Gekämpft wie eine Löwin, geborgen wie eine Mutter Erste SOLWODI-Mitarbeiterin verabschiedet sich in den Ruhestand

Soni Unterreithmeier mit Engelskerze (Foto: Bild: Luisa Hagen für Solwodi)
 
Soni Unterreithmeier (vorne, 2. von links) mit Sr. Dr. Lea Ackermann (vorne, 3. von links) mit Mitarbeiterinnen, Ehrenamtlichen und Klientinnen. (Foto: Bild: Luisa Hagen für Solwodi)
Augsburg: Solwodi e. V. | „Ich war verloren, habe zehn Tabletten am Tag genommen und jeden Tag geweint. Aber Solwodi war eine Löwin. Und jetzt habe ich meine Kinder wieder.“ In ergreifenden Worten schildert die Frau aus der Demokratischen Republik Kongo, was Soni Unterreithmeier und ihre Mitarbeiterinnen für sie getan haben. Eine weitere Klientin bedankt sich bei der scheidenden Leiterin von SOLWODI-Augsburg mit den Worten: „Du hast mich geborgen wie eine Mutter in ihrem Schoß. Du bist mein Engel.“ Nach über zwei Jahrzehnten unermüdlichem Einsatz für Frauen in Not wurde vergangenen Donnerstag Soni Unterreithmeier mit einem Festabend im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in den Ruhestand verabschiedet. Doch nicht nur für die kompetente und liebevolle psychosoziale Begleitung ist Unterreithmeier bekannt, sondern überregional insbesondere durch ihr Expertenwissen und ihr Engagement im Kampf gegen Prostitution, die für Unterreithmeier fast immer mit Zwang verbunden ist und gegen die Menschenrechte.

„Danke für Deine Hartnäckigkeit und Deinen Zorn. Danke, dass Du Dich für Frauenrechte eingesetzt hast. Danke, dass Du da angefangen hast, wo andere aufgehört haben“, würdigte Frauenbeauftragte Barbara Emrich die politische Komponente von Unterreithmeiers Arbeit. Und Helmut Sporer, Leiter des Kommissariats 1 der Polizei Augsburg, erklärt, dass sie trotz anfänglich großer Skepis gegenüber der Zusammenarbeit mit einer Menschenrechtsorganisation von ihm und seinem Team mittlerweile als Kollegin akzeptiert sei, „und das muss man sich erst mal erarbeiten!“ Fast hundert Frauen, die die Polizei Augsburg aus Menschenhandel und Zwangsprostitution befreit hat, habe Unterreithmeier mit ihrem Team im Laufe der Jahre in Obhut genommen, auf ihre Aussagen vor Gericht vorbereitet und auch danach begleitet und unterstützt.

1985 begann Soni Unterreithmeier als erste ehrenamtliche Mitarbeiterin von SOLWODI mit dem Kopieren und Versenden der Rundbriefe, die ihre Studienfreundin Sr. Dr. Lea Ackermann – Trägerin des Friedenspreises der Stadt Augsburg – aus Mombasa an ihre Unterstützerinnen und Unterstützer in Deutschland schrieb. 1999 gründete sie immer noch als Ehrenamtliche den SOLWODI-Arbeitskreis in Augsburg und zwei Jahre später begann sie als Leiterin die Fachberatungsstelle aufzubauen. Heute arbeiten in der SOLWODI-Beratungsstelle fünf Sozialarbeiterinnen für Migrantinnen in Not und eine Traumatherapeutin als Streetworkerin im Prostitutionsmilieu an schweren Themen. Die Anfragen von Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution, von Frauen, die im Namen der Ehre verfolgt werden und von Migrantinnen, die durch Gewalterfahrungen schwer traumatisiert sind, nehmen nicht ab. Häufig werden sie durch Kooperationspartner, Polizei, Anwältinnen und anderen Beratungsstellen an SOLWODI vermittelt und hier kompetent unterstützt.

In seinem Grußwort bedankt sich Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer für die gute Zusammenarbeit der Stadt Augsburg und die verlässliche Partnerschaft, die die Stadt unter anderem dazu bewegte, eine halbe Stelle für Streetwork und seit kurzem auch eine Wohnung zur schnellen Unterbringung von Frauen aus der Prostitution zu finanzieren. Möglicherweise wird zu dieser Wohnung künftig auch die Finanzierung nötiger Betreuungsstunden kommen. Ein wichtiger Schritt für die Organisation SOLWODI, die deutschlandweit immer noch fast die Hälfte ihrer Arbeit aus Spenden und Bußgeldern finanzieren muss.
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