Enttäuschte SPD, unzufriedene CSU, feiernde Grüne: So war der Europawahl-Abend im Augsburger Rathaus

Enttäuscht: Europawahl-Kandidat Benjamin Adam und Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr hatten sich ein besseres Ergebnis der SPD erhofft. Foto: Kristin Deibl

Auf der städtischen Veranstaltung zur Europawahl im Augsburger Rathaus blieb der Saal doch eher leer. Mitglieder der Parteien allerdings verfolgten auf den Bildschirmen gespannt die Augsburger Ergebnisse. 

Die erste für alle erfreuliche Nachricht: Die Wahlbeteiligung, die bei der Europawahl 2014 noch bei mageren 36,3 Prozent lag, ist deutlich gestiegen. 55,6 Prozent der 190 297 wahlberechtigten Augsburger machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Eine Erklärung für diesen Umstand hat Benjamin Adam. Der 27-jährige Augsburger stand auf Platz 42 der Parteiliste der SPD. Bei Trump, Brexit und dem Klimawandel könne nur eine europäische Lösung helfen. "Die Wahlbeteiligung ist positiv, ich bin stolz auf Augsburg." Das SPD-Ergebnis liege knapp über dem bayernweiten Durchschnitt, "aber es ist trotzdem wirklich schlecht", sagt Adam zu den gerade einmal 10,1 erreichten Prozent der Sozialdemokraten. 2014 war die SPD in Augsburg noch auf 20,5 Prozent der Stimmen gekommen.

Genau so enttäuscht ist Volker Ullrich (CSU). "30 Prozent liegen unter unseren Ansprüchen", urteilt er. In den kommenden zwei Jahren müsse die CDU/CSU im Hinblick auf die Bundestagswahl 2021 besser und verantwortungsvoller in der großen Koalition arbeiten und sich mehr den Themen der Mitte wie Umwelt, Klimaschutz und soziale Verantwortung zuwenden, denn "mit diesem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein", sagt der 43-jährige Bundestagsabgeordnete.

Die CSU hat in Augsburg 30,7 Prozent erreicht (2014: 34,7 Prozent). In einigen Stadtteilen wurden die Christsozialen ganz auf den zweiten Platz verdrängt. So etwa in der Innenstadt: Während die CSU nur auf 22,9 Prozent kam, lagen die Grünen mit 34,9 Prozent deutlich vorn. Auch im Antonsviertel, in Pfersee und in Hochfeld sahen die Ergebnisse ähnlich aus. Mit insgesamt 25,6 Prozent (2014: 16 Prozent) zählen die Grünen in Augsburg zu den Gewinnern des Abends. "Für uns hat sich gezeigt: Wenn man kämpft, kann man super Ergebnisse holen", freut sich Landtagsabgeordnete Stefanie Schuhknecht. Die Europawahl sei eine "Klima-Wahl" gewesen und dieses Thema verträten die Grünen schon lange. Besonders freut sich Schuhknecht über die guten Ergebnisse in einzelnen Augsburger Stadtteilen.

Ob sich aus der Europawahl schon eine Tendenz für die Kommunalwahl im kommenden Jahr ableiten lässt? "Die Leute wissen schon, dass sich EU- und kommunale Themen unterscheiden", sagt Schuhknecht. Nichtsdestotrotz, nach dem guten Abschneiden schon bei der jüngsten Landtagswahl und dem erneuten tollen Ergebnis sei vielleicht schon ein Trend erkennbar, hofft die Augsburger Landtagsabgeordnete.

Die AfD erreichte in Augsburg 8,9 Prozent, die Linke 3,9 Prozent, die FDP 3,6 Prozent, die ÖDP 3,3 Prozent und die Freien Wähler 3,2 Prozent.


*Alle Zahlen beziehen sich auf das vorläufige Endergebnis. 

Von Patrick Bruckner und Kristin Deibl
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