Bienen unentbehrlich für Ökosystem und Wirtschaft

   

Erster Weltbienentag am 20. Mai

Die Bienenbestände schwinden, Arten sterben aus. Mit dem Weltbienentag soll unterstrichen werden, wie wichtig Bienen für unser Ökosystem, aber auch für die Wirtschaft sind. Die Vereinten Nationen (UN) haben deswegen den 20. Mai zum Weltbienentag ausgerufen. Für mich ist dieser Tag ein Tag, an dem ich auf Bienen aufmerksam machen möchte, die unsere Hilfe wirklich dringend brauchen: Die Wildbienen!

Mein Weg zur Bienenhaltung

Als Imker liegt mir das Wohl meiner Bienen naturgemäß besonders am Herzen. Aber geht es hier wirklich um die Honigbiene? Die Honigbiene hat eine “Lobby”: die Imker, die Imkerverbände und natürlich auch zu teilen aus der Wirtschaft, welche auf die Bestäubungsleistung der Biene angewiesen sind. Bereits 2011 ging durch die Medien der Aufschrei “Die Bienen sterben” Varroa, ein aus Asien eingeschleppter Parasit macht unseren Honigbienen zu schaffen.

Ebenfalls die in der Landwirtschaft eingesetzten Neonicotinoide seien für den Tot vieler Bienenvölker verantwortlich. Ich war so betroffen, ich fand das schrecklich, dass ich etwas dagegen tun wollte. Also blieb mir nichts anders übrig wie zu verstehen, zu verstehen warum. Um zu verstehen holte ich mir mein erstes Bienenvolk, ich wurde Imker. Heute weiß ich, die Bienenhaltung und die Imkerei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Sie ist schwieriger und unattraktiver geworden.

Varroa, Monokulturen mit Massentrachten die toll sind, wenn das Wetter passt. Die aber genauso fatal sein können, wenn sie bei schlechtem Wetter nicht genutzt werden und anschließend die Bienen keine Nahrung mehr finden, weil die Kultur verbraucht ist. Der sich immer mehr nähernde Beutenkäfer, der sich aus Italien auf den Weg zu uns macht. Klimatische Bedingungen und Pestizide aus der Landwirtschaft. All das sind Dinge, die die Imkerei erschweren.

Das alles sind Dinge mit denen unsere Honigbiene und die Imker und Imkerin zu kämpfen hat. Bisher schaffen die HONIGBienen das ganz gut. Denn bei der Honigbiene sprechen wir nicht von einzelnen Bienen – sondern vom Bienenvolk – dem sogenannten Bien. Erst wenn das ganze Volk stirbt, spricht man umgangssprachlich vom Bienensterben.

Um was geht es nun eigentlich? Haben wir ein Bienensterben oder nicht?

Ganz genau bezeichnet: Wir haben kein HONIGbienenVÖLKERsterben, wie oft in den Medien behauptet wird. Auch wenn der Bestand der Bienenvölker in Deutschland kontinuierlich sinkt, was vor allem auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen ist. Dass die Honigbienen nicht sterben, belegt auch die Statistik. Laut den Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen hat sich die Zahl der Bienenstöcke weltweit seit den Sechzigerjahren nahezu verdoppel (Siehe Grafik FAO)

Die Honigbiene als ein in menschlicher Obhut befindliches, staatenbildendes Insekt, welches einem Superorganismus gleicht, kommt mit vielen Einflüssen zurecht. Auch wenn Jahr für Jahr viele Honigbienenvölker sterben. So hart das klingt, aber Bienenvölker kann man nachziehen. Somit wird die Honigbiene vermutlich eines der letzten Insekten sein, die aussterben.
Mein Fazit: Honigbienen gibt es, solange der Mensch sie hält. Auch wenn die Bedingungen immer schwieriger werden.

Bedroht sind viele Wildbienen, aber keiner kennt sie!

So schön es ist, dass die ganze Welt vom Bienensterben spricht, so bitter ist es, dass über die eigentlich bedrohten niemand spricht: unsere Wildbienen.

Laut Internationaler Naturschutzunion (IUCN) ist in Europa ungefähr jede zehnte Wildbienenart akut vom Aussterben bedroht. Bei mehr als der Hälfte der Arten gibt es nicht einmal verlässliche Daten zu den Beständen.
Hinzu kommt, dass in den vergangenen 27 Jahren die Biomasse von fliegenden Insekten insgesamt um über 75 Prozent zurückgegangen ist.

Die meist solitär lebenden Wildbienen sind deswegen so stark bedroht, weil sie nicht die Kraft eines Volkes, eines Superorganismus besitzen. Stirbt das Individuum, gibt es von diesem keine Nachkommen. Ein Bien(Honigbienenvolk) kann den Verlust einzelner Bienen jederzeit ausgleichen.

