Fujitsu macht Augsburger Werk dicht

„The possibilities are infinite“ – Die Möglichkeiten sind unendlich: Fast schon zynisch für die Beschäftigten mutet das große Schild auf dem Parkplatz des Augsburger Fujitsu-Werkes vor dem Hintergrund der geplanten Schließung an. (Foto: Alisha Braun)

Es war ein Schock für die Mitarbeiter des Lampenherstellers Ledvance, als das Unternehmen im vergangenen Herbst die Schließung des Augsburger Standortsverkündete. Nun macht erneut ein großes Unternehmen seine Niederlassung in der Fuggerstadt dicht: Fujitsu kündigte seinen Beschäftigten am Freitagmorgen in einer Betriebsversammlung an, dass die Schließung des Augsburger Werks bis 2020 anstehe. Die IG Metallzeigt sich bestürzt über den Abbau von rund 1800 Stellen. Die Gewerkschaft warnt vor einer Schwächung der Wirtschaftsregion und fordert die Politik auf, zu handeln.

 

Fujitsu - das letzte Computerwerk Europas

Das Augsburger Fujitsu-Werk ist nach Angaben des Unternehmens das letzte Computerwerk in Europa. Bislang stellt es Notebooks und Speichersysteme her. Nun soll das Werk im Zuge einer Neuaufstellung und europaweiten Umstrukturierung geschlossen werden. 1500 Beschäftigte plus rund 300 Leiharbeiter sind von der Maßnahme betroffen. Deutschlandweit sollen weitere 300 Stellen abgebaut werden.

Angestellte und Gewerkschaft wollen kämpfen

Die Nachricht sei für die Mitarbeiter und die Gewerkschaft völlig überraschend gekommen, sagt Angela Steinecker, Unternehmensbeauftragte der IG Metallfür Fujitsu. Es ist nach Ledvance bereits das zweite Unternehmen in Augsburg, das einen Standort mit mehr als 1350 Mitarbeitern schließen wolle. Und wie schon im Fall von Ledvance, das erst vor knapp zwei Wochen seine Produktion in Augsburg endgültig eingestellt hat, heißt es von der IG Metall, man werde eine Schließung des Standortes in Augsburg nicht einfach akzeptieren. „Wir werden für diesen Standort kämpfen“, kündigt Michael Leppek, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg, gestern an. Zusammen mit den Beschäftigten wolle die Gewerkschaft „den Protest auch in die Öffentlichkeit tragen“, deutet Leppek an, das wie im Fall von Ledvance wohl auch große Kundgebungen geplant sind.

Auswirkungen auf die ganze Region

Die Gewerkschaft fordert ein „nachhaltiges Zukunftskonzept“ für das Unternehmen und deren Standorte in Deutschland und erwartet „arbeitsplatzerhaltende Maßnahmen und vernünftige Lösungen“ für die Beschäftigten. „Betriebsbedingte Kündigungen müssen definitiv ausgeschlossen werden“, sagt Steinecker. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern plant die IG Metall, die Gespräche mit der Arbeitgeberseite aufzunehmen und in den kommenden Wochen mit Sachverständigen das weitere Vorgehen zu beraten. Die IG Metall sieht allerdings nicht nur für die betroffenen Beschäftigten Folgen. Die geplante Schließung sei binnen kürzester Zeit bereits „der zweite schwere Schlag für Augsburg und die Region. Das geht an die Substanz des Wirtschaftsstandortes“, warnt Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. „Ich fordere die Staatsregierung auf, das nicht einfach zuzulassen, sondern einzugreifen.“
Fujitsu zähle zu den größten Arbeitgebern in Augsburg, bestätigt auch die Stadt. Man sei „erschüttert, dass trotz ständiger Produktweiterentwicklungen diese Entscheidung getroffen wurde“. Eine Zusammenarbeit mit dem Computer- und Smartphone-Hersteller Lenovo im Jahr 2017 habe man als positives Zeichen zur Neuausrichtung des Unternehmens gewertet, mit dem Erhalt und Ausbau der Produktion in Augsburg als Zielsetzung.

Allianz für Arbeitsplätze soll den Prozess begleiten

„Es geht jetzt darum, für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst gute Regelungen zu treffen und Perspektiven zu eröffnen“, sagt Oberbürgermeister Kurt Gribl in einer ersten Reaktion. Das sei zunächst Aufgabe des Unternehmens und des Betriebsrates. Die Stadt erwarte, dass die dafür vorgesehenen Instrumente bei Transferregelungen, wie Interessensausgleich, Sozialplan, Transfergesellschaft, „so verhandelt und angewendet werden, dass sich das Unternehmen deutlich zu seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten bekennt.“ Die Augsburger Allianz für Arbeitsplätze, die neben der Stadt aus der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit sowie den Gewerkschaftsvertretern besteht, will den Prozess begleiten und den Beschäftigten Perspektiven aufzeigen. Man stehe bereits in engem Austausch mit Franz Josef Pschierer, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Energie und Technologie.
Während die Mitarbeiter in Augsburg nach der Nachricht über die geplante Schließung nun erstmal den Schock verarbeiten müssen, hat Fujitsu selbst übrigens am Freitag in einer Finanzkonferenz in Japan aktuelle Geschäftszahlen vorgelegt. Die Dividende wird erhöht.
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