We are One Amnesty – Das Jugendcamp in Oyibi

Am Tag nach unserer Ankunft in Accra besuchten wir das Amnesty-Büro der ghanaischen Sektion. Wir lernten Frank Doyi, den Direktor von Amnesty Ghana kennen, sowie die Mitarbeiter_innen des Büros. Kurz darauf trafen wir auch Moses Akatugba, für den sich Amnesty im Briefmarathon vor ein paar Jahren eingesetzt hatte und der daraufhin begnadigt wurde. Es war eine surreale Situation, die Person zu treffen, an die man Briefe geschrieben hatte, ohne zu wissen, ob sie ankommen würden und um die man Angst hatte, ohne sie je kennengelernt zu haben. Und dann sitzt man plötzlich gemeinsam in einem Raum und spricht über die Amnesty-Arbeit in Nigeria, als dessen Sprecher Moses zum Jugendcamp fuhr.


Am Abend des Anreisetags traf ich zum ersten Mal Malachi, den Gruppensprecher meiner Twinning-Partnergruppe. Es war ein überwältigender Augenblick, ihn nach drei Jahren intensiver Zusammenarbeit, sowie unzähliger Mails und Telefonate persönlich zu treffen. Ich traf an diesem Abend auch Nannette, die Koordinatorin des Twinning-Programms auf ghanaischer Seite. An diesem Abend arbeiteten wir bis tief in die Nacht für den gemeinsamen Workshop am nächsten Tag.


Am ersten Tag im Jugendcamp begann die Tagesordnung bereits um 5 Uhr morgens: Frühsport. Ich entschied mich jedoch dazu, meine Kräfte für das weitere Programm zu sparen.
Der Vormittag war kurzweilig: Wir lernten die ganze Zeit neue Leute kennen, die Teilnehmenden, den Vorstand, bis hin zu den Delegierten aus anderen Sektionen. Unter dem Motto Advancing Human Rights and SDG s- The Role of the Youth begann die Eröffnungszeremonie mit traditioneller Musik und Tänzen. Von Christine Ivans-Clock, Koordinatorin der Vereinten Nationen, hörten wir den ersten fesselnden Vortrag zum Thema des diesjährigen Jugendcamps, die Erfüllung der Sustainable Devolpement Goals und die Rolle der Jugend. „Ihr seid die erste Generation, in der Armut beendet werden könnte und die letzte Generation, die die Umwelt retten kann“, appellierte sie eindringlich an uns. Danach gab Moses einen bewegenden Einblick in seine Lebensgeschichte, seine Zeit in der Gewalt des nigerianischen Militärs und im Todestrakt. Beim Mittagessen konnten wir uns zum ersten Mal endlich richtig austauschen. Als wir gemeinsam mit den Teilnehmer_innen des Jugendcamps und den Delegierten aus Mali, Norwegen und Nigeria zu Mittag aßen, wurde mir aufs Neue klar, wie groß unsere Bewegung eigentlich ist. Es gibt uns auf der ganzen Welt, Aktivist_innen, die die Leidenschaft für die Menschenrechte verbindet und die gemeinsam dafür eintreten: Wir kommen aus aller Welt zusammen, weil uns die Leidenschaft für die Menschenrechte verbindet und wir gemeinsam dafür eintreten.


Später am Tag hielten wir unsere Workshops zu den Themen Fundraising, Campaining, dem Werben von Mitglieder und dem Twinning-Programm, je ein oder zwei deutsche Delegierte und eine Person von ghanaischer Seite. Dadurch entwickelte sich eine gute Dynamik, wir ergänzten uns gegenseitig und kamen alle zu sehr zufriedenstellenden Ergebnissen. An diesem Nachmittag sollte eigentlich auch die erste ghanaische Jugendvertretung gewählt werden, was aber leider doch nicht stattfand, da aufgrund der noch nicht ausgearbeiteten Jugendstrategie nichts überstürzt werden sollte. Das war natürlich schade, dennoch gab es einen guten Austausch über die zukünftige Jugendstrategie, Aktionsplanung und verschiedene Formen von Jugendvertretungen und Jugendarbeit und wir werden im weiteren Konsultationsprozess in Kontakt bleiben.


Am nächsten Tag begann der Frühsport zwar erst um 6 Uhr, ich entschied mich dennoch dagegen. Der Vorschlag, diesen Tagesordnungspunkt auch bei Jugend(at)Amnesty zu etablieren, rief gemischte Reaktionen hervor. Vormittags fand dann eine Podiumsdiskussion zum Thema SDGs mit einem Vertreter der Regierung und Juristen statt, an der auch ich teilnehmen durfte. Es war interessant zu hören, wie Ghanaer selbst zu dem Thema Gleichstellung und den Ursachen von Sexismus in Ghana stehen Probleme entstehen häufig aus der patriarchalischen Kultur heraus und mangelnder Aufklärung, gerade wenn es um Familienplanung geht.


Das Jugendcamp endete schließlich mit einem black tie event, ein gelungener Abschluss, denn wir konnten uns ein letztes Mal mit allen in ungezwungener Atmosphäre unterhalten und Kontaktdaten austauschen.


Tags darauf brachen wir früh nach Accra auf, wo wir an einem Training über Todesstrafe teilnehmen durften. Das Training ging in die Tiefe und zeigte neben der moralischen Argumentation auch auf, auf welche internationalen und panafrikanischen Verträge und internationalen Standards man sich bei der Argumentation gegen die Todesstrafe berufen kann.
In den nächsten Tagen werden wir noch das Goethe-Institut, sowie die Slum-Union in Accra besuchen, uns mit dem Vorstand treffen und einen Termin bei der Botschaft wahrnehmen.
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