugesagt.

BOB: "Grundlegende Überarbeitung des Störfallhandbuchs"

Zusätzlich fordert die BEG eine grundlegende Überarbeitung des Störfallhandbuchs für das Netz „Bayerisches Oberland“ – gegebenenfalls mit externer Unterstützung, welches als Grundlage für die anderen BOB/BRB-Netze dienen soll. Dadurch soll sichergestellt werden, dass bei betrieblichen Störfällen ein geregelter und standardisierter Prozess zur Betriebsabwicklung inklusive Schienenersatzverkehr, Reisendenlenkung und Fahrgastinformation greift.

Die BEG wird dieses Projekt ebenfalls finanziell und fachlich unterstützen. Darüber hinaus soll ein Schulungskonzept für die Mitarbeiter der Betriebsleitzentrale erstellt und der BEG vorgelegt werden. Dieses soll auch „Trockenübungen“ für das Erlernen eines routinemäßigen Umgangs mit Störfallsituationen beinhalten.

Zudem verfüge die BOB nicht über genügend Fahrzeuge und Ausrüstung, so die Kritik.

Meridian hat mit vielen Fahrzeugstörungen zu kämpfen

Ein Mangel an passender Ausrüstung sei auch das Problem des Meridians, der zur BOB gehört. Die BEG moniert die "aktuelle Fahrzeugsituation", welche zu zahlreichen Zugkürzungen führe.

Insbesondere seit dem vierten Quartal 2018 hatten sich die Kürzungen von einem ohnehin schon hohen Niveau nochmals verschärft. So seien beispielsweise im November 2018 über 31.000 Zugkilometer mit verkürzten Zügen erbracht worden.

„Die von der BOB ergriffenen Maßnahmen wie zum Beispiel der Einsatz einer speziellen Diagnose-Software zur Reduzierung der Fahrzeugstörungen haben bisher offenbar überhaupt keinen Effekt erzielt. Stattdessen werden die Fahrgäste auch in den Hauptverkehrszeiten weiterhin mit verkürzten Zügen oder fahrzeugbedingten Ausfällen konfrontiert“, so Prechtl. Die BEG hatte daher schon früher zur Entlastung die Beschaffung von Ersatzfahrzeugen gefordert.

Zusätzliche Züge sollen kurzfristig Abhilfe schaffen

Im Krisengespräch habe die BOB zugesagt, mit dem Fahrzeughersteller eine intensive Fehleranalyse durchzuführen, um die Ursachen teilweise noch ungeklärter Fahrzeugstörungen zu identifizieren. 

Außerdem prüft die BOB eine kurzfristige Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge, um den Fahrzeugbestand bis zur dauerhaften Stabilisierung der Fahrzeugsituation vorübergehend zu erhöhen. Die BEG hat die BOB in diesem Zusammenhang aufgefordert, die Suche nach Ersatzfahrzeugen schnellstmöglich auszuweiten und auch einen vorübergehenden Einsatz lokbespannter Wagenzüge bei einzelnen Leistungen in Betracht zu ziehen.
Bei dem Krisengespräch wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Behebung langwieriger Flottenprobleme bei den Bestandsfahrzeugen sowie zur Abarbeitung von Winterschäden vorgestellt.

Die Schadbearbeitung soll künftig deutlich beschleunigt und die Standzeiten der Fahrzeuge erheblich reduziert werden.

Zusätzlich hat die Gesellschaft ein Gespräch mit dem Fahrzeughersteller Stadler Rail AG kurzfristig einberufen, um die Behebung der kritischen Fahrzeugprobleme zu beschleunigen.

BRB bekommt Ostallgäu-Lechfeld-Bahn nicht in den Griff

Die Ostallgäu-Lechfeld-Bahn liege seit Betriebsstart im Dezember 2018 weit hinter den Erwartungen zurück, urteilt die BEG. So erreichte die BRB auf dieser Strecke im Dezember lediglich einen Pünktlichkeitswert von 80,4 Prozent; "auch für Januar war nach vorläufigen Werten mit einer Pünktlichkeit von rund 82 Prozent kein signifikanter Aufwärtstrend erkennbar", heißt es im Bericht der Eisenbahngesellschaft.

