Augsburg – Sicherer Hafen für alle!

(Foto: Marko Petz)
 
(Foto: Marko Petz)
Augsburg: Königsplatz |

250 Menschen gingen am Samstag, den 21.7.2018 in Augsburg unter dem Motto „Stoppt das Sterben im Mittelmeer – Seebrücke: Sichere Häfen“ auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die Abschottungspolitik Europas und die Kriminalisierung der Seenotrettung und sprachen sich für eine solidarischen und humanen Umgang mit Geflüchteten aus.

Die Kundgebung zeichnete sich vor allem durch ein breite zivilgesellschaftliche Beteiligung aus, von jung bis alt zeigte Augsburg wie bunt es ist und wie wichtig die gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist.
Neben den eindrücklichen Reden machte ein originales Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer auf die alltägliche Tragödie auf See aufmerksam. Und dazu wurde auch eine Audiobotschaft von Aktivist*innen der Seenotrettungsorganisationen auf Malta abgespielt, die von der aktuellen Seeblockade berichteten.

Wortstark sprachen bei der Kundgebung verschiedenste Redner*innen.
Friedrich Reich von ResQship und Julian Bayer von Sea Eye berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen als Seenotretter auf dem Mittelmeer und über die aktuelle Blockade durch Europa, die den Schiffen der private Seenotrettungsorganisationen das Auslaufen verbietet.
Friedrich Reich klagte an, „das Menschen, die heute Politik machen, sich überhaupt keine Gedanken machen, was wirklich auf dem Mittelmeer passiert. […] Es kann so nicht weitergehen. Wir müssen beispielsweise aufhören Waffen zu exportieren. Wir schaffen die Probleme uns selbst. […] Und ich frage mich, wenn die Seenotretter heute kriminalisiert werden, ist es nicht umgekehrt? Sind die Politiker nicht kriminell, die die Seenotrettung heute verhindern? […] Nelson Mandela wäre diese Woche 100 Jahre alt geworden. Von ihm stammt das Zitat „Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.“ Ich würde mir wünschen, dass wir solche Politiker haben und nicht einen Herrn Seehofer.“

Emanuela Pera, die für den Flüchtlingsrat Augsburg und die Initiative Solidarische Stadt Augsburg sprach, erinnerte eindrücklich und anhand der historischen Beispiele der Geflüchteten Juden vor und im zweiten Weltkrieg sowie hinsichtlich des Schiffs Cap Anamur daran, dass Seenotrettung unsere Pflicht ist. „Wir sind alle Seebrücke! Und wir alle tragen dazu bei, dass Seenotrettung weiter stattfinden kann. Und wir zeigen heute auch: Augsburg ist Hafenstadt. Augsburg soll ein sicherer Hafen sein. Ein Hafen, in dem Geflüchtete sicher leben können, ohne Angst vor Abschiebungen. Eine Stadt, die sich dazu bekennt - aus der Seenot gerettete - Menschen aufzunehmen. Eine Stadt in der alle Menschen, das Recht auf Arbeit, Bildung, Wohnen und Gesundheitsversorgung haben. Das werden wir versuchen mit anderen solidarischen Städten weltweit: Die Städte Neapel, Barcelona, Berlin und auch Bonn hatten sich bereit erklärt Flüchtlinge aufzunehmen. In allen deutschen Städten scheitert das am Veto Seehofers. Das ist falsch! Augsburg und Europa: Öffnet die Häfen!“

Thomas Laschyk, der für den Volksverpetzer schreibt räumte mit etlichen Mythen und Lügen rund um die Seenotrettung auf und machte klar, dass einzig das internationale Seenotrecht befolgt wird.
Andrea Finkel von Amnesty International sprach über die aktuelle Lage in Libyen und verdeutlichte eindrucksvoll wie schrecklich die Lebenswirklichkeit von Menschen auf der Flucht in Libyen ist.

Pia Niessen vom AStA der Universität Augsburg erinnerte an das Versprechen Europas welches aus der grausamen Geschichte gewachsen ist: Die Europäische Menschenrechtskonvention, die Genfer Flüchtlingskonvention und die europäische Grundrechtecharta. „Doch im Moment verspielen wir dieses Versprechen und damit zerbröseln uns die zivilisatorischen Errungenschaften und letztlich das, was Europa ausmacht. Nicht die Menschen auf der Flucht sind die Gefahr. Es ist verlogen und zynisch, das zu behaupten! Unser Umgang mit diesen Menschen birgt die Gefahr: Die Gefahr unsere Menschlichkeit zu zerstören.“

Die Kundgebung war der Auftakt von dem internationalen Aktionsbündnis „Seebrücke“, das nun auch in Augsburg aktiv ist und unter anderem durch die Forschungsgruppe „Searchwing Augsburg“ getragen wird.

Weiter geht es direkt am Montag mit der Filmvorführung „IUVENTA – Seenotrettung: Ein Akt der Menschlichkeit“ (23.7. um 19 Uhr, Kino Thalia Saal 2). Zum anschließenden Publikumsgespräch sind gleich mehrere Aktivist*innen von Jugend Rettet eingeladen:
Benedikt Funke war bei mehreren Missionen als Kapitän auf der Iuventa und arbeitet nach der Beschlagnahme der Iuventa auf dem Rettungsschiff Aquarius,der französischen Hilfsorganisation SOS Mediterranée. Hanna Radeck war Crewmitglied der Iuventa 2016 und seit dem für Jugend Rettet aktivistisch tätig. Florian Stadler war auf mehreren Missionen auf der Iuventa als Schnellbooteinsatzleiter und Head of Mission dabei. Alle drei sind Expert*innen für die zivile Seenotrettung und können aus der Praxis berichten. Moderiert wird die Diskussion durch Prof. Dr.-Ing. Friedrich Beckmann.

Die Kundgebung war ein voller Erfolg. Wir hoffen, dass diese Demonstration viele Menschen motiviert hat, sich auch weiterhin gegen die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung zu engagieren. Unmenschlichkeit und Scheinheiligkeit haben ein unerträgliches Maß angenommen. Zugunsten der Abschottung Europas lassen Politiker*innen, die sonst von westlichen Werten reden und oder gar das Christentum im Parteinamen tragen, bewusst Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken und kriminalisieren diejenigen, die Leben retten. Damit muss Schluss sein – jetzt und in Zukunft … überall und auch in Augsburg.
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