Woher Rosenau und Wolfzahnau ihre Namen haben

Nicht mehr erste Liga, aber verantwortlich dafür, dass die kleine Rosenau weit über Augsburg hinaus bekannt ist: Das Rosenaustadion. Foto: Monika Saller
 
Den Rosenauberg kennt jedes Kind. Denn was im Sommer eine blühende Wiese ist, zieht im Winter zahlreiche Schlittenfahrer in die Rosenau. Foto: Monika Saller

Flurnamen prägten einst unsere Kulturlandschaft. Sie dienten zur Lokalisierung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Diese Bezeichnungen, die teilweise aus dem Mittelalter stammen, überliefern Ortsgeschichte. Rund 360 Flurnamen sind im Augsburger Stadtgebiet nachweisbar. Sie geraten nun selbst bei den Landwirten immer mehr in Vergessenheit.

Von Wilfried Matzke
Deshalb lässt man die heimatkundlich wertvollen Bezeichnungen in aktuellen Flurkarten und als Straßennamen weiterleben. So weisen 114 von derzeit 1934 Augsburger Straßennamen auf Flurnamen hin, mit dem „Hochfeld“ sogar ein Stadtteil.
Das Hochfeld und weitere Bezeichnungen beziehen sich auf die Topografie mit der markanten Lech-Wertach-Hochterrasse. Manchmal sind es längst unbekannte altdeutsche Wörter. So findet man „Nol“ für Hügel in Haunstetten, wo nun eine Straße (Auf dem Nol) entsprechend heißt. Auch kaum erkennbare Anhebungen haben Flurnamen geprägt, so das „Köpfle“ in der Gögginger Schafweidsiedlung (Am Köpfle). Häufig beziehen sich Flurnamen auf die Bodenfruchtbarkeit, wie „Goldwiese“ in Bergheim (Goldwiesenstraße) oder aber das „Geschenkte Gries“ im Lechtal bei Haunstetten. Gries beschreibt einen sandig-kiesigen Boden. Den Flurnamen „Gries“ gab es ebenfalls im Wertachtal bei Oberhausen (Griesstraße). Auch Größe oder Form der landwirtschaftlichen Flächen sorgten für Flurnamen, so „Zwergacker“ im Bärenkeller (Am Zwergacker). Häufig spiegeln sich die früheren Grundbesitzer wider. In der „Schmelzerbreite“ von Göggingen (Schmelzerbreitenweg) hatte ein Bauer namens Schmelzer seine Felder.
Auch auf Einrichtungen, die schon lange nicht mehr existieren, wird hingewiesen, wie beim „Galgental“. Hier in einer Senke zwischen Augsburg, Pfersee und Kriegshaber (Galgentalweg) wurde von 1364 bis 1809 das Hochgericht vollstreckt.
Beim Flurnamen „Graben“ westlich der Fußball-Arena (Graben weg) galt lange Zeit ein Entwässerungsgraben als Namensgeber. Mittlerweile weiß man, dass ein römisches Bauwerk gemeint ist. Militäringenieure hatten vor zwei Jahrtausenden die Singold angezapft. Ihr Wasser floss in einem rund 35 Kilometer langen Kanal über die Lech-Wertach-Hochterrasse nach Augsburg.
Manche Flurnamen erlauben interessante Rückschlüsse, wie die „Leisenmahd“, heute auch ein gleichlautender Straßenname in Haunstetten (Leisenmahd). Mahd steht für das Mähen und Leis gilt als Vorläufer des heutigen Wortes Gleis. Gemeint ist somit eine Wiese an einer Straße mit tiefen, gleisartigen Wagenspuren, die auf einen schon damals starken Verkehr hindeuten. Die Flur lag an der Haunstetter Straße, einst eine wichtige Handelsstraße nach Süden, die bereits die Römer als Via Claudia Augusta nutzten.

„Wolfzahnau“: Keine Wölfe

Aber bei etlichen Flurnamen weiß man ihre Bedeutung nicht mehr, so beim „Miltenberg“ in Göggingen (Miltenbergstraße) oder beim „Feurigen Acker“ in Lechhausen.
Zwei der wenigen Augsburger Flurnamen, die noch im Gebrauch sind, werden meist falsch interpretiert. Die „Wolfzahnau“ (Wolfzahnstraße) weist nicht auf die Anwesenheit eines Wolfes hin, sondern beschreibt die Form dieser Landspitze zwischen Lech und Wertach. Und in der „Rosenau“ (Rosenaustraße) wuchsen keine Rosen. Hier befanden sich Rössen, wie die Altwasser an der Wertach hießen. Auch „Perlach“ (Am Perlachberg) kann man als Flurnamen betrachten. Er wäre eine der ältesten überlieferten Augsburger Bezeichnungen dieser Art. Die Namensherkunft der Anhöhe, auf der im Jahr 989 ein erster Wachturm errichtet wurde, ist umstritten. So soll Perlach auf Vorführungen mit wilden Bären verweisen oder sogar römischen Ursprungs sein.
Wilfried Matzke, der Autor des Artikels, ist Vermessungsingenieur und leitet das städtische Geodatenamt.
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