Was tun gegen das schlechte Image des Pflegeberufs

Heimleiterin Justine Bohn
„Wir haben immer noch nicht gelernt, mit dem Tod zu leben“, sagt Justine Bohn. Auf sie selbst trifft das nicht zu: Die 47-Jährige leitet das Pflegeheim am Lohwald der Diakonie Augsburg. Mit knapp 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kümmert sie sich um 90 Senioren. Eine Aufgabe, die fordere, aber auch sehr glücklich mache, so Bohn. Was die Augsburgerin jedoch zunehmend schlecht schlafen lässt, ist der gravierende Personalmangel und das negative Image ihres Berufes. Eine Möglichkeit, den Beruf der Altenpflege attraktiver zu machen, sieht sie in der akademischen Qualifikation.

An der FOM Hochschule in Augsburg können Berufstätige und Auszubildende parallel zum Job in sieben Semestern Pflegemanagement oder Gesundheits- und Sozialmanagement studieren. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie den Bachelor-Grad – und sind in der Lage, deutlich mehr Verantwortung in der Gesundheits- und Pflegebranche zu übernehmen.

Altenpflege bedeute längst mehr, als die Bewohner zu waschen und zu versorgen, betont Justine Bohn. „Eine Pflegekraft muss umfassendes Fachwissen mitbringen und vielseitig sein.“ Zur Pflege gehöre mittlerweile auch Management. „Meine Mitarbeiter müssen Risiken erkennen, Qualitätsrichtlinien einhalten und Planungsaufgaben übernehmen.“ Je höher der Mitarbeiter qualifiziert sei, desto leichter gehe ihm die Arbeit von der Hand.

Justine Bohn liebt ihren Job. Seit zwanzig Jahren arbeitet sie in der Altenpflege, hatte bereits verschiedene Leitungspositionen inne. Vor zwei Jahren übernahm sie die Leitung des Pflegeheims am Lohwald. „Ich habe den schönsten Beruf auf Erden.“ Problematisch sei aber der eklatante Personalmangel in dieser Branche. Über 70 alte Menschen stehen auf ihrer Warteliste, wollen gerne ins Heim ziehen. Zusätzliche Patienten aufnehmen kann sie aber nicht, das lassen Platz und Mitarbeiteranzahl nicht zu. Aktuell fehlen ihr zwei Vollzeitkräfte, fünf volle Stellen hat sie mit Zeitarbeitskräften besetzt. „Anders geht’s nicht.“

„Wir werden immer älter und multimorbider“, so die Heimleitung. Jeder Dritte hat mittlerweile eine diagnostizierte Demenz. Die Pflege sei anspruchsvoller geworden, gleichzeitig leide der Beruf des Altenpflegers unter einem großen Imageproblem. „In unserer Freizeitgesellschaft hat der Job einen schlechten Ruf“, so Bohn. Die jungen Leute wollen lieber anders arbeiten, keine Wochenenddienste und Schichtarbeit übernehmen und mehr Geld verdienen. „Ich würde mir wünschen, dass die Pflege einen deutlich höheren Stellenwert bekommt“, so Bohn.
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