FDP legt Plan für Ost-West-Tangente vor

Der Dauerstau in der Innenstadt ließe sich durch eine Innenstadt-Umgehung reduzieren
Die FDP Augsburg hat einen Plan für eine innenstadtnahe Ost-West-Tangente vorgelegt. Nach den Vorstellungen der Freien Demokraten soll die aus dem Westen ins Zentrum führende Bürgermeister-Ackermann-Straße (B300) langfristig entlang der Wertach und nördlich des MAN-Geländes um die Innenstadt geführt und mit der Mühlhauser Straße (B2) im Nordosten verbunden werden.

„Unser Ziel ist es, die Altstadt und angrenzende Wohngebiete vom Durchgangsverkehr zu entlasten und die Lärm- und Abgasbelastung massiv zu reduzieren“, sagt Katrin Michaelis, die Kreisvorsitzende der Augsburger FDP. „Stadtentwicklungsmaßnahmen wie der Umbau des Königsplatzes oder des Elias-Holl-Platzes hätten deutlich gemacht, wie lebenswert die Augsburger Altstadt ist. „Da ist es um so unverständlicher, dass die Verkehrsprobleme in der Jakobervorstadt und im Domviertels nicht angegangen werden. Um die Altstadt als ganzes aufzuwerten, brauchen wir endlich eine leistungsfähige Umgehungsstraße um das historische Zentrum.“

Eine solche Innenstadtumgehung ist von Baureferent Merkle aber nicht einmal ansatzweise geplant, erläutert Lars Vollmar, der dem FDP-Fachausschuss Stadtentwicklung und Verkehr vorsteht. Vollmar stört sich daran, dass die Augsburger Gesamt-Verkehrsplanung im Wesentlichen immer noch dem Wirtschaftsplan aus dem Jahr 1949 entspricht. „Mit Ausnahme der B17 und der Schleifenstraße führen sämtliche Hauptverkehrsstraßen in und durch das historische Zentrum. Obwohl sich die Stadt Augsburg Mühe gibt, das Fahrrad und den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, folgt sie ungewollt immer noch dem Ideal der autogerechten Stadt aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.“

Als Beispiele nennt Vollmar die Bürgermeister-Ackermann- und die Hans-Böckler-Straße – beides mehrspurige Schnellstraßen, die große Verkehrsmengen in Teile der Innenstadt lenken, die dafür nicht ausgelegt sind. Erst vor einem halben Jahr wurde der Neubau der baufälligen Bürgermeister-Ackermann-Brücke abgeschlossenen, der knapp 17 Millionen Euro gekostet hat. Im Jahr davor wurde die MAN-Brücke für 3,6 Millionen Euro erneuert. „Die Stadt hat mehr als 20 Millionen Euro dafür ausgegeben, um die überholte Verkehrsplanung von 1949 erneut in Beton zu gießen. Dabei wäre der schlechte Zustand der Brücken eine gute Gelegenheit gewesen, die Grundlage für eine Innenstadtumgehung zu legen – aber dafür lag keine fertige Planung in der Schublade. Das darf uns nicht noch einmal passieren!“

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, fordern die Freien Demokraten, die Planung für eine Ost-West-Tangente so schnell wie möglich anzugehen. Wichtige Bestandteile des FDP-Konzepts sind eine Überarbeitung der Planung der sogenannten MAN-Spange, sowie die Aufgabe des Planungsvorhabens Nordtangente, deren Trasse vom südlichen Plärrergelände entlang des Senkelbachs zum Wertachbruckertor führen würde.

„Der Stadtratsbeschluss zur Nordtangente stammt aus dem Jahr 1986 als Augsburg knapp 50.000 Einwohner weniger hatte als heute“, erklärt Vollmar. „Es war schon damals falsch, Verkehrsströme von der Bürgermeister-Ackermann-Straße in die Heinrich-von-Buz- und Liebigstraße zu leiten. Hier befinden sich Wohngebiete, in denen die Orientierungswerte für Verkehrslärm ohnehin schon erheblich überschritten werden. Es wäre angesichts der Gesundheitsgefahren, die von Lärm ausgehen, unverantwortlich, über eine Nordtangente noch mehr Verkehr in dieses Gebiet zu leiten. Man kann fast froh sein, dass die Stadt Augsburg hier 30 Jahre lang nichts unternommen hat.“

Der Bau der Nordtangente würde auch noch an einer anderen Stelle zu Problemen führen. Das Hauptziel der sogenannten MAN-Spange ist es, den zu Stoßzeiten völlig überlasteten Kreuzungsbereich Stadtbachstraße/ Sebastianstraße zu entlasten. „Eine Verkehrsprognose des Baureferats zeigt, dass die Kreuzung durch den Bau der Nordtangente um fast genau so viele Fahrzeuge zusätzlich belastet würde, wie die MAN-Spange an Entlastung bringt. Mit anderen Worten: an der Überlastung würde sich trotz zweier teurer Baumaßnahmen nichts ändern“, so Vollmar.

Die heutige und die prognostizierte Überlastung der MAN-Kreuzung beweist für die Freien Demokraten, dass weder die Planung der Nordtangente noch der MAN-Spange ausreicht, um zusätzlichen Durchgangsverkehr aus der Altstadt aufzunehmen. Für die Liberalen führt deswegen kein Weg daran vorbei, den Verkehr aus dem Westen über eine durchgehend vierspurige Hauptverkehrsstraße entlang der Wertach direkt in die MAN-Spange führen. Die Planung der MAN-Spange, die heute nur zweispurig ausgelegt ist, müsste entsprechend angepasst werden.

Entlang der Wertach wäre die Trasse – vergleichbar mit der Schleifenstraße – durch bauliche Maßnahmen wie Schallschutzmauern eingehegt, um die angrenzenden Wohngebiete vor Lärm und Abgas zu schützen. Zwischen Stegstraße und Ulmer Straße wäre ein 550 Meter langer Tunnel erforderlich. Dass diese Pläne aufwändig sind, ist den Freien Demokraten bewusst. „Aber wenn es kein Lippenbekenntnis bleiben soll, die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu befreien, müssen wir endlich anfangen, entsprechend zu planen“, so Vollmar.
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