Echte Wahlkampfstimmung zur Europawahl bei „Europa ist mein Bier“ – erfrischende Diskussionsrunde mit jungen Kandidierenden für’s Europaparlament

Die Diskutierenden von links nach rechts: Marie-Isabelle Heiss (Volt), Kathrin Flach-Gomez (Die Linke), Benjamin Adam (SPD), Thorsten Frank (Moderation), David Stiegeler (CSU), Malte Gallée (Die Grünen), Maximilian Kaiser-Funke (FDP)
 
Rege Diskussionen und zum Abschluss Bier und Brezn, um im Zwiegespräch weiter zu diskutieren bot die Diskussionsrunde mit jungen Kandidierenden von links bis rechts.
 
Marie-Isabelle Heiss stellte die Ziele der paneuropäische Partei VOLT vor, Kathrin Flach-Gomez forderte eine soziale Union für die Linke und Benjamin Adam stellte für die SPD die Vision einer sozial gerechteren und umweltfreundlichen EU vor.
Augsburg: VHS Augsburg / Willy-Brandt-Platz 3a, Raum 103, I. OG / |

Es war ein besonderer Abend mit lebhaften Diskussionen, den die Gäste bei der interaktiven Veranstaltung „Europa ist mein Bier“ Europaparlament erlebten. In der Volkshochschule Augsburg waren auf Einladung der Europa-Union Augsburg, Jungen Europäischen Föderalisten und der Volkshochschule junge Kandidierende für das Europaparlament im Alter von 21 bis 32 Jahren von der CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP und Volt aus ganz Bayern nach Augsburg gekommen. Dabei gab es einige Überraschungen und engagierte Beiträge.

Die erste Überraschung war das besonders auf Interaktion ausgelegte Format und sprach auch zahlreiche jüngere Interessierte an. Ob per Fragekarte, Direktabstimmungen per Handzeichen bei den Diskustanten und Zuschauenden – Moderator Thorsten Frank animierte mit einer Vielzahl an Interaktions- Wahl- und Fragemöglichkeiten alle Beteiligten, um über die Kernanliegen für Europa zu diskutieren. Das gelang dem Vorsitzenden der Europa-Union in sehr beeindruckender Weise, sodass es im gut gefüllten Raum der VHS nach kurzer Begrüßung und Vorstellungsrunde dann auch gleich zur Sache ging.

Nach den Eingangsstatements der sechs jungen politischen Akteure ging es auch gleich zur Sache

Mit seinem Eingangsstatement sah Ludwig Stiegeler (CSU) aus Memmingen Europa von links und von rechts angegriffen, deshalb sei es gerade die Aufgabe der Jungen sich für Europa einzusetzen. Für Benjamin Adam (SPD) ging es vor allem darum, das europäische Projekt zu stärken. Trump, BREXIT und Klimawandel – diese ganzen Fragen könne man nur gemeinsam verantworten. Andre Gallée (Die Grünen) fand es gerade jetzt eine Beleidigung, Klimaschutz nicht an erste Stelle zu stellen, ungeachtet vieler Jahre an Mahnungen aus der Wissenschaft. Kathrin Flach-Gomez (Die Linke) forderte der Industrie-, Finanz- und Währungsunion die soziale und ökologische Union hinzuzufügen. Maximilian Funke-Kaiser (FDP) sprach von einer Schicksalswahl, bei der die Pro-Europäischen Kräften zusammen halten müssen und mahnte, die Europäische Union müsse mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Marie-Isabelle Heiss (VOLT) nahm für ihre Partei das umgehend in Anspruch, weil diese als paneuropäische Partei einen europäischen Ansatz weg von nationalen Egoismen verfolge, was auch dringend nötig sei.

