Immer mehr Menschen in der Region Augsburg pendeln: Gewerkschaft fordert "drastische Wende" in der Wohnbaupolitik

(Symbolbild) (Foto: Dmitry Kalinovsky, https://de.123rf.com/profile_kadmy)

Die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) zeigt sich besorgt über die steigende Zahl von Berufspendlern: Laut einer aktuellen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung habe die Zahl in Augsburg im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht, so die Gewerkschaft. Rund 74 000 Menschen seien 2018 regelmäßig zum Arbeiten von außerhalb in die Stadt gefahren - 17 Prozent mehr als im Jahr 2000.

Die Zahl der Auspendler sei in diesem Zeitraum sogar um 82 Prozent auf 50 000 gestiegen. Gewerkschafter Michael Jäger spricht von einem "alarmierenden Trend".

Die Hauptursache sieht er im Mangel an bezahlbaren Wohnungen in Städten. "Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise gerade dort nicht mehr leisten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind", sagt der Bezirksvorsitzende der schwäbischen IG BAU.

Die Folge seien Staus und überfüllte Züge. Strecken von mehr als 50 Kilometern zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler mittlerweile gang und gäbe, betont Jäger. "Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei." Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist der Verkehr für knapp ein Fünftel der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich.

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine "drastische Wende" in der Wohnungsbaupolitik. "Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment", so Jäger.

Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar. "Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß", betont Jäger. Einen entscheidenden Beitrag gegen den "Pendel-Frust" könnten zudem die Firmen leisten, indem sie es Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Home-Office zu arbeiten.

Die Pendler-Problematik in Augsburg ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im vergangenen Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit. (pm)
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