Witty-Jugendförderpreis: Sieger-App macht Autisten autark

Dr. Hubert Witty (links) gratuliert den Gewinnern des diesjährigen Witty-Jugendförderpreises, die eine App für Autisten entwickeln (von links): Elke Zweck von der Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg, Michael Fürmann, App-Entwickler von der Hochschule Augsburg, und Simon Mayer, Oberarzt am Josefinum. Bild: Schmid Media

1 Projekt, 3 Gewinner: Der 11. Witty-Jugendförderpreis 2018 geht an das Projekt Autark der Hochschule Augsburg, der Fachklinik Josefinum und der Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg. Mit dem Preisgeld in Höhe von 10.000 € wird eine App für Autisten entwickelt. 


Allein in Augsburg leben rund 3.000 Autisten (laut Statistik 1% der Bevölkerung). Diese Entwicklungsstörung erschwert den Umgang mit anderen Menschen und die Strukturierung des Alltags. So bereitet Autisten, die normal- und auch hochbegabt sein können, schon das tägliche Zähneputzen Probleme, weil sie es einfach vergessen. Genau da setzt das Projekt Autark an. Mit dem Preisgeld wird eine neue Anwendung (Applikation, kurz App) für Handys entwickelt. Zu bestimmten Uhrzeiten erhalten die Kinder und Jugendlichen Nachrichten mit Symbolen und Anweisungen auf ihr Smartphone, die sie an bestimmte Aufgaben erinnern. Hilfe zur Selbsthilfe, die Autisten in ihrer Selbstständigkeit unterstützt und die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nutzt. Voraussichtlich im Herbst wird ein Prototyp der App getestet.
Ein Vater eines autistischen Kindes aus der Region, der nicht genannt werden möchte, hatte die Idee. Er suchte nach einem Ausweg, um nicht ständig dem Sohn immer wieder die gleichen Fragen stellen zu müssen: Hast du schon...? Denkst du daran ...? Beim Josefinum, wo der Sohn betreut wird, und bei der Hochschule Augsburg stieß er auf großes Interesse. Die Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg kümmert sich als dritter Projektpartner um die praxisgerechte Umsetzung.
Mit dem Witty-Jugendförderpreis bekommt das Projekt nun zusätzlichen Schwung: „Wir freuen uns total. Das ist eine große Auszeichnung für alle, die an der Entwicklung mitarbeiten“, sagte Dr. Alexandra Teynor, Professorin für Software-Engineering. Prof. Michele Noterdaeme von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Josefinum ist überzeugt: „Wir steigern die Lebensqualität vieler Autisten, die dadurch selbstständiger werden. Der Projektname Autark ist von daher gut gewählt.” Sie könne sich vorstellen, dass die Sieger-App für jeden zweiten Autisten im deutschsprachigen Raum nützlich wäre.
Das zeigt die Dimension des aktuellen Witty-Jugendförderpreisträgers. „Es ist das erste Mal, dass wir eine technische Innovation auszeichnen. Dass sie zudem vielen Betroffenen weit über die Region hinaus zugute kommen wird, spricht zusätzlich für das Siegerprojekt Autark“, sagte Geschäftsführer Dr. Hubert Witty, dessen Firma den Preis nun bereits zum elften Mal vergab.
Mit dem Witty-Jugendförderpreis werden neue Initiativen aus den Bereichen Schule, Sport, Ernährung, Kultur, Integration, Umweltschutz und Gesundheit ausgezeichnet. Das Projekt soll das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen stärken und sie zur Selbsthilfe animieren. „Die Jugend ist unsere Zukunft. Auch als Firma sind wir auf gute Nachwuchskräfte angewiesen. Wenn wir junge Leute in ihrer Entwicklung mit einem interessanten Projekt unterstützen können, hat der Preis seine Aufgabe mehr als erfüllt“, betont Dr. Hubert Witty, Geschäftsführer des Familienunternehmens aus Dinkelscherben (Landkreis Augsburg).


Witty-Jugendförderpreis 2018 
• Witty ist ein mittelständisches Unternehmen, das seit über 70 Jahren Spitzenlösungen für die Schwimmbadpflege, Großküchen- und Trinkwasserhygiene auf den Markt bringt. Entwickelt und produziert werden die Produkte zum Reinigen und Wasseraufbereiten sowie Dosieranlagen am Firmensitz in Dinkelscherben. Der Familienbetrieb mit Geschäftsführer Dr. Hubert Witty an der Spitze beschäftigt über 280 Mitarbeiter, die Hälfte davon am Firmensitz in Dinkelscherben.
• Der mit 10.000 € dotierte Witty-Jugendförderpreis wird seit 2008 jährlich vergeben. Das sind die bisherigen zehn Preisträger: Eltern für Afrika, Josefsheim Reitenbuch, die Brücke, Frére-Roger-Kinderzentrum, Drogenhilfe Schwaben, der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg zusammen mit dem Jungen Theater Augsburg, pro Familia in Augsburg, Augsburger Caritas, Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) der Arbeiterwohlfahrt und der Kreisjugendring (KJR) Augsburg-Land. Zum zehnjährigen Jubiläum ging im Vorjahr ein Sonderpreis an die St.-Gregor-Jugendhilfe.
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