6000 Augsburger versammeln sich am Rathausplatz für bundesweiten "Fridays for Future"-Streik

 

Rund 6000 Menschen haben sich am Freitag ab 11 Uhr am Augsburger Rathausplatz versammelt, um für einen radikalen Wandel in der Klimapolitik zu demonstrieren. Organisiert hatte den Klimastreik die Augsburger "Fridays for Future"-Bewegung. Deutschlandweit hatten auch die Schüler und Studenten anderer Städte Erwachsene aufgerufen, sich dem Streik anzuschließen.

Grund für die Demonstration war der am selben Tag stattfindende Klima-Gipfel in Berlin. Seit Donnerstag hatte die große Koalition über Klimaschutzmaßnahmen verhandelt, am Freitag sollte ein Klimaschutzpaket beschlossen werden. Überregionale Medien berichten inzwischen von einem "Durchbruch", CDU und SPD hätten sich auf ein Maßnahmenpaket mit 70 Einzelmaßnahmen geeinigt. 

Das Vertrauen, dass die Politik das Problem Klimawandel wirklich lösen will, haben viele der Demonstranten, die wöchentlich an den "Fridays for Future"-Streiks teilnehmen, inzwischen verloren. "Man fragt sich, warum niemand so handelt, als würden wir uns in einer Notsituation befinden", spricht Mitorganisatorin Aileen am Freitag auf der Bühne ins Mikrofon. "Denn das tun wir." Was die Erde brauche, sei ein radikaler Rückgang des Ressourcenverbrauchs. Doch was die deutsche Wirtschaft brauche, sei immer noch mehr Konsum. "Nur einer dieser Aspekte lässt sich verändern, und das sind nicht unsere Naturgesetze", ruft sie emotional in die Menge, und erntet lauten Applaus.

"Wir brauchen jetzt radikale Veränderungen"

Die Augsburger "Fridays for Future"-Bewegung feierte an diesem Freitag auch ein Jubiläum: Seit neun Monaten demonstriere man nun an den Freitagen, erzählt Emma, ebenfalls Teil des Organisationsteams, auf der Bühne. "Ich bin froh, dass diesmal nicht nur Schüler da sind, sondern dass alle Generationen an dem Streik teilnehmen", sagt sie. 2030 sei der "point of no return", und dann sei nur noch Schadensbegrenzung möglich. "Wir brauchen jetzt radikale Veränderungen, es ist noch nicht zu spät." Die "Fridays for Future"-Bewegung habe es geschafft, dass die Klimakrise inzwischen ein Dauerthema sei, es einen Diskurs gebe. "Gemeinsam können wir etwas bewegen", ruft sie den Demonstranten zu.

 "Nur die Politik kann etwas verändern", ist sich die 17-jährige Elisabeth sicher, die mit ihren Freunden an der Demo teilnimmt. Wie viele andere Streikende haben sie selbst gemachte Schilder dabei. "Natürlich kann auch jeder selbst etwas verändern, aber das hat einfach keine so große Auswirkung. Wenn es so weiter geht, will ich in dieser Welt keine Kinder haben." Zuvor habe sie auch schon ein Kritiker angesprochen, erzählt ihre ebenfalls 17-jährige Freundin Sofia. "Die Kritiker berufen sich immer auf einzelne wissenschaftliche Studien." Dass es einen weitgehenden Konsens in der Wissenschaft gebe, dass der Klimawandel möglichst sofort verlangsamt werden muss, das würden sie ignorieren. 

"Ich demonstriere, weil ich die Zukunft zwar nicht mehr so lange erleben werde, aber Enkel habe", erzählt eine weitere Demonstrantin. "Darum möchte ich für sie für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Welt demonstrieren." 

Polizei zieht positives Fazit

Nach der Kundgebung am Rathausplatz ziehen die mehreren tausenden Demonstranten durch die Augsburger Innenstadt. Die Strecke geht über über die Grottenau, Volkartstraße, Blaue Kappe, Katzenstadel, Klinkertorplatz, Schaezlerstraße, Königsplatz und die Philippine-Welser-Straße zurück zum Rathausplatz. Die Polizei zählt zu Spitzenzeiten etwa 6000 Teilnehmer, die sich friedlich an dem Zug beteiligen.

Insgesamt zieht die Polizei ein positives Fazit. Es sei zu keinerlei Störungen oder strafbaren Handlungen gekommen. Die große Teilnehmerzahl habe lediglich kurzzeitige Auswirkungen auf den Straßenverkehr in der Innenstadt gehabt.
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