Augsburger Straßen: Neue Namen wegen NS-Bezug?

Die Langemarckstraße ist nach dem belgischen Ort Langemark benannt, der im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft war. Die Nationalsozialisten griffen den „Langemarck-Mythos“ auf und nutzten ihn für ihre Propaganda. 1939 wurde die damalige Habsburgerstraße auf Initiative der NSDAP in Langemarckstraße umbenannt. (Foto: Nana Asante)

Die Kommission für Erinnerungskultur hat die Namensgebung einiger Augsburger Straßen untersucht – und empfiehlt nun, dass die Langemarck- und die Dr.-Mack-Straße künftig anders heißen sollen. Vier weitere Straßen sollen durch Erläuterungsschilder kontextualisiert werden.

Die von der Stadt eingesetzte Kommission hatte mehrere Augsburger Straßennamen vor allem hinsichtlich ihrer Bezüge zum NS-Regime unter die Lupe genommen. Verwaltungsmitarbeiter, Stadträte, Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Akteure wurden angehört.

Das Ergebnis: Die Langemarckstraße in Kriegshaber und die Dr.-Mack-Straße nahe der Uniklinik sollen umbenannt werden. Die Bürgermeister-Widmeier-Straße, die Hans-Watzlik-Straße, die Karl-Haberstock-Straße und die Professor-Messerschmitt-Straße werden, so die Pläne der Stadt, durch Erläuterungsschilder, die über die Hintergründe der Namensgeber informieren, ergänzt.

Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat beziehungsweise der städtische Kulturausschuss. Kulturreferent Thomas Weitzel wird am kommenden Montag dort darüber abstimmen lassen.

Gründe für die Umbenennung

Die Langemarckstraße ist nach dem belgischen Ort Langemark benannt, der im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft war. Die Nationalsozialisten griffen den „Langemarck-Mythos“ auf und nutzten ihn für ihre Propaganda. 1939 wurde die damalige Habsburgerstraße auf Initiative der NSDAP in Langemarckstraße umbenannt.

Die Dr.-Mack-Straße heißt nach dem Chirurgen Max Ludwig Mack (1906-1966), der während des Dritten Reiches im Augsburger Hauptkrankenhaus tätig war. Die Erinnerungskommission geht nach der Sichtung von Akten davon aus, dass Mack an Sterilisationen von Menschen beteiligt war, die von den Nazis als „erbkrank“ eingestuft wurden.

Die Erinnerungskommission empfiehlt zudem, die Bevölkerung bei der Suche nach neuen Namen miteinzubeziehen. (jaf)
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