Gegen den Mauerfall: Die Augsburger Stadtmauer muss saniert werden

Drei Pfeiler der Stadtmauer an der Thommstraße sind aktuell großflächig abgesperrt. Foto: Laura Türk

Im Februar begann die Stadtmauer zu bröckeln. Ziegel brachen aus einem Stützpfeiler an der Thommstraße, die betroffene Stelle und zwei weitere halbrunde Stützpfeiler wurden mit einem Bauzaun abgesperrt. Ob auch die beiden anderen Pfeiler einsturzgefährdet sind, dazu liegen nach Auskunft des Baureferats noch immer keine abschließenden Ergebnisse vor.

Im Februar begannen hierzu die Untersuchungen. Es seien aber weitere Test-Öffnungen erforderlich, um festzustellen, wie der Zustand im Pfeilerinneren ist, und ob der Kern ausreichend mit der äußeren Schale verbunden ist, so das Baureferat. Ziemlich sicher ist man sich inzwischen, dass der beschädigte Pfeiler komplett abgetragen und neu aufgebaut werden muss.

Rund eine Million Euro veranschlagt die Stadt Augsburg im Doppelhaushalt für den ersten Sanierungsabschnitt zwischen Fischertor und Thommstraße. Für den allgemeinen Bauunterhalt der Stadtmauer stehen pro Jahr 93 000 Euro zur Verfügung. Da die historische Mauer permanent den Witterungsverhältnissen ausgesetzt ist, ist dieser ständige Unterhalt nötig. Wann die Arbeiten an der Thommstraße beginnen können, ist noch nicht bekannt. "Nachdem die Maßnahme vom Freistaat gefördert wird, aber noch kein Förderbescheid vorliegt, kann mit der Bauausführung derzeit noch nicht begonnen werden", erklärt das Baureferat. Angedacht war der Baubeginn aber für dieses Frühjahr.

SPD fordert neues Konzept für die Stadtmauer

Währenddessen beantragte die Augsburger SPD-Fraktion vor kurzem weitere Mittel für die Sanierung der Stadtmauer. 4,3 Millionen Euro mehr wünscht sie sich für den ersten Nachtragshaushalt 2019, außerdem eine Ermittlung der weiter erforderlichen Sanierungskosten. Nicht zufällig entspricht der geforderte Betrag genau den Kosten, die für den Erhalt des Stadtmauer-Fragments am Staatstheater veranschlagt sind.

Im Dezember vergangenen Jahres stimmte der Stadtrat diesem zu. Selbst innerhalb der Fraktionen herrschte allerdings nicht immer Einigkeit beim Thema Mauererhalt: Obwohl die CSU am Ende geschlossen für den Erhalt der Mauerreste stimmte, sagte Peter Schwab (CSU) noch bei einer Sitzung im Oktober, man solle nicht 4,3 Millionen Euro in den Erhalt eines Fragments investieren, während die Stadtmauer an anderen Stellen sanierungsbedürftig sei. Auch in der SPD waren die Meinungen deshalb geteilt, die Grünen stimmten gegen den Erhalt der Mauerfragmente.

"Wichtiger Erholungsraum für die Bevölkerung"

Nun fordert die SPD also dieselben Mittel auch für die noch stehende Mauer. Viele Bereiche des etwa vier Kilometer langen Gemäuers seien dringend sanierungsbedürftig, so die Erklärung der Fraktion, etwa am Eisstadion, am Roten Tor oder an der Kahnfahrt. Städte, die ihr Erbe bewahren, seien lebenswert für ihre Bürgerschaft und beliebte Tourismusziele. Die SPD-Fraktion fordert deshalb auch ein neues Konzept, um die Stadtmauer und die umliegenden Anlagen besser erlebbar zu machen.

Die Wallanlagen seien für die Augsburger Bevölkerung ein wichtiger Erholungsraum und für Touristen interessante Besichtigungsorte, sagt dazu etwa Stadträtin Jutta Fiener. Wie beliebt die historischen Überreste bei der Bevölkerung seien, zeigten auch die historischen Feste am Wertachbrucker und Roten Tor. Die Feste organisiert seit 2008 die Interessengemeinschaft Historisches Augsburg.

Gesamtkonzept zur Sanierung wird erarbeitet

2018 musste das Fest wegen erhöhter Sicherheitsauflagen und den damit verbundenen Kosten ausfallen, im Jahr 2019 findet es aber wieder statt - diesmal am Roten Tor. Das Bürgerfest im Jahr 2017 endete bei Einnahmen von über 238 000 Euro mit einem Defizit von rund 34 000 Euro. Die Stadt unterstützte die Interessengemeinschaft daraufhin mit einem Zuschuss von 30 000 Euro.

Um der Bevölkerung das historische Erbe wieder ins Gedächtnis zu rufen, könnte sich die SPD historische Feste, eine Beleuchtung des sichtbaren Gemäuers oder eine "animierte Darstellung" am Roten Tor vorstellen, die "die Veränderungen im Verlauf der Jahrhunderte" visualisieren soll.

Parallel zum Bauerhalt wird laut Baureferat auch heute schon ein Gesamtkonzept zur Sanierung erarbeitet. "Hier steht allerdings zunächst der bauliche Aspekt im Vordergrund."
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