Halle116 – Ein Blick auf die Geschichte für die Zukunft

Augsburg - Stadt mit Geschichte
 
Thorsten Frank nimmt als Vorsitzender der Europa-Union Augsburg Stellung zur Zukunft der Halle 116
 
Die Aktiven der Europa-Union Augsburg setzen sich seit 1948 für ein Europa des Miteinanders in Frieden und Freiheit ein. Der überparteiliche und gemeinnützige Verein feiert 2018 sein 70-jähriges Jubiläum.

Stellungnahme des Vorsitzenden der Europa-Union Augsburg, Thorsten Frank, zur Diskussion über die Zukunft der Halle 116

Einen würdigen Ort zur Erinnerung an das KZ-Außenlager und die Präsenz amerikanischer Streitkräfte zu sichern und zu schaffen ist für eine Stadt mit 300.000 Einwohnern und chronisch klammen Kassen keine leicht zu stemmende Herausforderung. Dennoch hat sich die Stadt Augsburg dieser Aufgabe angenommen. Bereits In den 1990er Jahren erwarb sie die von den amerikanischen Streitkräften verlassenen Liegenschaften. Sie konnte in der Folge mit der Veräußerung von Flächen und Gebäuden nicht nur stetig Einnahmen erzielen, die Augsburg auch dringend benötigte. Sie hatte auch ein Gespür dafür, dass es diese historischen Komponenten der Erinnerung an die Zwangsarbeit einerseits und die Erinnerung an die Amerikaner anderseits zu bewahren galt. Sie setzte wie zahlreiche Engagierte in Augsburg ein Zeichen dafür, nicht die Augen vor der Geschichte zu verschließen, um damit auch nicht blind für die Gegenwart zu sein.

Stadt ist sich Ihrer Verantwortung für das Sheridan Gelände bewußt

Damit wir nicht blind für die Zukunft werden und die Schreckensherrschaft des dritten Reiches auch Teil der Erinnerung an diesem historischen Ort der Stadt Augsburg bleiben kann, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen. Denn Orte wie dieser sind wichtig und rar. Ohne ihn fehlt ein wichtiger Baustein, der dann nicht mehr ausreichend seh- und erlebbar in der Stadtkultur bleibt. Ohne solche Orte würde es schwerer fallen, den Menschen zu zeigen, welche Geschichte sich nicht wiederholen darf. Daher gilt es umgekehrt, die Erinnerungskultur zu pflegen, lebendig zu halten und zu sichern, wo dies möglich ist. Bei fundamentaler Bedeutung ist es dabei wichtig, dass der Ort erkennbar ist und bleibt. Bei der Halle 116 handelt es sich augenscheinlich um einen solchen Ort.

Halle 116 verbindet die Geschichte im 20. Jahrhundert

Denn die Halle 116 spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. Sie vereint beide Welten: Die Präsenz der Amerikaner und einen Ort in Augsburg, in dem Greueltaten der Nationalsozialisten sichtbar werden. Zudem ist in Augsburg weder für das eine, noch für das andere ein wirklich großflächiger Erinnerungsort vorhanden – obgleich in Augsburg einerseits bis zu 17.000 Soldaten bzw. 30.000 Amerikaner wohnten und es im zweiten Weltkrieg zahlreiche Opfer der Naziherrschaft auch hier zu beklagen gab.
Augsburg hat in diesem Bewusstsein mehrere Beschlüsse gefasst um diese historische Erbe zu sichern. 2003 arbeitete ein Workshop Empfehlungen aus und 2009 beschloss der Stadtrat den Erhalt der Halle 116. Aktive in Augsburg stellten 2013 eine Ausstellung „Amerikanisches Leben in Augsburg“ auf die Beine und 2014 folgte ein Vortrag „Ein Atemzug der Freiheit“. Die Stadt gab ein wissenschaftliches Konzept in Auftrag, dass 2016 im Stadtrat vorgestellt wurde. Daraufhin beschloss der Stadtrat am 24.11.2016, Gelder für Webseiten-Informationen, Druck und eine Informationstafel bereit zu stellen und die Übertragung des Gebäudes 116 für die Stadt Augsburg vorzubereiten. Darüber hinaus sollte „ein Nutzungskonzept für das Gesamtgebäude erstellt werden, in dem für einen ersten Schritt der Entwicklung der Kopf-Bau für die kulturelle Nutzung als didaktisch aufbereiteter Lern- und Erinnerungsort gesichert werden soll“.

