Erneutes Theater ums Theater: Jetzt mahnt der Freistaat die Stadt Augsburg

Sanierungsfall Theater: Aktuell ist das Bauprojekt insgesamt mit 186 Millionen Euro gedeckelt, die Ausgaben für Übergangsbühnen nicht mitgerechnet. Zudem wird Bauteil 2 teurer als geplant. Die Bauverwaltung geht von 20 Millionen Euro höheren Gesamtkosten aus. Foto: Janina Funk

Die teure Sanierung des Staatstheaters Augsburg ist zum Wahlkampfthema für die Kommunalwahl 2020 geworden. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Dirk Wurm rüttelt am Theaterstandort. Dies hat nun gar den Freistaat, in Gestalt des CSU-Kunstministers, dazu gebracht, sich einzuschalten.

Im Sommer war bekannt geworden, dass die Kosten für das neue Theater nochmals um 20 Millionen Euro steigen - und da waren Einsparungen gegenüber der ursprünglichen Planung bereits eingerechnet. Die Kostensteigerung war zudem nicht in den Plänen zur Sanierung des bestehenden Großen Hauses aufgetaucht, sondern im sogenannten Bauteil 2, der die Neubauten neben und hinter dem Theater umfasst.

Die Situation um das neue Schauspielhaus sei immer noch unklar, erinnerte nun der Ordnungsreferent und SPD-OB-Kandidat Wurm. Es brauche "schnellstmöglich Antworten, unter Berücksichtigung der temporären und gut angenommenen Spielstätten im Martini-Park und am Gaskessel", schrieb Wurm in einer Presseerklärung.

Einerseits seien diese Spielstätten mit erheblichem finanziellen Aufwand hergestellt worden, "andererseits kann in der räumlichen Diversität durchaus eine Chance für die Verankerung des Staatstheaters in der Stadtgesellschaft liegen, indem neue, ,theaterfernere' Zielgruppen angesprochen werden", erklärte Wurm und beteuerte: "Mir ist wichtig, dass Modernisierung und Neubau des Theaters Augsburgs realistisch und ordentlich dargestellt werden und dass nicht Luftschlösser gebaut werden, die am Ende nicht finanzierbar sind."

Die Antworten der CSU und des städtischen Kulturreferenten Thomas Weitzel folgten prompt. Man lehne die Vorschläge ab, "Sanierung und Neubau vor Kenntnis genauer Zahlen zu zerstückeln und Bühnen, Werkstätten sowie Verwaltung des Staatstheaters zugunsten dauerhafter Interimslösungen zu dezentralisieren", ließ die CSU-Rathausfraktion in einer Pressemitteilung wissen. "Natürlich müssen wir die Finanzen im Blick haben. Dies ist ja auch Ziel der beim Architekten in Auftrag gegebenen neuen Planungen. Aber wer jetzt schon im vorauseilenden Gehorsam den großen Wurf kleinredet, hat die positive Gesamtdimension des Jahrhundertprojektes nicht verstanden", erklärte Fraktionsvorsitzender Bernd Kränzle. Die weit über einen "Theaterbau hinausgehende Vision eines Kulturviertels rund ums Theater" werde nach Ansicht der CSU-Fraktion "durch solche Überlegungen pulverisiert".

Eine Dezentralisierung von Werkstätten, Verwaltung und Bühnen habe zudem erhebliche Arbeitserschwerungen für die Theater-Mitarbeiter zur Folge, die ebenso finanziell Niederschlag finde.

Konzept ist Grundlage für 75-Prozent-Förderung

Kulturreferent Weitzel gab zudem zu bedenken, dass die Interimsspielstätten im Hinblick auf einen dauerhaften Betrieb nachgerüstet werden müssten. Allein die Einbauten etwa von Technik oder Tribüne der Brechtbühne seien als gebrauchte Materialien vom Theaterstandort Kennedyplatz übernommen worden. In Gaswerk und Martinipark würden bei einer dauerhaften Nutzung "weitere siebenstellige Investitionen in die bauliche Substanz wie in die Technik anfallen", rechnete Weitzel vor. Zumal das aktuelle Konzept für die Sanierung die Grundlage für die zugesagte Förderung von 75 Prozent durch den Freistaat Bayern sei. 

Dies ist auch der Tenor der Stellungnahme von Kunstminister Bernd Sibler, die das Ministerium schließlich verschickte. Darin heißt es kurz und knapp: Der Freistaat gehe "fest davon aus, dass umgesetzt wird, was gemeinsam vereinbart wurde".
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.