Willst du meine Behinderung? Ein Erfahrungsbericht über den Umgang mit Behindertenparkplätzen in Augsburg

Fehlendes Bewusstsein bei vielen, die unerlaubt auf einem Behindertenparkplatz stehen, macht Menschen mit Behinderung das Leben schwer.

Aus Parkplatznot, aber auch aus reiner Bequemlichkeit stellen sich so manche Mitmenschen auf Behindertenparkplätze. Was sie dabei vielleicht vergessen, ist, dass es Leute gibt, die auf eben diesen Parkplatz angewiesen sind. „Musste nur kurz zur Bank“, „Der war doch eh frei“ oder „so behindert siehst du aber nicht aus“ sind die häufigsten Ausreden, die man als behinderter Mensch zu hören bekommt.

Solchen Parksündern sollte man die „Rosa Karte“ zeigen. Diese, mit dem Hinweis „Sie haben meinen Parkplatz. Möchten Sie auch meine Behinderung?“ erhielt ich auf einer Reha-Maßnahme in Bad Soden: Eine Rosa Karte mit ebendieser Aufschrift. Ich kopierte etliche Exemplare und verteilte sie – leider fleißig, denn in einem Jahr, in dem ich nun einen Behinderten-Parkausweis besitzte, erlebte ich bestimmt schon 20 Fälle von „Falschparkern“.
Kurzen Prozess macht da Luxemburg. Die Strafe für verkehrswidriges Parken auf Behindertenparkplätzen muss auch spürbar im Geldbeutel weh tun, lautet die Devise im Nachbarland. Im Großherzogtum kommen dann bei einem Falschparken auf den ausgewiesenen Plätzen, inklusive Abschleppen und Gebühren, leicht mal mehrere Hundert Euro zusammen.

Wer unerlaubt auf dem Behindertenparkplatz steht, wird abgeschleppt

Dass man als Autofahrer auf einem Behindertenparkplatz ohne Behindertenausweis nicht parken darf, versteht sich eigentlich von selbst. Wie ist es aber mit kurz anhalten? Oder etwa einen Beifahrer im Auto warten lassen, der bei Bedarf wegfahren kann? Auch da gibt es klare Regeln. „Wer auf einem Behindertenparkplatz parkt, dem droht nicht nur ein Knöllchen, sondern er kann auch abgeschleppt werden“, sagt Polizeioberkommissar Jürgen Wörle vom Polizeipräsidium Schwaben Nord. Das Bußgeld könne auch nicht dadurch verhindert werden, dass jemand im Fahrzeug die Stellung hält. Höchstens durch unverzügliches Wegfahren könne man das Abschleppen verhindern. „Unsere Kollegen überprüfen regelmäßig im Rahmen des Streifendienstes, ob in den auf Behindertenparkplätzen abgestellten Fahrzeugen entsprechende Berechtigungsausweise ausliegen“.
Gleiches gilt für den Verkehrsüberwachungsdienst der Stadt Augsburg. Nach einer ausgesprochenen gebührenpflichtigen Verwarnung werde nach einer fünfzehnminütigen Karenzzeit die Polizei gerufen, die ihrerseits einen Abschleppdienst verständigt, erklärt Robert Port vom Verkehrsüberwachungs- und Ordnungsdienst der Stadt Augsburg. Reinhard Staudenmayer vom Tiefbauamt weiß, wo Behinderte auch noch parken können: Im Bereich eines eingeschränkten Haltverbots oder eines Zonenhaltverbots bis zu drei Stunden, an allgemeinen Parkplätzen über die zugelassene Parkzeit hinaus, in Fußgängerzonen während der Lieferzeiten, an Parkscheinautomaten ohne Gebühr und zeitliche Beschränkung und in verkehrsberuhigten Bereichen außerhalb der gekennzeichneten Flächen, „sofern der durchgehende Verkehr nicht behindert wird“.
Auf privaten Flächen, wie vor Einkaufszentren oder beispielsweise am Augsburger Hauptbahnhof, müsse man sich jedoch an den Eigentümer wenden, so der Polizeioberkommissar. Jürgen Wörle sagt weiter: „Allerdings berechtigt ein Parkausweis für Behinderte nicht nur zum Benutzen eines Behindertenparkplatzes. So darf ein Mensch mit Behinderung auch einen anderen Parkplatz, zum Beispiel einen Anwohnerparkplatz, benutzen, wenn der Behindertenparkplatz bereits besetzt ist“.

Behindertengerechte Autos brauchen mehr Platz

Ein anderes Problem ist, dass auf Behindertenparkplätzen oft große Autos parken, da jene Flächen ja breiter sind als andere Parkplätze. Rollstuhlfahrer, aber auch Menschen mit einer Gehbehinderung, benötigen zum Aus-und Einsteigen mehr Platz als Menschen ohne Behinderung. Beim Rollstuhlfahrer muss links neben dem Auto so viel Platz sein, dass er die Fahrertür ganz aufmachen kann und der Rollstuhl neben das Auto passt.
Menschen mit einer Gehbehinderung sind in der Bewegung der Beine oft eingeschränkt und müssen deswegen auch die Fahrertür ganz aufmachen beim Ein-und Aussteigen. Deswegen benötigen auch sie mehr Platz und somit einen Behindertenparkplatz. Viele Einkaufsläden haben Behindertenparkplätze sehr nahe am Eingang. Das ist sinnvoll, weil das Tragen von schweren Einkaufstüten für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung sehr anstrengend ist. Als Gehbehinderter hat man oft noch eine muskelbedingte Gleichgewichtsstörung, die das noch erschwert. Im Winter kommen dann noch Schnee und eventuell Glatteis dazu. Da ist jeder Meter, der nicht erlaufen werden muss, eine echte Wohltat.
Auch deswegen ist es ein großes Ärgernis, wenn Behindertenparkplätze von Menschen ohne Behinderung belegt werden.
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