Ärger um Islamkritik: Vorsitzender des Integrationsbeirates tritt zurück

Maximilian Rothermel ist vom Vorsitz im Integrationsbeirat zurückgetreten. Foto: privat

Augsburg - Maximilian Rothermel ist Ende der vergangenen Woche als Vorsitzender des Augsburger Integrationsbeirates zurückgetreten. Grund für die internen Unstimmigkeiten im Gremium waren islamkritische Äußerungen Rothermels und entsprechende Artikel, die er auf Facebook geteilt hatte. Während der ehemalige Vorsitzende selbst seine Kritik als Anstoß zu einer konstruktiven Debatte sieht, werfen ihm manche Mitglieder des Beirates vor, mit seinem Verhalten zu spalten statt zu integrieren.

Der Integrationsbeirat soll die Belange der ausländischen Bürger Augsburgs vertreten und die Politik zu Themen rund um Integration beraten. Rothermel stand dem Gremium seit Juli 2017 vor. Der Künstler und Musiker, der selbst kolumbianische Wurzeln hat, habe aufgrund seiner Abstammung schon früh ein Interesse an interkulturellen und interreligiösen Spannungen entwickelt, aber auch gerade in der Kunstszene erlebt, wie bereichernd der Kontakt sein könne, erklärt er seine Motivation, dem Integrationsbeirat beizutreten. "Ich wollte meine Kenntnisse einbringen. Und Brücken zwischen den Kulturen bauen." Seine Kritik am Islam habe konstruktiv sein sollen, Gedankenanregungen geben, eine Debatte anstoßen, um den Islam "in die Mitte der Gesellschaft zu holen, statt ihn als Sediment am Rand zu belassen. Aber manche Menschen hauen einem dafür den Islamophobie-Hammer auf den Kopf", sagt Rothermel.

Teile des Integrationsbeirates hießen die Art nicht gut, mit der Rothermel seine Meinung kund tat und auf Facebook öffentlich machte. In einem Sechs-Augen-Gespräch hätten ihm zwei Mitglieder des Gremiums "einen Maulkorb verpasst", klagt Rothermel. Man habe ihn gebeten, sich gar nicht mehr über den Islam zu äußern, weder bei internen Sitzungen noch auf Facebook.

Am 24. Januar reichten die beiden Mitglieder mit einem Brief offiziell Beschwerde gegen Rothermel beim erweiterten Vorstand ein. Er verhindere eine gelingende Arbeit des Beirates und verstoße gegen Grundsätze, heißt es in dem Schreiben als Begründung. Seine Beiträge bei Facebook bezeichnen die Schreiber als "antiislamisch", "Isrealpropaganda" und "Diffamierung von Volksparteien".

Diese Vorwürfe wolle Rothermel nicht auf sich sitzen lassen. Er sei keineswegs islamophob. Sein Anliegen sei es gewesen, Muslimen, die zögerlich eine Veränderung voranbringen wollen, zu zeigen, dass es in der Gesellschaft Menschen gebe, die sie unterstützen. Denn bislang würden vor allem die klassischen Muslimverbände unterstützt. Diejenigen, die selbst kritisch seien, würden allein gelassen, prangert Rothermel an.

Der Brief habe ihn auch menschlich verletzt. Seine Urgroßeltern seien von Nationalsozialisten ermordet worden. Nun in einem Schreiben als "Nazi" und "AfD'ler" bezeichnet zu werden habe ihn auch deshalb tief getroffen.

Zudem sei er nicht der einzige aus dem Gremium, der seine Meinung über Facebook öffentlich mache, sagt Rothermel. Ein anderes Mitglied und einer der Schreiber des Beschwerdebriefes kniet laut Rothermel auf einem veröffentlichten Foto vor einem Plakat des türkischen Präsidenten Recep Erdogan. Er hebe darauf die rechte Hand, was als Zeichen für eine terroristische Organisation gelte.

Rothermel hat nun den Vorsitz im Beirat abgegeben. Die Vorstandsmitglieder hätten ihn aufgefordert, "zu den über Facebook transportierten Äußerungen Stellung zu nehmen und daraufhin aufgefordert zurückzutreten", erklärt Reiner Erben, Integrationsreferent der Stadt. "Als öffentliche Person, und das ist der Vorsitzende des Integrationsbeirats, muss man sich sehr genau überlegen, ob einseitige Äußerungen mit der Funktion vereinbar sind. Durch die entsprechenden Äußerungen sehe ich eine ausgleichende Amtsführung nicht gewährleistet", so Erben weiter. Auch für den Vorstand des Integrationsbeirats sei dies nicht der Fall gewesen. Ein neuer Vorsitzender soll auf der Vollversammlung des Beirates am 19. März gewählt werden. (
Von Kristin Deibl)
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