Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Augsburg bezieht Position zu der aktuellen Digitalisierungsdiskussion an Schulen

Wenn man die öffentliche Diskussion um die Digitalisierung in Schulen verfolgt, bekommt man den Eindruck, die Schüler würden in Bayerns Schulen vernachlässigt, nur weil keine bzw. wenige Tabletts und Internetverbindungen zur Verfügung stehen.

Indes, bislang ist noch nirgends der Nachweis erbracht worden, dass digitales Lernen tatsächlich einen substantiellen – oder wenigsten einen winzig kleinen - Vorteil beim Lernen mit sich bringt. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Schulversuche mit IPad Klassen

Schulversuche in den Niederlanden mit sogenannten IPad Klassen wurden aufgrund mangelnden Lernerfolges wieder eingestellt. Die analog lernenden Schülerinnen in Vergleichsklassen waren den digital lernenden in allen verglichenen Kompetenzbereichen deutlich voraus. Die Kinder der Internetgurus im Silicon Valley gehen in analoge (Waldorf-)schulen. Als Eltern wissen sie wissen schon warum. Schließlich produzieren sie Unternehmer den Elektroniküll mit seinen süchtig machenden Strukturen und Funktionsweisen. Nota bene: Steve Jobs selbst hat gesagt, dass das IPhone nichts für Kinder sei, sondern ein Produkt für Erwachsene.

Daher sollte man nicht unbedingt den Ruf der Industrie folgen, und unsere Schulen mit diesen Medien unnötig und unreflektiert belasten.

Warum sollten wir unseren Kindern antun, wenn es nicht einmal die Erfinder und Profiteure dieser Dinge tun?

Neurobiologische Erkenntnisse

Betrachtet man die Ergebnisse von Neurobiologen, die Lernforschung betreiben, so sind die Ergebnisse eindeutig: Frühestens ab dem Alter von 14 Jahren ist die Auseinandersetzung mit Bildschirmmedien überhaupt sinnvoll. Für jüngere Kinder und Heranwachsende ist das Gegenteil der Fall. Aber auch ab dem Alter von 14 gilt die Faustregel: Digitale Medien nur dort einsetzen, wo es wirklich sinnvoll ist, wo sie also einen echten Vorteil gegenüber analogen Lehrmitteln haben, etwa bei der Recherche nach aktuellen Themen. (Interview: "Wir machen aus unseren Kindern Psychopathen")

Problem Lernsoftware

Darüber hinaus ist die existierende Lernsoftware nicht ausgereift. Meist lernen die Schülerinnen, die Software zu überlisten, nicht aber die gestellten Aufgaben zu lösen. Das kann man zwar auch als „Lernfortschritt“ bezeichnen, dieser steht jedoch noch nicht im Lehrplan. (vgl. u.a. hier: Prof. Dr. Lankau, Wie man das Lernen in der Schule verlernt, 2016)

Zu guter Letzt bleibt noch festzustellen: Das Gerede von „digitaler Kompetenz“ ist Gewäsch. Wer einmal ein Kind mit einem digitalen Medium gesehen hat, weiß, wie schnell es herausfindet wie es funktioniert und wie es findet, was es finden will.

Politische Bildung

Was die Kinder und Jugendlichen brauchen, sind soziale Kompetenz und politische Bildung. Nur so können sie der Gefahr entgehen, die schöne neue Digitalwelt nicht als Mobbingwerkzeug zu missbrauchen und nur so können sie zu einem echten Koordinatensystem gelangen, der sie durch all die Informationen des digitalen Kosmos‘ hindurchführt, eine Art Ariadnefaden aus politischen Grundwerten und Achtung vor der/dem Andersdenkenden.

Beides erlernt man am besten Offline - in der Schule, im Verein und natürlich auch zu Hause!
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