Zu Gast! Lecture Performance über rechten Online-Aktivismus: »Flammende Köpfe«

Augsburg: Brechtbühne | »Flammende Köpfe« zeichnet den Weg vom Wohnzimmer in den Internet-Aufstand nach. Dieses bemerkenswerte und wichtige »Re-Enactment des Grauens«, so Deutschlandfunk Kultur, gastiert am Samstag, den 25. Januar 2020 um 19:30 Uhr in der brechtbühne im Gaswerk. Mittels Vlogs, Propaganda, Musik, dokumentarischem Material und einem wachsenden Chor von Avataren erzählt der Regisseur und Videokünstler Arne Vogelgesang (Berlin/Wien) die noch junge Geschichte rechter Wortergreifung im Netz. An exemplarischen Figuren radikal rechten Videoaktivismus zeigt er Sprache, Themen und Darstellungsweisen der so genannten besorgten Bürgerschaft. »Bissig, wichtig, erhellend und sehenswert.« fassen die Ruhr Nachrichten diesen am Schauspiel Dortmund produzierten Abend zusammen. Karten sind beim Besucherservice des Staatstheater Augsburg erhältlich.

Über »Flammende Köpfe«:
Am 18. Februar 2016 brüllte im sächsischen Clausnitz ein »asylkritischer« Mob einen Bus mit Geflüchteten vor einer Unterkunft nieder. Eine Woche später veröffentlichte Stern TV ein Interview mit Wolfram Fischer, der als Dolmetscher im Bus mitgefahren war. Fischer sprach darin nicht von einer Menschenmenge, die den Bus attackiert habe, sondern bezeichnete sie als eine »Menge von Köpfen«. Hassende, schreiende Köpfe. Das sprachliche Bild passte zu einem in dieser Zeit populär gewordenen Phänomen radikaler Internetpropaganda: Videobotschaften von sich als politischen Aktivisten neu erfindenden besorgten Bürgerinnen und Bürger. In diesen Mischformen aus Video-Blog und politischer Rede am virtuellen Stammtisch spielten Gesichter die entscheidende Rolle. Talking Heads einer entfesselten deutschen Bürgerlichkeit agitierten ihr Spiegelbild in der Webcam und befeuerten so den völkischen Aufstand.

Über Arne Vogelgesang:
Arne Vogelgesang studierte Theaterregie in Wien. 2005 gründete er das Theaterlabel internil. Seitdem realisiert seit er gemeinsam mit anderen Künstler*innen unter diesem Namen interdisziplinäre Theaterprojekte – in den letzten Jahren nahezu ausschließlich auf Basis von Internet- und Software-Material. Er ist außerdem als Videokünstler tätig und hält Vorträge zu radikaler Propaganda.


Fotos: © Birgit Hupfeld
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