Vorderer Lech: Fachleute befürchten, dass Mauer schlagartig einstürzen könnte

Die denkmalgeschützte Stützmauer am Vorderen Lech unterhalb der Dominikanerkirche ist nicht länger standsicher und muss umgehend saniert werden. (Foto: Ruth Plössel)
 
Die denkmalgeschützte Stützmauer am Vorderen Lech unterhalb der Dominikanerkirche ist nicht länger standsicher und muss umgehend saniert werden. (Foto: Ruth Plössel)

Die Stützmauer am Vorderen Lech unterhalb der Dominikanerkirche ist einsturzgefährdet. Mit baulichen Maßnahmen will die Stadt Augsburg bis zur Sanierung der Mauer die Gefahr von herabstürzenden Steinbrocken bannen.

Die Tragfähigkeit der denkmalgeschützten Mauer am Vorderen Lech ist nicht mehr gewährleistet. Dies haben vom Hochbauamt veranlasste Statik-Messungen ergeben. Die Mauer gehörte früher zur Klosteranlage der Dominikanerkirche. "Weil aufgrund des bestehenden Erddrucks Einsturzgefahr besteht, ist der Gehweg im Bereich der Stützmauer ab sofort gesperrt", vermeldet die Stadt in einer Pressemitteilung.

Auch der betreffende Kanalabschnitt des Vorderen Lechs wurde abgedeckt. Wie das städtische Hochbauamt mitteilt, wurde die Stützmauer 2017 wegen bereits früher aufgetretenen Bodenabsenkungen auf dem Gelände unterhalb des Kindergartens von St. Moritz auf ihre Standsicherheit hin untersucht.

Wie sich zeigte, besteht die Mauer aus zwei getrennten Schalen, die keinen Verbund haben. Vielmehr ist der Zwischenraum mit Steinresten und Erdreich verfüllt. Hangseitig lässt sich die Wand händisch abtragen, da kein Zusammenwirken der einzelnen Steine vorhanden ist. Dies hat zu einer deutlich sichtbaren Ausbauchung geführt. Die Bauforschung hat Fragmente der Wand auf 1726 datiert. An sie grenzt direkt der Kanal des Vorderen Lechs, wie auch öffentliche Bereich mit Fußgängerweg und der Straße Vorderer Lech.

Mauer schlagartig einsturzgefährdet

Aufgrund des hohen anstehenden Erdreiches und des äußerst schlechten Zustandes der Mauer kann die Tragfähigkeit aufgrund der aktuellen Messung vom 11. Juni aus Sicht des beauftragten Statik-Büros nicht mehr nachgewiesen werden. Vielmehr habe sich gezeigt, dass sich im Bereich der Mauerkrone im Lauf von nur vier Wochen eine Bewegung von drei Millimetern ergeben hat
.
Aufgrund des permanent bestehenden Erddrucks befürchten Fachleute, dass die Mauer schlagartig einstürzen könnte. Davon wäre der Kanal des Vorderen Lechs betroffen, der etwa zwei Kubikmeter Wasser pro Sekunde führt. Herabfallende Mauerteile würden das Wasser aufstauen lassen, das sich - trotz umgehender Kanalabsperrung aufgrund des im Kanalsystem befindlichen Restwassers – dann in die Altstadt ergießen würde.

Ein weiteres Gefahrenszenario betrifft den Fußgängerbereich und die Straße, die durch herabfallende Mauerteile betroffen sein könnten.

Fußweg gesperrt – Kanal abgedeckt

Weil von "Gefahr in Verzug" auszugehen sei, so die Stadt, "besteht dringender Handlungsbedarf". Die Stadt hat deshalb bereits die nutzbare Straßenbreite am Vorderen Lech auf 3,5 Meter zuzüglich Gehweg begrenzt, um die Verkehrssicherheit sicherzustellen. Damit entfallen in diesem Bereich sieben Parkplätze.

Auf einer Länge von rund 34 Metern wurde außerdem der Kanal als Sofortmaßnahme mit Stahlplatten abgedeckt. Sie werden voraussichtlich in zwei Wochen durch tragende Kanthölzer ersetzt und bilden die Arbeitsplattform für die anstehenden Sanierungsmaßnahmen.

Das Hochbauamt schätzt dafür Kosten in Höhe von rund 30.000 Euro.

Die Instandsetzung der Stützwand soll mit einer Rückverankerung durch eine patentierte Systemvernadelung über Erdnägel erfolgen. Dabei werden die Wand durchbohrt und einzelne Bodenverankerungen in mehreren Reihen gesetzt.

Durch diese Konstruktion ist das Mauerwerk dann in seiner Lage gesichert und die Standsicherheit wiederhergestellt. Anschließend wird die Maueroberfläche denkmalgerecht überarbeitet. Hierfür werden Fehlstellen vermauert, defekte Steine ausgetauscht und die fehlenden Fugen werden nachgearbeitet, so dass das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederhergestellt wird. Das gleiche Sicherungssystem wurde auch schon am Lueginsland erfolgreich eingesetzt.

Mauersanierung noch heuer zwingend

Die Mauer müsse noch in diesem Jahr vor der Frostperiode instandgesetzt werden, betont die Stadt Grund hierfür ist, dass die Stabilisierung der oberhalb liegenden Dominikanerkirche, beziehungsweise der Apsiden, erst nach einer Stabilisierung der Stützmauer am Vorderen Lech möglich ist.

Bauarbeiten mit schwerem Gerät auf der Grünfläche seien bis dahin jedenfalls nicht möglich, da die Stützwand dadurch zusätzlich belastet würde. Die Kosten der Maßnahme, die voraussichtlich förderfähig sind, werden auf rund 460.000 Euro geschätzt. Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. (pm)
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