Gehet hin und unterschreibt! Volksbegehren in Bayern auch für die Artenvielfalt in der Region Augsburg

Viel steht auf dem Spiel. Das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ läuft. Zwischen 31. Januar und 13. Februar kann man in den Rathäusern der Region für die Förderung der Artenvielfalt und eine Anpassung des Bayerischen Naturschutzgesetzes unterschreiben. Dabei geht es auch um die Frage, wie die Menschen in Bayern künftig leben wollen. (Foto: Michael Holdinghausen)
 
Bienen sind nur eine Insektengruppe, die stellvertretend dem Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen!" vorangestellt wird. Eigentlich geht es um alle Insekten und in der Folge um Reptilien, Amphibien, Vögel, Säugetiere, die Pflanzen, die Land- und Bodenwirtschaft - eigentlich um alle Lebewesen, die Erde und letztlich den Menschen. (Foto: Michael Holdinghausen)
 
Die Verwendung von Glyphosat und Neonicotinoiden in der Agrarwirtschaft könnte mit der angestrebten Änderung im Bayerischen Naturschutzgesetz neu geregelt werden. (Foto: Symbolbild: Leonid Eremeychuk 123rf.com)

Wer will weiterhin Vögel singen hören, heimische Äpfel essen, die Natur genießen? Jetzt muss man sich genau darüber Gedanken machen, denn der Trägerkreis Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), Landesbund für Vogelschutz, Bündnis90/Die Grünen und der Bund Naturschutz Bayern rufen auf zur Unterschriftensammlung für "Artenvielfalt - Rettet die Bienen!". Sie brauchen etwa eine Million Unterschriften in Bayern, brauchen Unterschriften von zehn Prozent der wahlberechtigten Bürger Bayerns, um in ihrem Kampf für die Artenvielfalt einen Schritt weiter zu kommen, um Insekten, die ganze Artenvielfalt und letztlich uns selbst zu schützen. Eintragungsfrist in Bayern ist vom 31. Januar bis 13. Februar in den Rathäusern der Gemeinden.

Gegen das Artensterben

Hochrechnungen von Naturwissenschaftlern gehen davon aus, dass viele Insekten bereits ausgestorben sind, in ihrer Anzahl und Biomasse stark abgenommen haben. In manchen Regionen der Welt, so in China, werden viele Nutzpflanzen bereits von Menschen künstlich bestäubt, weil Insekten fehlen.

Kette der Abhängigkeiten

Sind die Insekten weg, dann haben auch Vögel keine Nahrung mehr, vermehren sich weniger, die wenigen verbleibenden Tiere ziehen fort, dorthin, wo sie noch Nahrung bekommen oder sterben gleich im Kampf um ihre schwindende Nahrung. So könnte es auch manchen Reptilien, Amphibien und Säugetieren gehen, deren Nahrung zukünftig verschwindet. Das Artenvorkommen und die Anzahl der Insekten verschiebt und die Nahrungskette ändert sich. Viele Tier- und in Symbiose mit speziellen Tieren abhängige Pflanzenarten werden aussterben - eine Kette der Abhängigkeiten.

Knapp 60 Prozent der Bienenarten seien bedroht - es gibt nicht nur die Honigbiene, sondern auch viele solitär lebende Wildbienenarten. Etwa 70 Prozent der Tagfalter seien verschwunden, die Menge der Fluginsekten habe sich auf ein Viertel reduziert und in Bayern sollen nur noch halb so viele Vögel leben als vor 30 Jahren - mit diesem Szenario gehen die ÖDP und ihre Mitstreiter für den Erhalt der Natur ins Rennen, erklärt Manfred Link, Mitglied im Bayerischen ÖDP-Landesvorstand und ÖDP-Ortsvorsitzender in Gersthofen sowie Mitglied im Aktionsbündnis Augsburg für das Volksbegehren.

Die Kosten für das Engagement für die Sache sowie die Aktionen und Kampagnen des Trägerkreises und der vielen Unterstützer, die sich auch finanziell beteiligen, werden sich, laut Link, insgesamt auf etwa 400 000 Euro belaufen.