Klimapolitik allen wichtig, deutliche Unterschiede bei den Lösungen

Während die zahlreichen Gäste bereits fleißig Fragekarten ausfüllten, gab es zur Bedeutung der Klimapolitik bei den jungen Europa-Aktiven große Übereinstimmung. Damit war es dann mit der Gemeinsamkeit auch schon vorbei, Denn die Wege zu mehr Klimaschutz stellten sich die jungen Kandidierenden für das Europaparlament ganz unterschiedlich vor. Die einen waren eher für einen erweiterten Zertifikate-Handel und gegen eine CO2-Steuer (FDP), andere sahen ersteres eher als bislang zu wenig ernsthaft angegangenes (Linke) oder langfristig umzusetzendes Projekt, dem etwas zeitnahes hinzugefügt werden müsste (Grüne). CO2-Bepreisung könne über ein Pro-Kopf Energiegeld oder Öko-Bonus an die Menschen sozial verträglich gestaltet werden und Sparsame sogar belohnen (Grüne, Linke). Damit wäre die Landbevölkerung durch weitere Wege benachteiligt, wurde dazu als Gegenargument deutlich (CSU). Einen weiteren Ansatz dazu wurde mit der Einführung einer Kerosin-Steuer (SPD) ins Spiel gebracht, da z.b. der Flug von München nach Berlin oft günstiger sei als der ebenfalls schnelle ICE. In 12 Jahren einen flächendeckenden und kostenfreien ÖPNV anzubieten, wäre aus Sicht der Linken ebenfalls ein wichtiger Beitrag. Während die einen über die Machbarkeit der CO2 Steuer streiten würden, gäbe es in Schweden genau diese sozial gerecht ausgestaltete CO2 Steuer seit 1991 ergänzte die Vertreterin von VOLT. Thorsten Frank stellte abschließend die Frage, ob sie denn die „Fridays for Future“ Anliegen unterstützten? Da waren sich dann alle Diskutierenden wie auch praktisch alle Gäste wieder einig. „Ja“ signalisierten jeweils beide Gruppen per Handzeichen.

Europäische Lösungen im Sozialen Bereich?

Unterschiede wurden besonders deutlich bei der Frage ob es zur sozialen Absicherung eine europäische Arbeitslosenrückversicherung geben soll, also eine Versicherung, die die nationalen Versicherungen im Notfall unterstützt um soziale Härten in den Mitgliedsländern abzumildern. Die Reserven dazu würden zuvor mit einem gemeinsamen Fonds in guten Jahren aufgebaut. Während Grüne, SPD, Linke und Volt für ein solches europäisches System waren, sahen CSU und FDP darin keinen geeigneten Beitrag. Das Publikum zeigte hier per Handzeichen überwiegend eher Zustimmung, aber auch hier gab es zahlreiche Gegenstimmen und einige Unentschiedene. Damit haben Sie nun tatsächlich für Sie passende Alternativen zur Auswahl, kommentierte der Moderator. Frank stellte erfreut fest: „Das kann ja durchaus Vorbild-Charakter haben, wenn politisch Aktive und Wählende wie hier in etwa prozentual betrachtet gleicher Auffassung sind.“
Von den zahlreichen Fragekarten wurden unter anderem Fragen der Gäste gezogen und beantwortet, wie z.B. die nach dem Lieblingswahlplakatspruch, dem ÖPNV auf dem Land, der Seenotrettung oder der Transparenz. Im abschließenden Statement formulierten die Kandidierenden in 90 Sekunden, warum sie ihre Partei für die geeignetste hielten. Nach den engagierten Beiträgen, waren sich die Akteure für Europa aber einig, dass alle hier vertretenen Parteien ja wählbar seien. Damit leiteten sie auch in den Zweierdialog-Teil des Abends über. Denn passend zum Titel endete klang der Abend bei intensiven Gesprächen mit den jungen Europa-Aktiven und einer letzten Überraschung – es gab Bier vom Hausherren und Brezn von den Jungen Europäischen Förderalisten.

„Wer leidenschaftlich ausgetauschte Argumente für ein besseres Europa kennen lernen wollte, hier war für die Europawahl am 26. Mai alles geboten“ freute sich der Vorsitzende der Europa-Union Augsburg, Thorsten Frank. Er dankte dem Hausherren für Raum und Bier und ermunterte die Gäste zum wählen am 26. Mai: „Machen Sie die Europawahl zum Friedensfest!“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.