Warum Richter in Augsburg zu Straßenbahn-Fahrschülern wurden

Fortbildungssommer: Sechs Richter des Augsburger Zivilgerichts durften ans Steuer einer Straßenbahn. Foto: Amtsgericht Augsburg

An einem ungewöhnlichen Ort traten sechs Richter des Augsburger Zivilgerichts kürzlich ihren Dienst an. Die Juristen wurden im Zuge des "Augsburger Fortbildungssommer" Straßenbahn-Fahrschüler für einen Tag.

Auch wenn es die "Gerichtsferien" früherer Zeiten nicht mehr gibt, macht sich die Ferienzeit auch am Amtsgericht bemerkbar. Die Sitzungsaushänge weisen weniger Verhandlungen auf, viele Anwälte sind im Urlaub. Traditionell nutzt die Richterschaft diese Phase zur Weiterbildung. Neben theoretischen Einheiten zu neuesten Entwicklungen in Gesetzgebung und Rechtsprechung lege das Amtsgericht Augsburg aber auch großen Wert auf praxisnahe Fortbildung. Die Richter sollen hautnahe Einblicke in Sachverhalte bekommen, über die sie häufig entscheiden.

Die Abschlussveranstaltung des Fortbildungssommers 2019 fand in Kooperation mit den Stadtwerken Augsburg statt. Unter Führung des Vizepräsidenten Michael Endres machten sich fünf weitere Zivilrichter zum Straßenbahndepot in der Baumgartnerstraße auf. Nach Begrüßung durch den Leiter der Fahrzeugwerkstätten Klaus Röder übernahm auch schon der langjährige Ausbildungsleiter Xaver Geierhos und brachte den Richtern die Grundlagen des Schienenverkehrs näher. 

"Entsprechende Schadenersatzklagen werden immer wieder vor Gericht verhandelt"

Dann ging es schnell in den praktischen Teil. Eine echte Augsburger Tram wartete auf die Richter. Alle sechs Richter durften in einer Fahrschulstraßenbahn der Stadtwerke einmal selbst ans Steuer, oder besser an den Steuerknüppel. Auf der Strecke zwischen Straßenbahndepot, Haunstetten und Friedberg wurde unter dem wachsamen Auge des Fahrschulleiters Anfahren und Bremsen geübt.

Manch einem Passanten mag die anfangs etwas ruckelige Fahrweise der Fahrschüler aufgefallen sein. "Bald hatten aber alle den Dreh raus", zeigte sich Fahrlehrer Geierhos sichtlich zufrieden mit seinen sechs Fahrschülern auf Zeit.

Besonders interessiert waren die Richter daran, Vollbremsungen aus verschiedenen Geschwindigkeiten selbst zu erleben. "Entsprechende Schadenersatzklagen werden immer wieder vor Gericht verhandelt", so Vizepräsident Endres. Am eigenen Leib erfuhren die Richter, wie schnell die Fahrschul-Tram zum Stehen kommt. Nicht nur einmal hieß es "gut festhalten". (pm)
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