Naturnahe Landwirtschaft

Und warum tun Sie das, Herr Link? "Weil Tiere und Pflanzen empfindlich sind, die Natur unseren Schutz benötigt. Unsere Gesellschaft nimmt ihnen die naturnahen Lebensräume, bringt Spritzmittel wie Insektizide mit Neonicotinoiden und das umstrittene Glyphosat als Herbizid aus, unterstützt Monokultur - sie dezimiert somit die Artenvielfalt. Auch die einerseits als Schädlinge bekannten Tiere dienen manchen Insekten als Nahrung. Wir brauchen die Vielfalt der Insekten. Die Optimierung von Produktion, die Auslese und Züchtung parasiten- und krankheitsresistenter Pflanzenarten ist weit weg von naturnaher Landwirtschaft", so Link.

Was ist das Ziel?

Was will das Volksbegehren erreichen? Eine Änderung des Naturschutzgesetzes in dem festgeschrieben steht, wie Insekten zu schützen sind, dass unter anderem der Gebrauch von Insektiziden, Pflanzenschutzmitteln sowie Unkrautvernichtungsmittel eingeschränkt wird. So sollen auch Grundwasserabsenkungen, der Umgang mit Grünflächen und Hecken, Totholzansammlungen, Bildung von zusammenhängenden Biotopen für Tierwanderungen, naturbelassene Räume und störende Lichtquellen geregelt werden. Letztendlich sorgt sich die Änderung um den Bestand und die Lebensräume von Reptilien, Amphibien, Vögeln sowie um naturnahe Vegetation und den Menschen. Im ersten Schritt zur Zulassung des Volksbegehrens "mussten wir 25 000 Unterschriften dazu sammeln - 95 000 Unterschriften haben wird dann in Schubkarren Anfang Oktober in München beim Innenministerium angekarrt", erklärt Link. Zweiter Schritt ist nun das Volksbegehren mit der geforderten einen Million Unterschriften, dann muss die Bayerische Landesregierung entscheiden, ob es in Folge zum Volksentscheid kommen wird oder nicht.

Wird die Anzahl der Unterschriften nun nicht erreicht, ist es vorbei - dann bleibt nur zu hoffen, dass sich die Politik irgendwann auf die Natur besinnt und reagiert.

Die Zukunft könnte düster werden: Keine Insekten mehr, viele Nutzpflanzen tragen nicht mehr oder weniger. Die Beschaffung der Nahrungsmittel wird teurer, die Transportwege länger und kostenintensiver. Im ökologischen Sinne wäre das untragbar. Viele Industriezweige müssen für den Erhalt der Artenvielfalt umdenken, Landwirte sich anpassen, die Betreiber der Agrarwirtschaft umdenken, die Gesellschaft sich anstrengen - letztendlich steht unser aller Leben zur Diskussion.

Wenn Hummeln und Bienen fliegen

Sie suchen Nektar und Pollen an den Blüten und wir profitieren davon.
Die weißen bis zartrosa Blüten der Apfelbäume im Garten öffnen ihre Knospen, gleich sind Bienen und Hummeln da und saugen Nektar, fressen Pollen mit ihren Mundwerkzeugen. Dazu kriechen sie tief in die Blüte hinein, die Pollen bleiben am Insekt haften und werden zur nächsten Blüte getragen.

Im naturnahen Garten fliegt das Insekt zum nächsten Apfelbaum und die Natur hat gewonnen, der Pollen des einen Baumes befruchtet den nächsten. Unsere Kulturäpfel brauchen die Bestäubung durch Pollen anderer Bäume, eine Selbstbestäubung ist ausgeschlossen. Und wenn die Bienen, Hummeln und andere Pollen- und Nektar fressenden Insekten ausbleiben, die Bestäuber fehlen? Dann gibt es weniger Fruchtertrag oder im schlimmsten Falle keine Äpfel, denn Windbestäubung ist bei diesen Kulturpflanzen nebensächlich.

