Die historische Altstadt endlich vom Durchgangsverkehr befreien

Wo die Altstadt heute noch so aussieht...
 
...könnte sie bald wieder so aussehen, wenn die Fläche der Pilgerhausstraße nicht mehr für den Durchgangsverkehr benötigt wird
Die Augsburger Freien Demokraten begrüßen den Vorschlag des Forums Augsburg lebenswert für eine Umgestaltung der Grottenau und der Pilgerhausstraße als Schritt in die richtige Richtung. Die Liberalen gehen in ihrem Kommunalwahlprogramm aber noch weiter und fordern, die historische Altstadt komplett vom Durchgangsverkehr zu befreien. Dazu ist nach Auffassung der FDP der Neubau einer Innenstadtumgehung nötig, da der Autoverkehr sonst unkontrolliert in anliegende Wohngebiete ausweiche.

„Wir Freie Demokraten fordern bereits seit 3 Jahren unter dem Titel Lebenswerte Innenstadt die Einführung eines sogenannten Schleifensystems im Zentrum“, erklärt Lars Vollmar, der für seine Partei im März 2020 als Oberbürgermeister kandidiert. Wie in München oder Nürnberg sollen Autos weiterhin aus allen Himmelsrichtungen ins Zentrum fahren dürfen, werden aber über eine Schleife wieder aus dem jeweiligen „Tortenstück“ hinausgeführt.

„Unser Schleifensystem geht deshalb weiter als die Forderung des Forums Augsburg lebenswert. Wir wollen nicht nur eine Hauptverkehrsachse schmaler machen, durch die sich dann der Verkehr quält, sondern gar keinen Durchgangsverkehr mehr in der Altstadt.“

Der vom Forum vorgeschlagene Rückbau allein ist nach Auffassung der Liberalen nicht geeignet, die grundlegenden Probleme zu lösen, die im Bereich der Achse Leonardsberg-Pilgerhausstraße auftreten. „Wir haben die Forderung nach einem Schleifensystem im Jahr 2017 im Angesicht drohender Fahrverbote entwickelt.“ Damals wurden in der Karlstraße und am Leonardsberg überhöhte Feinstaub- und Dieselabgaswerte gemessen. „Gesundheitsschädliche Abgase und Lärm wird es auch in einem künstlich geschaffenen Flaschenhals geben.“

Zu Grenzwertüberschreitungen kommt es auch beim Verkehrslärm. „An der Jakobskirche werden tagsüber 76 Dezibel gemessen. Das entspricht der Lautheit eines mit knapp über 100 Stundenkilometer fahrenden Pkw aus 7 Meter Entfernung gemessen. Zulässig sind 60 Dezibel.“ Auch nachts liege der Schalldruck knapp über der Risikoschwelle für Herz- und Kreislauferkrankungen. „Wenn wir den Gesundheitsschutz für Anwohner und Passanten ernst nehmen, muss der Durchgangsverkehr aus der Altstadt ganz raus. Die Hoffnung des Forums, dass der Verkehr in einer Stadt, die in 15 Jahren noch einmal um 20 bis 40.000 Einwohner wachsen soll, abnimmt, nur weil man eine Straße schmaler macht, teilen wir nicht.“

Solange es keine Alternative für den Ost-West-Verkehr gebe, würden auch weiterhin zehntausende Fahrzeuge durch die Altstadt donnern – oder unkontrolliert auf innenstadtnahe Wohngebiete ausweichen. Um den Durchgangsverkehr gezielt ums Zentrum zu leiten, haben die Freien Demokraten vor knapp einem Jahr einen Plan für eine Ost-West-Tangente vorgelegt. Verkehr, der auf der Bürgermeister-Ackermann-Straße stadteinwärts fließt, würde entlang der Wertach hinter dem Plärrergelände zur MAN-Spange und weiter zur Mühlhauser Straße geleitet. Mit Berliner Allee und Schleifenstraße entstünde dadurch ein Innenstadtring, der drei Viertel des Zentrums umschlösse.

Wäre eine solche Innenstadt-Umfahrung realisiert, würden in der Altstadt Verkehrsflächen frei, die die Liberalen für eine weitere städtebauliche Aufwertung der Innenstadt nutzen wollen. „Es würde Platz frei für Grünflächen, innerstädtische Plätze und Radwege.“ In der Jakobervorstadt wollen die Freien Demokraten die alte Gassenstruktur wieder entstehen lassen, die in den Zeiten der autogerechten Stadt nach dem Krieg unter der Pilgerhausstraße verschwunden sind.Auch die überbauten oder zugeschütteten Kanäle des Sparren- und Lauterlechs sollen wieder freigelegt werden. Es bestünde also die Chance, weitere Teile der Augsburger Wasserwirtschaft, die soeben von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Das Erfolgsrezept, mit dem in den 80er und 90er Jahren das Lechviertel von einem Schmuddeleck zu einer der begehrtesten Teile der Innenstadt gemacht wurde, wollen wir auch in der Jakobervorstadt anwenden. Dafür brauchen wir die Innenstadtumgehung und das Schleifensystem. Ich finde, unsere Altstadt ist zu schön, um als Kulisse fürden Durchgangsverkehr zu dienen.“
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