"Aus dieser verdammten Pilotphase rauskommen": Stadträte fordern regulären Islamunterricht

Das Thema Islamunterricht beschäftigte nun den Augsburger Bildungsausschuss. Die Stadträte fordern ein Regelfach. (Foto: Archiv)

Der Modell-Versuch Islamischer Unterricht an bayerischen Schulen wird fortgesetzt. Das hat der Ministerrat Ende März in München beschlossen. Nun hat das Thema auch den Augsburger Bildungsausschuss beschäftigt. Auf eine entsprechende Anfrage der Grünen hin, berichtete ein Vertreter des Staatlichen Schulamtes über die Situation an Augsburger Schulen.

Seit zehn Jahren gibt es den Modell-Versuch, nun soll er um weitere zwei Jahre verlängert werden. Danach soll der Islamunterricht als Wahlpflichtfach, ähnlich wie Ethik, regulär an denjenigen Schulen eingeführt werden, die Bedarf sehen – „leider“ wie die Grünen in ihrem Antrag schreiben. Denn nach Meinung der Fraktion solle der Unterricht endlich wie ein normaler Religionsunterricht anerkannt werden. Die wissenschaftliche Evaluation habe ergeben, dass Lehrer, Eltern und Kinder davon profitieren. „Der Islamunterricht ist ein wichtiger Schritt in Richtung Anerkennung für den muslimischen Teil unserer Gesellschaft. Deshalb darf der Islamunterricht auch nicht zu einem Werteunterricht verkommen“, heißt es im Antrag der Grünen. Oder wie Fraktionsvorsitzende Martina Wild es während der Sitzung ausdrückte: „Wir müssen aus dieser verdammten Pilotphase rauskommen“.

In Augsburg bieten derzeit 16 von 30 Grundschulen und neun von 14 Mittelschulen islamischen Unterricht für muslimische Schüler an. Die Inhalte basieren auf einem deutschen Lehrplan, als Lehrwerke hat die bayerische Regierung je ein Buch für die Grund- und eines für die Mittelschulen zugelassen. Die Lehrer stammen aus der Türkei, haben dort „Lehramt mit Klassenführung“ und Religionspädagogik studiert, in Deutschland ihre sprachliche Qualifikation nachgewiesen und an der Akademie für Lehrerfortbildungen in Dillingen ihr „Islamlehrer-Zertifikat“ erworben. „Die Schulabteilung der Regierung von Schwaben hat die fachliche Koordination und Aufsicht in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt“, erklärt Markus Wörle, Fachleiter des Staatlichen Schulamtes.

Anders sieht es mit dem konsularischen muttersprachlichen Unterricht aus, der an 25 Schulen in Augsburg ebenfalls stattfindet. Dieses Angebot sei keine schulische Veranstaltung, wie der Referent vom Schulamt betont, zumindest nicht mehr. Früher handelte es sich dabei um den sogenannten „muttersprachlichen Ergänzungsunterricht“. Die Staatsregierung beschloss jedoch 2004 den Ausstieg aus dem ehemals staatlichen Angebot.

Seitdem wird der konsularische Unterricht in Verantwortung der diplomatischen Vertretungen, also der Konsulate, angeboten. Auch die Finanzierung und die Lehrinhalte verantworten die jeweiligen Konsulate. Die Schulen verteilen zu Beginn des Jahres Anmeldebögen an die Schüler mit Migrationshintergrund und leiten die ausgefüllten Bögen an das zuständige Generalkonsulat weiter. Außerdem stellen die Schulen die Räume für den Unterricht, der nachmittags stattfindet, zur Verfügung. An den Augsburger Grund- und Mittelschulen gibt es insgesamt 32 Angebote für konsularischen muttersprachlichen Unterricht. 24 davon auf Türkisch, je drei auf Kroatisch und Italienisch, je eines auf Portugiesisch und Griechisch. Insgesamt 360 Kinder nehmen den Unterricht in Anspruch.

Aus Sicht von Hüseyin Yalcin (SPD) ist der konsularische Unterricht „ein Riesenproblem“. Es seien überwiegend in Deutschland geborene Kinder, die den Unterricht besuchten. „Sie werden dort einem fremden Staat überlassen und dann wundern wir uns, warum sich die Kinder für ein anderes Land stark machen und nicht für Deutschland“, kritisiert der SPD-Stadtrat und erntet im Bildungsausschuss Applaus.

Wie Wörle erklärt, werden für den konsularischen Unterricht lediglich die Räume zur Verfügung gestellt, Einblick in den Unterricht hat das staatliche Schulamt nicht, beziehungsweise lediglich durch Erzählungen der Kinder. „Seit das nicht mehr staatlich kontrolliert wird, werden Lehrer sensibilisiert, da genau hinzuhören. Bei Bedarf schreiten wir ein“, sagt er.
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