Hohe Kosten, wenig Nutzen: „City-Zone ist Radlnacht für Busse“

OB-Kandidat Lars Vollmar (FDP) in der Straßenbahn - Foto: JJ
Die Augsburger Freien Demokraten halten die geplante City-Zone für ein teures Prestigeprojekt der Stadtregierung mit wenig Nutzen. Der für Fahrgäste kostenlose Nahverkehr zwischen 7 Haltestellen im Zentrum binde knappe Haushaltsmittel, die dann für andere sinnvollere Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung stünden. Die jährlichen Ausgaben in Höhe von 800.000 Euro wollen die Freien Demokraten lieber für Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr ausgeben, u.a. eine bessere Anbindung von Wohngebieten in Stadtrandlagen.

„Wie die Radlnacht sieht die Idee einer City-Zone auf den ersten Blick gut aus. Es geht runter wie Öl, wenn die Medien deutschlandweit darüber berichten, dass Augsburg die erste Stadt in Deutschland mit einem ‚kostenlosen‘ Nahverkehr ist“, erklärt Lars Vollmar, der für die Freien Demokraten als OB-Kandidat antritt. „Aber erstens ist die City-Zone nicht kostenlos, sondern kostet die Stadt Jahr für Jahr 800.000 Euro. Und, zweitens, geben wir dieses Geld – wie die 100.000 Euro für die Radlnacht – aus, ohne dass die erklärten Ziele erreicht werden.“

Die Verkehrswissenschaft liefere so gut wie keine Belege dafür, dass sich Autofahrer durch einen Nulltarif allein zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegen lassen. Effekte ließen sich nur in solchen Städten nachweisen, die neben einem Nulltarif für den ÖPNV weitere Maßnahmen ergriffen hätten, um den Autoverkehr aus der Stadt ferzuhalten. „Aber Einfahrverbote oder die Einschränkung von Parkmöglichkeit dürften vielen Einzelhändlern in der Innenstadt, die die Konkurrenz des Online-Handles spüren, den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich will nicht den ideologischen Traum von der autofreien Stadt mitträumen und dann in einer verödeten Innenstadt aufwachen. Die FDP hat ein Konzept vorgelegt, wie wir den Durchgangsverkehr um die historische Altstadt herumleiten wollen, aber im Interesse von Anwohnern, Gewerbetreibenden und Lieferanten weiter für den motorisierten Verkehr offenhalten.“

Verzichte man allerdings wie die FDP auf „autofeindliche“ Maßnahmen, bringe ein entgeltfreier ÖPNV wenig für den Umstieg vom Auto. Vollmar verweist auf die Beispiele der estnischen Hauptstadt Tallinn, des texanischen Austin oder Aubergne in Frankreich, wo die Fahrgastzahlen nach der Einführung des Nulltarifs zwar stark gestiegen seien. Die Zunahme sei aber vor allem auf Mitnahmeeffekte von Fußgängern und Radfahrern zurück zu führen. In Tallinn ist der Fußgängerverkehr um 40 Prozent zurück gegangen. Der Autoverkehr hat aber nur um 5 Prozent abgenommen. „Warum sollen wir in Augsburg jährlich 0,8 Millionen Euro ausgeben, damit Menschen, die sich schon bisher ohne Schadstoffausstoß fortbewegt haben, in die Tram umsteigen?“

Der Grund, warum sich Autofahrer kaum von kostenlosen Straßenbahnfahrten locken ließen, liege darin, dass der ÖPNV dadurch noch unattraktiver werde. Die Bus- und Straßenbahnlinien sind bei der Durchfahrt durch die Augsburger Innenstadt bereits heute stark ausgelastet. Wegen der sternförmigen Ausrichtung aller Straßenbahnlinien auf den Königs- und Moritzplatz ist eine Taktverdichtung zu Stoßzeiten heute kaum noch möglich. Kommt die entgeltfreie City-Zone, würde sich das Fahrgastaufkommen wegen der Mitnahmeeffekte von Radfahrern und Fußgängern noch weiter erhöhen. „Für Autofahrer, die für den Weg vom Parkhaus in die Fußgängerzone das City-Zonen-Angebot ausprobieren, dürften überfüllte Straßenbahnen ohne freie Sitzplätze nicht gerade die beste Werbung dafür sein, in Zukunft ganz auf das Auto zu verzichten.“

Vor diesem Hintergrund kann sich der Liberale beim besten Willen nicht vorstellen, dass Bürgermeisterin Weber (CSU) selber an ihre Begründung glaubt, wonach die City-Zone eine Maßnahme zur Luftreinhaltung ist. Webers Argumentation, dass der Nulltarif den Parksuchverkehr und damit den Schadstoffausstoß im Zentrum verringere, weil Autofahrer den nächstbesten Parkplatz ansteuern und mit dem Bus zu ihrem eigentlichen Ziel weiterfahren würden, kann Vollmar nicht nachvollziehen.

„Um in der Fußgängerzone zwischen Rathaus und Kö kostenlos Tram fahren zu können, muss ich ja erstmal mit dem Auto ins Zentrum hineinfahren. Und zwar ausgerechnet dorthin, wo die Schadstoffbelastung schon heute am höchsten ist.“ Laut Vollmar liegen 15 der 18 Augsburger Parkhäuser in der City-Zone – die meisten ausgerechnet im Umfeld der Messstation in der Karlstraße, an der erhöhte Werte für Stickstoffdioxid und Feinstaub gemessen wurden.

Die FDP schlägt daher vor, das schon woanders gescheiterte Experiment mit „kostenlosem‘ Nahverkehr so schnell wie möglich wieder zu beenden. „Wenn es Frau Weber rechtzeitig vor den Kommunalwahlen gelungen ist, bei ihren Parteifreunden in der Bayerischen Landesregierung Geld für eine wenig nachhaltige Maßnahme wie die City-Zone bewilligt zu kriegen, sollte es möglich sei, die Mittel mit dem Segen Münchens bald auf Projekte umzuschichten, die wirklich der Luftreinhaltung dienen.“

Sinnvoller sind nach Ansicht der Liberalen Maßnahmen, die Autofahrern Anreize zum Umsteigen an den Park&Ride-Parkplätzen am Stadtrand, oder gleich zum Stehenlassen des Pkw bieten. Für 500.000 Euro ließe sich auch die Fahrpreiserhöhung bei Streifenkarten wieder rückgängig machen. Vollmar hält zudem eine bessere Anbindung von Stadtrandlagen an den ÖPNV dringend erforderlich.

„In Wohngebieten wie Bärenkeller Süd oder Göggingen Süd muss ich erstmal 20 Minuten mit einem Lumpensammlerbus fahren, bis ich zur nächsten Straßenbahn komme. In der Zeit bin ich mit dem Auto schon längst in einem Parkhaus im Stadtzentrum. Hier in den Randlagen wäre das Geld, dass Frau Weber medienwirksam für die Innenstadt ausgibt, viel besser aufgehoben, um den Umstieg auf den öffenltichen Nahverkehr zu erleichtern.“
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