IUVENTA – Seenotrettung: Ein Akt der Menschlichkeit

Iuventa - Seenotrettung: Ein Akt der Menschlichkeit
 
Interessante Diskussion... (v.l.: Dr.-Ing. Friedrich Beckmann, Benedikt Funke, Florian Stadler und Hanna Radeck) (Foto: Marko Petz)
Augsburg: Thalia |

Am Montag, 23.7. lief im Rahmen des internationalen Aktionsbündnisses „SEEBRÜCKE – Sichere Häfen“ der Film „IUVENTA – Seenotrettung: Ein Akt der Menschlichkeit“ im voll besetzten Thalia Kino. Der Film porträtiert die Seenotrettungsorganisation „Jugend Rettet mit eindrücklichen Bildern der Tragödie im Mittelmeer. Zu dem anschließenden Publikumsgespräch waren Aktivist*innen von Jugend Rettet eingeladen.

Mit 97 Gästen war der Kinosaal im Thalia Kino voll besetzt und selbst das gute Wetter eines lauen Sommerabends tat dem großen Interesse der Zuschauer*innen keinen Abbruch. Denn von größerer Aktualität und Brisanz könnte das Thema der Seenotrettung momentan kaum sein. Fast alle Seenotrettungsorganisationen werden momentan durch die Politik Europas daran gehindert, mit ihren Schiffen auslaufen zu können. Die Tragödie des Sterbens im Mittelmeer geht jedoch unvermindert weiter.

Und genau da setzte der Film IUVENTA des Filmregisseur Michele Cinque ein. Nachdem im Oktober 2014 »Mare Nostrum«, die Operation der italienischen Marine zur Seenotrettung meist afrikanischer Flüchtlinge beendet wurde, wurde das Mittelmeer zum Massengrab und die Nachrichten und Bilder von Ertrunkenen häuften sich immer mehr. Als Folge dessen gründete sich die Organisation „Jugend Rettet“, die mithilfe einer Crowdfunding Campange erfolgreich Geld für ein Schiff sammelte. Dieses Schiff mit Namen „Iuventa“ ging im Sommer 2016 erstmals auf Mission und rettete 14 000 Menschen aus Seenot, solange bis es im August 2017 beschlagnahmt wurde.

Der Film nimmt die Zuschauer*innen mit auf Rettungseinsätze, bei denen Menschen auf der Flucht aus dem Wasser oder aus einem überfüllten Boot geborgen werden. Die Erleichterung jener Menschen, als sie endlich auf die „Iuventa“ in Sicherheit gebracht und versorgt werden, ist eindrucksvoll spürbar.
Doch der Film zeigt nicht nur die schrecklichen Situationen, in die sich die Geflüchteten und die zivilen Seenotretter*innen bringen und von der verfehlten europäischen Migrationspolitik gebracht werden, sondern auch unter welchen Widersprüchen und extremen politischen Bedingungen die junge NGO sich wiederfinden musste. Dies führte schließlich dazu, dass ihr Schiff trotz fadenscheiniger Beweislage beschlagnahmt wurde.

Zum anschließenden Publikumsgespräch waren Benedikt Funke, Hanna Radeck und Florian Stadler eingeladen. Benedikt Funke war bei mehreren Missionen als Kapitän auf der Iuventa und arbeitet nach der Beschlagnahme der „Iuventa“ auf dem Rettungsschiff „Aquarius“, der französischen Hilfsorganisation SOS Mediterranée. Hanna Radeck war Crewmitglied der „Iuventa“ 2016 und seit dem für Jugend Rettet aktivistisch tätig. Florian Stadler war auf mehreren Missionen auf der „Iuventa“ als Schnellbooteinsatzleiter und Head of Mission dabei. Sie berichteten aus erster Hand von ihren Erfahrungen auf der „Iuventa“. Nach einer kurzen Einführung durch des Moderators Prof. Dr.-Ing. Friedrich Beckmann ergab sich aufgrund des interessierten Publikums ein spannendes Gespräch. Die Fragen richteten sich auf praktische Aspekte der Seenotrettung bis hin zur Einschätzung der akutellen politischen Lage.

Auf die Frage nach der Arbeit der libyschen Küstenwache antwortete Benedikt Funke, dass es sehr problematisch sei, wie Europa die sogenannte libysche Küstenwache beispielsweise mit schnellen Booten und Technik unterstütze. Als er auf der „Iuventa“ als Kapitän arbeitete, wurde das Schiff durch Soldaten der Küstenwache mit Maschinengewehren durchsucht. Auf See ist diese lybische Küstenwache schwer berechenbar und zeichnet sich oftmals durch einen gewaltvollen Umgang mit den Geflüchteten aus. Wie schon bei der Kundgebung am Samstag dargelegt ist Libyen für keinen Geflüchteten ein sicheres Land und ein Zurückbringen der Geflüchteten nach Libyen sei gemäß der Flüchtlingskonvention und des internationalem Seerechts ganz klar verboten.

Auch bei der Frage nach der Grundlage für die Anklage des Kapitäns des Rettungsschiffs „Lifeline“ betonten die Aktivist*innen, dass die „Lifeline“ in erster Linie sich an internationales Seerecht gehalten hat. Rettung von Menschen in Seenot ist niemals ein Verbrechen. Sie Seenotrettung ist da, weil Menschen dort ertrinken und nicht andersherum. Dabei ist die klare Forderung aller privaten Seenotrettungsorganisation, dass die Seenotrettung durch eine staatliche und professionelle Strukturen übernommen werden müssen. Darüber hinaus müssen sichere Fluchtwege geschaffen und eine humanere Asylpolitik entwickelt werden.

Der Film reiht sich ein in die Arbeit des internationalen Aktionsbündnisses „SEEBRÜCKE – Sichere Häfen“. Auch in Augsburg wird die „SEEBRÜCKE“ in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt „Searchwing“ und anderen Initiativen weiterhin aktiv sein. Die Geschichte von Jugend Rettet macht Mut, sich weiterhin gegen die Kriminalisierung ziviler Seenotrettung zu engagieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass zugunsten der Abschottung Europas das Sterben von Menschen auf dem Mittelmeer bewusst in Kauf genommen wird. Dagegen treten wir ein, bis diese Unmenschlichkeit ein Ende hat und bekennen uns zu einer solidarischen und offenen Gesellschaft, in Augsburg und überall.
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