"Die Lage ist kritisch": Rotes Kreuz im Augsburger Land verliert jede Woche 13 Unterstützer

Pro Woche schwindet die Anzahl an Fördermitgliedern um rund 13 Unterstützer. Foto: Margitta Zimmermann / DRK

Das Ergebnis der Umfrage "Was wissen Sie über das Rote Kreuz?" sei für alle Aktiven erschreckend gewesen. Diese Bilanz zieht nun der Augsburger Kreisverband der Hilfsorganisation. Einer aktuellen Studie zufolge nimmt nämlich die Öffentlichkeit nur zwei Punkte wahr: den Rettungsdienst und die Blutspende. "Zudem steht für die meisten Befragten fest, das Rote Kreuz wird staatlich finanziert, schließlich war es schon immer und überall da", fasst das Rote Kreuz zusammen und betont: "Die Realität ist eine ganz andere."

Das Rote Kreuz kommt im Landkreis Augsburg jährlich zu rund 37.000 Rettungseinsätzen und betreute bei der Blutspende 2017 insgesamt 6442 Spender, die 10.633 Konserven gespendet haben. Aber: "Was die rund 5500 Ehrenamtlichen leisten, bleibt oft unbemerkt", beklagt der Kreisverband. Nur selten schaffe man es in die öffentliche Wahrnehmung, wie bei der Bombenentschärfung an Weihnachten 2016.

Eine staatliche Finanzierung erfahre das Rote Kreuz nur in wenigen Teilbereichen. Der Rettungsdienst wird über die Krankenkassen refinanziert und in der offenen Behindertenarbeit fließen finanzielle Mittel dazu. Bei der Blutspende erhält der Kreisverband einen einstelligen Unkostenbeitrag vom Blutspendedienst des BRK für die Betreuung der Spender, die Brotzeit und die kleine Aufmerksamkeit am Ende der Blutspende erstattet. Unterm Strich bleibt für die Gemeinschaften aus diesen Aktivitäten wenig übrig. Trotzdem sind die Kosten für Ausrüstung und Ausbildung erheblich.

In der sozialen Arbeit baut der Verband Angebote für Senioren mit eingeschränkter Alltagskompetenz, wie etwa Demenz, aus. Ebenso werden die haushaltsnahen Dienstleistungen erweitert, bei denen geschulte Kräfte die Bedürftigen beispielsweise beim Einkaufen oder in der Haus- und Gartenarbeit unterstützten. In der momentanen Anlaufphase seien diese Projekte noch defizitär.

Die ehrenamtliche Rotkreuzarbeit in den Gemeinden und Kommunen erwirtschaftet nur einen geringen Teil der jährlichen Kosten für Einsatzkleidung, Versicherungsschutz, Anschaffungen sowie Mieten für Garagen und Räume selbst. Größtenteils werden die Kosten aus den Beiträgen der Fördermitglieder getragen. Und nicht zuletzt ist auch die kontinuierliche Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer teuer. Für den Katastrophenschutz erhält das Rote Kreuz eine finanzielle Unterstützung vom Landkreis, um die laufenden Kosten für Instandhaltung, Verbrauchsmaterial und kleinere Ersatzbeschaffungen zu decken. Aber für die Neubeschaffung von Fahrzeugen muss der Kreisverband selbst aufkommen.

In den Jahren 2020 und 2021 stehen einige Ersatzbeschaffungen für Fahrzeuge an, für die jetzt schon finanzielle Rücklagen gebildet werden müssen.

Insgesamt belaufen sich die Gesamtkosten, laut Kreisgeschäftsführer Thomas Haugg, im aktuellen Haushaltsjahr auf 424.727 Euro. "Momentan reichen die Förderbeiträge hier im Landkreis dafür noch aus. Die Lage ist aber kritisch, denn pro Woche schwindet die Anzahl an Fördermitgliedern um rund 13 Unterstützer. Das kann das BRK aber kaum beeinflussen, denn ein Großteil verstirbt nach langjähriger Mitgliedschaft."

Haugg betont: "Unser oberstes Ziel ist, die Anzahl und die Förderbeiträge der Fördermitglieder zu stabilisieren um die Finanzierung unserer satzungsgemäßen Aufgaben langfristig zu sichern. Daher werden wir auch in Zukunft um neue Unterstützer werben müssen und auch bei den aktiven Unterstützern nach Beitragserhöhungen fragen. Schließlich wollen wir auch in Zukunft immer bestens ausgerüstet und ausgebildet sein, für den Fall, wenn wir gebraucht werden." (pm/jaf)
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