Gewerbe statt Wohnungen: Wie es jetzt mit dem Ledvance-Areal weitergeht

Wohnungen sollen - entgegen allen Gerüchten - auf dem ehemaligen Ledvance-Gelände an der Berliner Allee nicht entstehen. Das machte der städtische Baureferent Gerd Merkle im Bauausschuss deutlich. Foto: David Libossek/Archiv

Mit den Wohnungs- Gerüchten räumte Gerd Merkle gleich zu Beginn auf: "Es ist ein gewerbliches Areal und soll das auch in Zukunft darstellen", erklärte der Referent in der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses. Auf dem Gelände, auf dem bis vergangenen Oktober noch der Lampenhersteller Ledvance produzierte, werde von einer Gewerbe-Nutzung "kein Abstand genommen". Doch was genau hat die Stadt Augsburg mit dem Ledvance-Areal vor? Der Bericht des Baureferenten brachte nun erste Einblicke.

Das Gelände soll voraussichtlich bereits Ende Juli verkauft werden. Ein Investor, der Ledvance die Flächen abnehmen möchte, ist offenbar schon gefunden. Erste Gespräche zwischen einem vom Investor beauftragten Projektentwickler aus dem Landkreis Starnberg und der Stadt Augsburg hätten vor einigen Tagen stattgefunden, berichtete Merkle im Ausschuss.

In Absprache mit der Stadt habe der potenzielle Käufer vor, das Areal weiter für Gewerbe zu nutzen. Das Baureferat hat, so wurde in der Sitzung deutlich, durchaus konkrete Vorstellungen, wie der Investor das Gelände weiterentwickeln soll. Denkbar sind laut Merkle Bürogebäude an der Berliner Allee, und im weiter hinten liegenden Bereich hochwertiges Gewerbe, von dem keine Störungen ausgehen. "Logistik oder etwas Ähnliches wollen wir dort nicht haben." 

Ledvance-Areal: Macht Stadt vom Vorkaufsrecht Gebrauch?

Zunächst könne es eine interimsweise Nutzung von bestehenden Fabrikgebäuden geben. Später sei aber eine Neubebauung wünschenswert. Zudem soll das Grundstück, das Lech und Textilviertel bisher voneinander trennt, durch neue Wege durchlässiger werden. Man wolle die "bisherige Abschottung des Gebiets" aufbrechen.

Das erste Gespräch mit dem Projektentwickler sei gut verlaufen, ließ Merkle wissen. Sein Bericht klang nicht danach, als habe die Stadt vor, ihr Vorkaufsrecht zu nutzen. Über dieses verfügt sie seit Ende Juni. Via Stadtratsbeschluss hatte sie es sich selbst gegeben - das ist rechtlich möglich, sofern es das Wohl der Allgemeinheit erfordert. Ein anderer potentieller Käufer könnte jedoch auch dagegen klagen. Sollte Ledvance Ende Juli verkaufen, hätte die Stadt Zeit bis Ende September, das Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen.

Altlastensanierung des Bodens wird teuer

Doch den Millionenbetrag, der für das Areal wohl fällig wäre, würde sich die Stadt wahrscheinlich gerne sparen - das wurde im Ausschuss zumindest zwischen den Zeilen deutlich. Zum Kaufpreis hinzu käme zudem eine Altlastensanierung. Eine Untersuchung, die Ledvance noch in Auftrag gegeben hatte, habe man nicht vorliegen, sagte Merkle. 

Gehe man von dem aus, was das Umweltamt wisse, sei aber ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag fällig. Auch der wäre dann von der Stadt zu tragen. 

"Erwartungshaltung an das Gebiet ist enorm"

Es werde weitere Gespräche geben, erläuterte der CSU-Baureferent. Bauausschuss-Leiter Stefan Quarg (SPD) gab in Sachen Vorkaufsrecht zu bedenken: "Wenn wir so einen Beschluss fassen und davon dann doch keinen Gebrauch machen, dann brauchen wir einen guten Grund."

Bis vor Kurzem arbeiteten im Ledvance-Werk an der Berliner Allee rund 650 Menschen. Auch deshalb sei, betonte Quarg, "die Erwartungshaltung an das Gebiet enorm". 
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