Friedlicher Protest gegen Rechts

Ihrem Wunsch nach einem bunten Augsburg verliehen die Demonstranten mit viel buntem Konfetti Ausdruck. Foto: Laura Türk
 
6000 Menschen kamen zur großen Kundgebung gegen den AfD-Parteitag auf dem Rathausplatz zusammen. Foto: Laura Türk

Augsburg - "Zeig dich Aux": Unter diesem Motto hatte das Bündnis für Menschenwürde zum friedlichen Protest gegen den Bundesparteitag der AfD aufgerufen, der am Samstag und Sonntag auf dem Messegelände stattfand. Rund 6000 Vereine, Organisationen und Bürger zeigten deutlich aber friedfertig, dass sie mit der rechtspopulistischen Partei in der Friedensstadt nicht einverstanden sind. Nach einem Demonstrationszug durch die Stadt versammelten sich die Menschen zu einer großen Kundgebung auf dem Rathausplatz.

Bereits ab 8 Uhr kamen am Morgen erste Demonstranten unter massivem Polizeiaufgebot auf dem Messeparkplatz zusammen, um mit Schildern und Bannern ihre Meinung gegen die AfD kundzutun. Aufgeheizter war die Stimmung einige hundert Meter weiter, auf der Kreuzung am Messegelände, als Mitglieder der Antifa-Bayern lautstark ihrem Unmut Luft machten. Dieser Pulk zog die Friedrich-Ebert-Straße entlang zur Kreuzung Alter Postweg. Dort wurden sie von einer Polizeiabsperrung aufgehalten. Mit Rufen wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" zeigte der Pulk den AfD-Mitgliedern, die in ihren Autos die Polizeikontrollen passierten, dass sie nicht willkommen sind. Einige versuchten zudem, die vorhandenen Absperrgitter zu überklettern. In 40 Fällen hätten die Polizisten „unmittelbaren Zwang anwenden müssen“, um die Antifa-Mitglieder zurückzuhalten, hieß es von der Polizei. Gegen drei Personen setzten die Beamten Pfefferspray ein. Als sich die Stimmung beruhigte, kehrten sie zurück zum Messeparkplatz. Ab 11 Uhr zogen sie gemeinsam mit den anderen Demonstranten Richtung Rathausplatz.

Der Zug sollte vor allem bunt sein, und so trugen viele der Demonstranten Schilder in Regenbogenfarben, die Aufschriften wie "Nein zur Hetze gegen Muslime" oder "Rassismus ist keine Alternative" trugen. Zwei Stunden lang zogen die Demonstranten, ständig begleitet von den Einsatzkräften der Polizei, durch die Augsburger Straßen. Der Protest blieb dabei durchgehend friedlich. Kurz vor dem Königsplatz schossen die Demonstranten Konfetti in die Luft, um noch einmal zu symbolisieren: Augsburg ist bunt. "Uns ist es einfach wichtig zu zeigen, dass es auch eine Gegenmeinung zur AfD gibt", meinte eine Demonstrantin. Für ihre Begleitung sei das schlimmste an der AfD, dass sie die Bevölkerung spalte. "Außerdem werden die Parolen der AfD auch immer mehr von der CSU übernommen. Es ist darum wichtig, Position zu beziehen", erklärte der Mann mittleren Alters seine Motivation, an der Demonstration teilzunehmen. Ein junger Mann, der sein Fahrrad durch die Straßen schob, wurde deutlicher: "Ich demonstriere, weil die AfD nationalistische Hetze betreibt, gegen Minderheiten, Vielfalt und Homosexualität ist, und weil ich denke, dass sie langsam gefährlich werden", sagte er. "Es bleibt immer die Frage, ob es besser wäre, die Partei zu ignorieren", meinte eine junge Demonstrantin. "Doch leider sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die Bevölkerung sich gegen das Ignorieren entschlossen hat. Darum ist es jetzt wichtig, zu zeigen, dass die Meisten das Weltbild der AfD nicht teilen."

Die AfD sei "eine neoliberale Partei, die keine Lösungen anbietet", sagte schließlich ein Demonstrant, der ebenfalls eines der bunten Schildchen trug. "Sie schadet in Wahrheit den Leuten, die sie wählen, nur noch mehr. Und außerdem ist es mit der deutschen Geschichte eine Schande, eine solche Partei im Parlament zu haben."

Auf die deutsche Geschichte nahm auch Matthias Lorentzen vom Bündnis für Menschenwürde Bezug. Er war einer von vielen Rednern auf dem Rathausplatz, auf dem der Zug gegen Mittag endete. Insgesamt 6000 Menschen kamen hier zur großen Kundgebung zusammen, die das Bündnis initiiert hatte. Lorentzen ging in seiner Rede auf eine Aussage des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke ein. Dieser hatte kürzlich auf dem jährlichen Kyffhäusertreffen der AfD gesagt, die Frage laute heute, ob die Deutschen lieber Schaf oder Wolf sein wollten. "Und ich, liebe Freunde, meine hier, wir entscheiden uns in dieser Frage: Wolf." Ein Vergleich mit Joseph Goebbels, Reichspropagandaminister zur Zeit des Nationalsozialismus und enger Vertrauter Adolf Hitlers, sei nicht von der Hand zu weisen, sagte Lorentzen. Goebbels hatte in einer seiner Reden über Krieg und Hass gegen Juden einst einen ähnlichen Vergleich gezogen: "Wir kommen nicht als Freunde, auch nicht als Neutrale. Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir."

Die Menge auf dem Platz begleitete die Reden mit viel Applaus. Einzig als Oberbürgermeister Kurt Gribl auf die Bühne trat, wurden Buh-Rufe und Pfiffe laut. Einzelne Teilnehmer der Kundgebung bewarfen den OB gar mit Tomaten, Eiern und Plastikflaschen. Die Polizei hat deshalb bereits Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet. In seiner Rede betonte Gribl, er sei stolz, dass so viele gekommen seien, "So viele mehr als diejenigen, die den Frieden stören wollen."

Auch Juso-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert zeigte sich beeindruckt, von der großen Menschenmenge. Allerdings stellte er klar: "Heute ist nur ein Tag. Wir müssen an 365 Tagen im Jahr zu unserer Offenheit stehen." (Von Laura Türk, Patrick Bruckner und Kristin Deibl)
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