Zur weit unterdurchschnittlichen Pünktlichkeit kommen weitere Probleme wie beispielsweise vermeidbare Anschlussverluste am Bahnhof Kaufering oder personalbedingte Ausfälle der Taktverstärker zwischen Augsburg und Bobingen sowie der Züge auf dem Abschnitt Kaufering – Landsberg seit 1. Februar hinzu. „Im Gegensatz zu anderen Inbetriebnahmen, die entweder reibungslos verlaufen oder bei denen sich der Betrieb nach wenigen Tagen stabilisiert, bekommt die zuständige BRB den Betrieb bei der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn bisher nicht in den Griff“, so Prechtl.

Verschiedene Maßnahmen sollen Probleme der BRB beheben 

Die Betriebsabläufe sollen durch kurzfristige Umlaufänderungen ab 11. Februar verbessert werden, unter anderem Verringerung verspätungsanfälliger Rangiervorgänge im Gesamtnetz sowie teilweise verlängerte Wendezeiten.

Weitere Verbesserungen der Betriebsabläufe sind durch die Umsetzung infrastruktureller Maßnahmen zu erwarten, wie beispielsweise zusätzlicher Signaltechnik auf neuen Bahnsteigen in Augsburg ab März sowie eine Blockverdichtung zwischen Augsburg und Inningen im Juni.

Die Anschlusssituation in Kaufering soll durch einen nochmals intensivierten Austausch mit der Transportleitung von DB Regio sowie eine neue Bahnhofsfahrordnung in Kaufering ab 11. Februar verbessert werden.

Zur Behebung von Fahrzeugstörungen und Komfortmängeln wurde eine kurzfristige Überprüfung von Heizungen, Trittstufen, Kupplungen und Zugzielanzeigen vereinbart. Noch ungeklärt sind die Ursachen sporadischer Kuppelstörungen bei den Fahrzeugen. Die BRB führt derzeit eine Analyse mit dem Fahrzeughersteller durch.

Der Personalbestand bei den Triebfahrzeugführern wird sich in den kommenden Wochen sukzessive erhöhen. Spätestens ab März soll sich die Personalsituation deutlich entspannen, so die BEG in ihrer Pressemitteilung.

BEG überwacht die Umsetzung der Maßnahmen bei BOB/BRB

Die BEG werde die Umsetzungen der Maßnahmen in allen drei Netzen intensiv begleiten, teilt das Unternehmen abschließend mit.

Alle vereinbarten Verbesserungen "werden in einer umfangreichen Maßnahmenliste dokumentiert und mit Zielterminen hinterlegt", heißt es. Die BEG werde sich zudem von der BOB/BRB-Geschäftsführung im Rahmen wöchentlicher Gespräche über den jeweiligen Umsetzungsstand unterrichten lassen und bei Bedarf die Aufnahme zusätzlicher Maßnahmen fordern. Des Weiteren werden auf Initiative der BEG kurzfristig weitere Gespräche zu einzelnen Themenbereichen auf Fachebene stattfinden. Auch mit dem Infrastrukturbetreiber DB Netz AG wird es Gespräche auf regionaler Leitungsebene zur Aufarbeitung der Winterkrise sowie der allgemeinen Infrastrukturstörungen geben.

Damit sich bei Fahrgästen nun aber nicht gleich zu hohe Erwartungen einstellen, drückt die BEG am Ende ihrer Mitteilung allerdings noch etwas auf die Bremse: "Wir können nicht erwarten, dass der Betrieb nun schlagartig vollständig reibungslos verläuft. Dafür sind die bestehenden Probleme, insbesondere im Bereich der Fahrgastinformation, zu umfangreich und vielschichtig", betont Prechtl. (pm)
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