Was nun, wenn im Garten nichts mehr fliegt, keine Insekten mehr die Pflanzen befruchten? Die Natur geht schließlich zugrunde. Viele Pflanzen werden kaum mehr Früchte und Samen bilden, denn nicht nur der Apfel ist auf Bestäubung durch Insekten angewiesen: Bei vielen Pflanzen spielt die Bestäubung durch Insekten neben der Windbestäubung eine große Rolle für die Vermehrung – einige Pflanzen können mit eigenem Pollen Früchte und Samen bilden, sich fortpflanzen, andere wiederum brauchen zwingend den Pollen anderer Pflanzen der gleichen Art oder gar den Pollen männlicher Blüten einer artgleichen Pflanze.

Was kann ich tun?

Wer selbst Bienen und anderen Insekten Gutes tun will, kann Blütenpflanzen auf den Balkon stellen und in den Garten pflanzen. Im Sommer werden es die Tiere danken, gerade am Lavendel und Wein wird es wimmeln und am Sommerflieder laben sich gerne Schmetterlinge. Auch naturnahe Blumenwiesen anstatt Rasen sehen gut aus und sind für Insekten Nahrungsquelle. Wer ein Insektenhotel bauen und aufstellen kann, der bietet Nisthilfen und Unterschlupf an, wird bald Wildbienen ein Heim geben. Viele Bauanleitungen für Insektenhotels und Listen mit Blumen, die spezielle Insektengruppen anlocken, stehen im Internet zur Verfügung.


Unterschreiben in Rathäusern

Unterschrieben werden kann für die Realisation des angestrebten Volksbegehrens „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ in den bayerischen Rathäusern der Heimatgemeinden vom 31. Januar bis 13. Februar. Etwa 2000 freiwillige Rathauslotsen, so Link, stünden hilfsbereit vor den Rathäusern zur Seite. Berechtigungsscheine für gemeldete aber ortsfern wohnende Menschen können in der Heimatkommune angefordert werden.

Die speziellen Öffnungszeiten der Rathäuser, auch frühabends und samstags, sind unter www.rathausfinder.volksbegehren-artenvielfalt.de zu erfahren. Informationen zum beantragten Volksbegehren stehen im Internet unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de.

Bayerisches Volksbegehren

Das Volksbegehren der ÖDP und ihrer Mitstreiter ist nur in und für Bayern. In jedem Bundesland müsste ein eigenes Volksbegehren zur Änderung des jeweiligen Landesnaturschutzgesetzes angestrebt werden. Der Freistaat Bayern könnte Vorreiter in Deutschland und Europa sein und Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft schaffen. Und wer will nicht weiterhin feinen Honig auf dem Frühstückstisch haben? Auch er steht zur Disposition. Wenn nichts unternommen wird für Natur und Insekten, gibt es bald kaum noch qualitativ hochwertigen Imker-Honig mehr auf das Butterbrot und in den Tee. Dann droht Honig in minderwertiger Import-Qualität, der vielleicht aus ökologisch-dubioser Quelle zu horrenden Preisen herangeschafft werden muss – das tut dann jedem am Geldbeutel weh.

Verlosung: Imker werden

Wer will gewinnen und Imker werden? Die StadtZeitung verlost eine Bienenbox. Der Verein Stadtbienen in Berlin, stadtbienen.org, stellt die Box zur Verfügung. Mitmachen kann man auf unserer Facebook-Seite.

Wer will, kann dann gleich auf www.stadtbienen.org die Theorie zum Imkerkurs, Beginn im April, in Augsburg im Bürgerhaus Pfersee, Stadtberger Straße 17, Augsburg buchen. Die Praxis wird durchgeführt im Pferseer Gemeinschaftsgarten, im Verein Wertachwiese neben dem Wasenmeisterweg 138, Augsburg.
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2 Kommentare
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 27.01.2019 | 20:47  
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Margit Mayr aus Augsburg - Nord/West | 02.02.2019 | 18:31  
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