Witty-Jugendförderpreis: Sieger-App auf dem Weg zur Marktreife

Prof. Dr. Alexandra Teynor (rechts) von der Hochschule Augsburg entwickelt mit den Studenten (von links) Michael Fürmann und Marina Lemcke, sowie mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sandra Hobelsberger die App für Autisten.

Im vergangenen Sommer erhielten die Hochschule Augsburg, die Fachklinik Josefinum und die Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg den Witty-Jugendförderpreis für ihr Gemeinschaftsprojekt “Autark”. Mit dem Preisgeld wurde die Entwicklung einer App für Autisten unterstützt, die nun im Josefinum getestet wird, eh sie auf den Markt kommt. 

Das Entwicklerteam um Dr. Alexandra Teynor, Professorin für Software-Engineering an der Hochschule Augsburg, trifft sich regelmäßig auf dem Campusgelände am Roten Tor. Drei Studenten progammieren eine neue Anwendung (Applikation, kurz App) für Handys. Sie soll Autisten, die normal- und auch hochbegabt sein können, aber mitunter so einfache Dinge wie das tägliche Zähneputzen immer wieder vergessen, selbstständiger machen. Daher der Projektname “Autark”.
Zu bestimmten Uhrzeiten erhalten die Kinder und Jugendlichen Nachrichten mit Symbolen und Anweisungen auf ihr Smartphone, die sie an spezielle Aufgaben erinnern. Hilfe zur Selbsthilfe, die Autisten in ihrer Selbstständigkeit unterstützt und die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nutzt.
Allein in Augsburg leben rund 3.000 Personen an dieser Entwicklungsstörung. Mit großem Interesse wird die App für Autisten, die im ganzen deutschsprachigen Raum eingesetzt werden könnte, verfolgt. “Der Witty-Jugendförderpreis hat bei der Entwicklung der App einen wichtigen Beitrag geleistet”, sagt Prof. Dr. Alexandra Teynor, die das Innovationslabor der Hochschule Augsburg leitet.
Im Dezember haben Eltern der Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg die App getestet. Kommen sie damit zurecht? Lässt sie sich den Bedürfnissen ihrer Kinder leicht anpassen? Sollen die Nachrichten auf dem Smartphone wie zum Beispiel “Heute schon Zähne geputzt?” oder “Schulranzen packen” nur mit Text oder auch mit Bildern hinterlegt werden? Die Ergebnisse des Tests flossen in die Aufbereitung der App mit ein.
Jetzt wird erstmals eine Gruppe autistischer Kinder und Jugendlicher, die im Josefinum stationär betreut wird, die App im Alltag verwenden. Die Ergebnisse werden dem Entwicklerteam weitere Hinweise liefern, ob und wie das Programm noch verfeinert werden könnte. Im Sommer könnte sie dann bereits zur allgemeinen Benutzung zur Verfügung stehen – was sich aus einer Idee betroffener Eltern und einer studentischen Projektarbeit alles ergeben kann.
“Es haben schon viele tolle Initiativen den Witty-Jugendförderpreis erhalten. Das aktuelle Siegerprojekt “Autark” könnte sich zum Preisträger mit der größten Breitenwirkung und mit dem größten Nutzen entwickeln”, freut sich Geschäftsführer Dr. Hubert Witty, dessen Firma den Preis bereits zum elften Mal vergab. Auch 2019 wird wieder der mit 10.000 € dotierte Witty-Jugendförderpreis ausgeschrieben (Ausschreibung folgt im Frühjahr). 

Witty-Jugendförderpreis 2018

• Witty ist ein mittelständisches Unternehmen, das seit über 70 Jahren Spitzenlösungen für die Schwimmbadpflege, Großküchen- und Trinkwasserhygiene auf den Markt bringt. Entwickelt und produziert werden die Produkte zum Reinigen und Wasseraufbereiten sowie Dosieranlagen am Firmensitz in Dinkelscherben. Der Familienbetrieb mit Geschäftsführer Dr. Hubert Witty an der Spitze beschäftigt über 300 Mitarbeiter, die Hälfte davon am Firmensitz in Dinkelscherben.
• Der mit 10.000 € dotierte Witty-Jugendförderpreis wird seit 2008 jährlich vergeben. Das sind die bisherigen zehn Preisträger: Eltern für Afrika, Josefsheim Reitenbuch, die Brücke, Frére-Roger-Kinderzentrum, Drogenhilfe Schwaben, der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg zusammen mit dem Jungen Theater Augsburg, pro Familia in Augsburg, Augsburger Caritas, Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) der Arbeiterwohlfahrt und der Kreisjugendring (KJR) Augsburg-Land. Zum zehnjährigen Jubiläum ging im Vorjahr ein Sonderpreis an die St.-Gregor-Jugendhilfe. 2018 wurde das Projekt Autark der Hochschule Augsburg, der Fachklinik Josefinum und der Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg ausgezeichnet.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.