Der Stadtrat hat beschlossen die Halle 116 als Lern- und Erinnerungsort zu sichern

Die Stadt ist sich also einig, dass es Orte der Erinnerung wie die Halle 116 in Augsburg geben muss. Und es ist wichtig, dass diese ausreichend sichtbar sind und bleiben. Gerade in Zeiten, in denen manche schon wieder das Gegeneinander propagieren, war und ist es gut, dass die Stadt ein wissenschaftliches Konzept erstellen lies und ein Konzept mit aufeinander aufbauenden Schritten verfolgt. Diesen Weg gilt es nun beizubehalten, der am Ende auch in der Vollversion eines Lern-, und Erinnerungsortes mündet. Dafür braucht es Partner. Einer meldete sich offenbar sodann auch zeitnah im Form eines privaten Investors. Er erkannte wohl eine für sich interessante Gelegenheit, oder gar eine Chance auf ein Private Public Partnership, wie das heute genannt wird. Das ist betriebswirtschaftlich und aus privatem Interesse nachvollziehbar. Unklar ist, wie damit aus dem „ersten Schritt der Entwicklung“ gesichert werden kann, dass es sich im Falle einer Veräußerung nicht auch gleichzeitig um den letzten Schritt einer Entwicklung handelt. Nicht klar ist darüber hinaus, welche Gedanken sich die Stadt Augsburg zu weiteren Optionen gemacht hat. Klar hingegen ist, dass die chronisch klamme Stadt nicht alleine ein Projekt der Erinnerungskultur in einer Größenordnung stemmen kann, die an Strahlkraft auch über die Stadtgrenzen hinaus Interesse wecken soll. Daraus lässt sich die Konsequenz ableiten, eben doch nur einen Teil der Halle 116 zu nutzen oder sich Partner zu suchen. Bei der Partnersuche an einem solch historisch bedeutsamen Ort ist es zielführend, wenn die Suche über die Angebote von Investoren zur privaten Verwertung hinausgeht. Die Stadt Augsburg läuft sonst Gefahr, dass das historische Erbe, dass an diesem Ort, wie offenbar keinem anderen in Augsburg sichtbar gemacht werden kann, zumindest teilweise auf lange Sicht verloren geht. Auch die Balance zwischen Veräußerungsgewinnen auf der Konversionfläche einerseits als auch die damit auferlegte Verpflichtung zur Wahrung des historischen Erbes andererseits wäre damit in Frage gestellt.

Für den geschichtsträchtigen Ort braucht es geeignete Partner

Ob im Bereich Denkmalschutz, historisches Erbe oder Kulturelle Begegnung – solche Partner lassen sich finden, damit die überschaubaren finanziellen Ressourcen in der Stadt berücksichtigt bleiben. Auch Fördermittel dafür sind hilfreich – ob von Land, Bund, der Europäischen Union, dem Europarat sowie von Stiftungen und Vereinen, die ebenfalls Interesse an der Bewahrung historischen Erbes sowie einer Stärkung des Miteinanders in Frieden und Freiheit haben. Unser Nachbarbundesland Baden-Württemberg hat z.B. bereits im Haushaltsplan 2012 eine Erhöhung der Mittel zur Förderung von Gedenkstätten zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus eingeplant. Die Europäische Union unterstützt Projekte und Bürgerbegegnungen zum Europäischen Geschichtsbewusstsein zur Reflektion europäischer Werte und der Auseinandersetzung mit Ursachen totalitärer Regimes sowie der Wahrung des Gedenkens an deren Opfer. Vereine wie „Gegen vergessen“, „Deutsche Gesellschaft“, „Stiftung Denkmal“, die „Külz Stiftung“, Stiftungen der Parteien bis hin zur Bundeszentrale für politische Bildung und viele weitere wären potentielle Ansprechpartner, damit Augsburgs Geschichte lebendig bleibt.

Die Nutzung der Amerikaner und als KZ-Außenstelle verpflichten gleichermaßen, den historischen Ort in geeigneter Weise stufenweise als solchen erkennbarer für die Zukunft zu gestalten

Als Säule zur Wahrung unserer Grundwerte wäre es gut, diese Gedanken vor dem unwiederbringlichen Verlust zu verfolgen. Es trägt dazu bei, der Besonderheit dieses Ortes auch in Augsburg die Aufmerksamkeit zu schenken, die es braucht, damit am Ende demokratische Grundwerte und nicht Menschen verfolgt werden. Denn auch noch lebende Zeitzeugen werden uns nicht mehr lange mahnen können, auf uns und nachfolgende Generationen aufzupassen und damit das Miteinander trotz unsäglicher persönlicher Erfahrungen zu fördern. Es liegt an uns, wie gerecht wir der Geschichte auch künftig bleiben wollen. Auch hier in Augsburg.

Zum Bericht über den Zeitzeugen Witold Scibak
https://www.stadtzeitung.de/augsburg-nordwest/politik/witold-scibak-als-zwangsarbeiter-in-augsburg-und-horgau-zeitzeugengespraech-d8714.html
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