Monokultur und Artenverarmung sind Hauptursache

Einige dieser solitärlebenden Wildbienen sind wahre Pflanzenspezialisten. Sie leben in einer Symbiose mit dieser, beide sind aufeinander angewiesen. Gibt es die Pflanze nicht mehr, hat auch die Bienenart keine Chance mehr. Auf unseren Feldern werden immer größere und sterilere Monokulturen angepflanzt, was nicht ohne Folgen bleibt.

Gab es vor ein paar Jahren noch weit verbreitet Mohn- und Kornblumen als Beikräuter in den landwirtschaftlichen Kulturen, so stellen die bewirtschafteten Äcker heute für die meisten Bienen- und Instektenarten eine nutzlose Wüste dar. Das Streben nach immer höheren Erträgen nimmt keine Rücksicht auf unser Ökosystem und wird uns langfristig teuer kommen. Wir müssen zurück zu mehr Unordnung, zur Vielfältigkeit auf den Äckern, zu kleinteiligeren Felderwirtschaft. Auch wenn es zunächst etwas die Erträge verringert, wird man langfristig Gewinne damit machen.

Gifte in der Landwirtschaft - Ein Teufelskreislauf

Je größer die Kulturen, je einfältiger, je steriler – desto höher der Aufwand sie vor Schädlingen zu schützen. Warum? Weil die Natur Regelungsmechanismen eingebaut hat. Die Natur lässt viele Monokulturen nicht zu und hat dafür Regelungsmechanismen. Ein Hektar großer Maisacker ohne Beikräuter ist widernatürlich und die Natur versucht mit Schädlingen zu regulieren.

Der Mensch muss tricksen, mit Mitteln. Dennoch hört die Natur nicht auf nach neuen Möglichkeiten des Ausgleichs zu suchen, Resistenzen werden gebildet, was zu noch höherem Einsatz von Pestiziden führt. Neue Krankheiten und Schädlinge treten auf, welche zu neuen Maßnahmen führen. Ein Kreislauf den man auf Dauer nicht gewinnen kann.

Mein Fazit: Am Ende siegt die Natur, deswegen wäre es sinnvoll mit der Natur zu arbeiten und nicht nur gegen sie.

Zulassungsverfahren für Pestizide

Das nächste Problem für die Wildbienen, die Zulassungsverfahren von Pestiziden: Was bedeutet „bienenungefährlich“?
Die„Bienenungefährlichkeit“ wird industriefreundlich nach der sogenannten LD-50-Dosis (Letale Dosis) definiert, was laut Pflanzenschutzverordnung besagt: Wenn mit einem als „bienenungefährlich“ bezeichneten Mittel bei sachgerechter und empfohlener Anwendung 100 Bienen in Berührung kommen und von diesen innerhalb von 48 Stunden nicht mehr als 49 Bienen sterben, dann ist das Mittel „bienenungefährlich“. Bienen, die später an einem Gift sterben, werden ignoriert.

Die Tests finden immer mit Honigbienen statt

Damit wird deutlich, selbst wenn bei einem Honigbienenvolk nur noch die Hälfte der Flugbienen zurückkehren, hat das Bienenvolk noch eine realistische Heilungschance. Anders sieht es bei den Wildbienen aus, stirbt das Individuum, gibt es keine Nachkommen. Das kann gravierende Auswirkungen auf die örtliche Gesamtpopulation haben. Diese Wildbienen werden bei den Zulassungsverfahren überhaupt nicht beachtet.

Was kann ich tun als Mensch und als Imker?

Wer die Bienen retten will, der muss dies zur Priorität seines Handelns machen. Auch wenn das Konsumverhalten (mehr ökologisch erzeugte Produkte) ein wichtiger Baustein ist, so bleibt festzustellen, dass es ohne politische Veränderung nicht gehen kann. Wir brauchen eine andere Agrarförderung, eine Wende in der Agrarpolitik. Wir brauchen politische Kräfte die dem Lobbyismus dieser Branche etwas entgegenstellen kann. Wählen Sie eine ökologische Partei, eine politische Kraft die ernsthaft dafür einsteht und sich nicht weichspülen lässt.

Als Imker habe ich gehandelt. Auch wenn es nur ein Hobby ist und dieses auch bleiben soll: Ich stelle meine Imkerei um und lasse mich Bio-zertifizieren. Warum? Weil ich der Überzeugung bin, dass wir mehr Öko brauchen! Mit jedem ökologisch bewirtschaftenden Acker tun wir etwas gutes für unsere Bienen. Ökologisch erzeugter Rübenzucker z.B. braucht keine Pestizide und schützt damit uns Menschen und unsere Bienen. Aber auch dies ist nur ein Teilaspekt weshalb eine Ökologisch bewirtschaftete Imkerei sinn macht, auch wenn das am Ende erzeugte Produkt – der Honig – der gleiche ist.

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