Bier formt die Geschichte Europas

Joachim Pehlke und Dominik Wiedenbauer
Augsburg: Thorbräu |

Kann denn die Entwicklung von Bier tatsächlich die Geschicke eines ganzen Kontinents leiten? Brauingenieur Dominik Wiedenbauer zusammen mit dem Europakandidaten der FDP Joachim Pehlke haben versucht, diese These mit harten Fakten zu belegen. Und dies mit Erfolg, wie über 30 Teilnehmer an einer Verkostungsveranstaltung im Augsburger Thorbräu staunend bestätigten.

Wiedenbauer vermochte mit seinem Detailwissen zu vielfältigen Braumethoden in ganz Europa die unterschiedlichen Nuancen der Bierkulturen herauszustellen. Dabei betonte er besonders die Notwendigkeit eines Reinheitsgebots, welches ab 1516 weitere Todesfälle durch toxische Zutaten in Bieren verhinderte. Oder wie unterschiedlich Verfügbarkeiten von Rohstoffen für das Brauen zu regionalen Besonderheiten in der Getränkeherstellung führten. Nicht nur die Wasserqualität, sondern auch die Getreidearten beeinflussen bis heute Biere in vielen Ländern Europas, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bayerische Schwarzbiere, Weizenbiere, böhmisches Pils oder britisches Stout sind nur eine kleine Auswahl der Vielfalt.

Bei der Vorstellung verschiedener Biere wechselten sich Wiedenbauer und Pehlke ab. Pehlke trug manche Begebenheit im Laufe er europäischen Geschichte vor, die die enge Verknüpfung der Geschicke des Kontinents mit der Bierkultur verdeutlichten. Wer wüsste heute, dass Gustav Stresemann, einer der Väter der Weimarer Verfassung als Sohn eines Biergroßhändlers mit dem Thema des Flaschenbierhandels promovierte, ehe er seine Erkenntnisse als Reichskanzler auch in der Außenpolitik mit Frankreich anwendete? Ergebnis: Der Erzfeind Frankreich konnte sich zu einer vertrauensbildenden Zusammenarbeit mit Deutschland und Polen durchringen, nachdem so mancher Abend bei gutem Essen und Nationalgetränken verbracht waren.


Und während Wiedenbauer beleuchtete, wie untergärige und obergärige Biere zusammen mit Haltbarkeitserfolgen eines Louis Pasteur zusammenhängen, konnte Pehlke aufzeigen, wie Irlands Wirtschaftswunder in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts mit Brian Cowen, Sohn eines Pub-Besitzers in Irland, dann als Finanzminister zusammenhing. Er, der sich wirkungsvolle Ordnungsmaßnahmen für ein grandioses Wirtschaftswachstum bei seinen Eltern abgeschaut hat, der auch in der Hochphase der Ökonomie nicht auf sein Guinness verzichtete, wurde erst als Held gefeiert. Doch musste er auch die Jahre des Niedergangs ab 2008 verantworten, wodurch er auch zum „schlechtesten Premierminister in der Geschichte Irlands“ gekürt wurde.

Natürlich wurde dies begleitet von Verköstigungsbieren der Gastgeber-Brauerei mit ihrem reichhaltigen Angebot an unterschiedlichen Bieren vom hellen Lager über Pale Ale hin zum Bockbier.
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