Bewusst machen, was Rückkehr für Kinder bedeutet

Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg
 
Henning Schüttel vom Bayerischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
 
Maria Zuber von der Europäischen Kommission.

Fachleute, Berater und Politik suchen den Informationsaustausch bei Augsburger Konferenz Transnational III – Erste Empfehlungen an die Politik


Augsburg, 22.02.2018 (pca). Kinder sind immer das schwächste Glied einer Familie, abhängig von den Entscheidungen der Eltern. Und dennoch gilt, Kinder sind die Zukunft jeder Gesellschaft. Ihr Schicksal entscheidet damit nicht nur über deren eigene Zukunft, sondern auch über die Zukunft der Gesellschaften, in der sie leben. Kinder in Flüchtlingsfamilien sind dabei besonderen Belastungen ausgesetzt, auch Kinder von Flüchtlingsfamilien, die sich entschieden haben, wieder in ihr Herkunftsland zurückzukehren.

Allein aus Deutschland kehrten in den Jahren 2016 und 2017 Minderjährige bis unter 18 Jahren 29.500 Minderjährige mit ihren Eltern in ihr Herkunftsland zurück. Die Augsburger Konferenz Transnationaler Austausch III von Rückkehrberatern aus ganz Europa und Partnerorganisationen in Herkunftsländern setzten sich deshalb mit den Fragen, Schwierigkeiten, Chancen, besonderen Herausforderungen und Bedingungen für die Rückkehr von Kindern in die Herkunftsländer ihrer Familien auseinander.

Die Würde der Menschen

Für Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Dr. Andreas Magg war die Konferenz die Gelegenheit, auf die grundsätzliche Position der Caritas hinzuweisen. Bei allen globalen und regionalen Krisen gehe es nicht allein um die Aufnahmegesellschaft, sondern auch darum, „die Würde der Menschen, die zu uns kommen, zu berücksichtigen und zu achten“. Das gelinge am besten, wenn Politik und die Fachleute, die Rückkehrberater, sich untereinander austauschen und auch auf europäischer Ebene die Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen zu suchen, so wie es zum Beispiel bei der Augsburger Konferenz Transnationaler Austausch der Fall sei.

Für eine offene, neutrale und verständnisvolle Beratung

Beim Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Henning Schüttel, stieß er dabei auf offene Ohren. Rückkehr, deren Umfang in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei, habe „in Würde“ zu erfolgen. Die Begründung: Nur wenn die Rückkehr erfolgreich sei, die Menschen wieder in ihrem Heimatland wieder gut Fuß fassen könnten, würden nicht nur die betroffenen Personen davon profitieren, sondern auch die Ursprungsgesellschaft. Damit dies gelinge, seien „Profis“ nötig, die offen, neutral und verständnisvoll die rückkehrwilligen Personen und Familien in der Form beraten, dass deren Meinung, Möglichkeiten und Bedarfe bestmöglich berücksichtigt werden.

Verstehen helfen, was mit der Rückkehr für sie ansteht

Eine Rückkehr sei schon für Erwachsene nicht immer einfach. Umso schwieriger könne ein Rückkehr für betroffene Kinder sind. Deshalb sei es aus Sicht des Staatsministeriums wichtig, den Eltern verstehen zu helfen, was die Rückkehr für ihre Kinder bedeuten kann. Schließlich würden nicht wenige Kinder das Herkunftsland ihrer Eltern gar nicht kennen. Ebenso müsste man den Kindern zu verstehen helfen, was mit der Rückkehr für sie ansteht. Eine höchst komplexe Aufgabe sei deshalb die Rückkehrberatung. Schüttel versicherte deshalb allen Teilnehmern der Augsburger Konferenz die „höchste Wertschätzung“ der Staatsregierung.


"Best Interests of the Child"

Maria Zuber und Yorck Wurms von der Europäischen Kommission sprachen sich für klare Regeln aus. Zuber unterstrich das „Best Interests of the Child“ (BIC) als grundlegendes Beurteilungskriterium für die Rückkehrberatung. Dabei müssten die Aufnahmebedingungen für Kinder und Jugendliche angemessen sein. Dazu gehörten Schule, Ausbildungsmöglichkeiten und eine entsprechende soziale und gesundheitliche Versorgung.

Wurms hingegen betonte, wie wichtig eine verlässliche Integrations- und Rückkehrpolitik sei, sowohl für die Aufnahmegesellschaften wie auch die Flüchtlinge und Asylbewerber. „Illegale Situationen dienen weder dem Gastland noch der zugewanderten Person.“


Es fehlen Daten

Ein großes Problem scheint für die Europäische Kommission zu sein, dass keine exakten Daten vorliegen. Er bat deshalb die Rückkehrberater um einen engen Austausch. Es gehe dabei nicht nur um die nackten Zahlen, wer im welchen Alter woher kommt bzw. wieder zurückgeht. Wurms Anliegen zielt auch auf die Beweggründe, die persönlichen Gegebenheiten und Schwierigkeiten. So verwies er zum Beispiel darauf, dass immer wieder behauptet werde, dass für viele die Rückkehr im Herkunftsland als Versagen angesehen würde. „Doch wir haben keine verlässlichen wissenschaftlichen Daten dazu, ob das so stimmt“, sagte er. Wenn aber Integration und Rückkehr in der Europäischen Union harmonisiert werden solle, dann sei man auf umfangreihe und verlässliche Daten angewiesen. Er bat deshalb die Konferenz-Teilnehmer, sich hierbei einzubringen, auch um die Daten sinnvoll strukturieren zu können.


4 Empfehlungen an die Politik

Die verschiedenen detailreichen Vorträge, die zahlreichen Informationen, eine Reihe von Workshops wie auch der intensive Austausch unter den Konferenzteilnehmern schlug sich am Ende in vier Empfehlungen nieder, die eine Gruppe von Teilnehmern erarbeitete und der Schlusskonferenz vorstellte. Das BIC-Konzept, die „Bests Interests of the Child“, das unter mehreren Gesichtspunkten die Bedarfe, Wünsche und Interessen der Kinder abfrägt, müssen allen Rückkehr-Kindern zugänglich sein bzw. bewusst sein. Des Weiteren sprechen sich die Empfehlungen dafür aus, eine angemessene Anzahl von Minderjährigen in fünf bis zehn Rückkehrländern mehrere Jahre nach ihrer Rückkehr zu begleiten und diese Erfahrungswerte dann auszuwerten. Auch sollte kein Kind ohne offizielle Dokumente wie die Geburtsurkunde, einen Pass, ohne Schulzeugnisse und ärztliche Dokumente in das Heimatland zurückkehren dürfen. Damit eine Rückkehr von Minderjährigen gut verlaufen kann, sollten sich der Berater im Sendeland mit einem für das Kind zuständigen Berater im Rückkehrland Informationen austauschen.

Info:

In Deutschland unterstützen Bund und Länder mit dem humanitären Förderprogramm REAG/GARP Personen bei der freiwilligen Rückkehr in das Herkunftsland oder Weiterwanderung in einen aufnahmebereiten Staat. In 2016 waren das 54.006 Personen, die im Rahmen dieses Programms Deutschland wieder verließen. Darunter waren 19.343 Minderjährige bis unter 18 Jahren. 9.121 waren weiblich, 10.222 männlich. Die meisten unter ihnen waren 16 und 17 Jahre alt. Die wichtigsten Rückkehrländer waren Albanien, Serbien, Kosovo Makedonien. 2017 ging die Zahl auf insgesamt 29.587 zurück. 10.270 bzw. rund 35 Prozent waren minderjährig.
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