Weltbild zieht Klage gegen Betriebsrat zurück

Der Buchversand Weltbild musste im Jahr 2014 Insolvenz anmelden. Für Verdi geht die Sanierung des Unternehmens auf Kosten der Beschäftigten. Seit einigen Monaten wollte die Geschäftsführung nun die Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden vor Gericht durchsetzen. Foto: Tabitha Assner

Seit Juli wollte die Weltbild-Geschäftsführung die Kündigung ihres Betriebsratsvorsitzenden vor dem Augsburger Arbeitsgericht durchsetzen. Verdi hatte zur Solidarität und zum Protest aufgerufen, da sie die Vorwürfe nur für einen Vorwand hielten, um den Betriebsrat loszuwerden. Nun hat der Konzern den Kündigungsantrag überraschend zurückgezogen.

Das Unternehmen hatte als Kündigungsgrund angegeben, dass der Betriebsratsvorsitzende einem tschechischen Kollegen nach dessen Kündigung geraten habe, sich für die restliche Arbeitszeit krank zu melden. Der Betriebsrat stritt das ab, schon bei der ersten Verhandlung im Juli habe es vonseiten des Richters Signale gegeben, dass das Verfahren für Weltbild wenig Erfolg verspreche, berichtete Verdi.

Nach einer zweiten Verhandlung am 19. November riet der Richter vor dem Arbeitsgericht der Geschäftsführung, den Antrag zur Kündigung zurückzuziehen. Es gebe keine stichhaltigen Beweise und selbst wenn der Betriebsrat zur Krankschreibung geraten habe, sei dies kein Kündigungsgrund, eine Abmahnung hätte genügt. Außerdem genieße ein Betriebsrat besonderen Schutz. Der nächste Verhandlungstag hätte am 29. November stattfinden sollen, nun hat der Konzern den Kündigungsantrag allerdings überraschend zurückgezogen.

Verdi hatte zum Protest gegen das "Betriebsratsmobbing" aufgerufen. "Der Arbeitgeber legte keinerlei Beweise vor", teilte Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck nach der ersten Verhandlung mit. "Wir befürchten, dass die aktuelle Attacke Teil eines größeren Plans ist." Der kämpferische Betriebsrat stehe den Sanierungsplänen, die auf Kosten der Beschäftigten gingen, offenbar im Weg.

Nach der Insolvenz im Jahr 2014 verlegte Weltbild seinen Versand nach Tschechien. Als dort mehreren Mitarbeitern fristgerecht gekündigt wurde, soll der Betriebsratschef einem der Betroffenen geraten haben, sich für die restliche Zeit krankschreiben zu lassen. Er wies diese Anschuldigung entschieden zurück. Zwar habe man die gekündigten Personen beraten, ihnen aber nicht das Blaumachen empfohlen. Im Rahmen der Verdi-Kampagne "Finger weg von unserem Betriebsrat" erklärten sich hunderte Kollegen solidarisch mit ihrem Betriebsratsvorsitzenden.

Die Entscheidung, den Kündigungsantrag zurückzuziehen, begrüßte Thomas Gürlebeck. Es sei eine gute und überfällige Nachricht. Für den Betriebsrat sei das Verfahren trotzdem belastend gewesen. (lat)
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