Kanu-WM 2022 kann kommen: Augsburger Stadtrat sichert Unterstützung zu

Betagte Olympiastrecke: Der Eiskanal muss erst generalsaniert werden, damit die Kanu-WM im Jahr 2022 in Augsburg ausgetragen werden kann. Foto: Anja Lütke-Wissing/Archiv

Es wäre das passende Geschenk zum 50. Geburtstag: Auf der Olympiastrecke am Eiskanal, errichtet für die Sommerspiele 1972, soll die Kanuslalom Weltmeisterschaft 2022 ausgetragen werden. Doch dafür bedarf die Anlage einer kostspieligen Generalüberholung. Die Bewerbung als Austragungsort läuft, Ende März fällt die Entscheidung - auch für die weitere Zukunft des Eiskanals.

Im Augsburger Stadtrat ist man sich am späten Donnerstagnachmittag einig: Augsburg ist Kanustadt und das soll es auch bleiben. Mit nur zwei Gegenstimmen erteilt das Gremium der Beschlussvorlage des Sportreferenten Dirk Wurm (SPD) seinen Segen. Damit wäre der Weg für die Sanierung zumindest in finanzieller Hinsicht frei. Denn mit dem Beschluss wird die Verwaltung beauftragt, die 18,5 Millionen Euro für die Renovierung zu den entsprechenden Haushalten anzumelden - zuzüglich der 1,3 Millionen Euro, die für die eigentliche Austragung der WM anfallen werden.

"Wir haben das Glück, dass wir seit 1972 die Erfolgsgeschichte des Kanu-Sports hautnah miterleben dürfen", betont Stadtrat Willi Leichtle (SPD) die Bedeutung des Eiskanals. Augsburg gelte als die Kanu-Stadt schlechthin. Und damit Augsburg diesen Ruf nicht verliere, bedürfe es eines Großereignisses wie einer Weltmeisterschaft. Und Bernd Kränzle (CSU) erinnert daran, welch großartige Chance die WM sei, um die Anlage endlich zu sanieren.

Doch die Sache hat einen Haken: Wie hoch die Förderung durch Bund und Freistaat ausfallen und ob überhaupt Fördermittel fließen, ist aktuell noch nicht sicher. Daher versagt auch Christian Moravcik (Grüne) seine Zustimmung. "Ich halte einen Blankobeschluss über 18,5 Millionen Euro für problematisch, ohne die Fördersummen zu kennen", argumentiert er.

Allerdings ist die Mehrzahl der Stadträte geneigt, den Beteuerungen von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) und Sportreferent Wurm zu glauben, dass man bereits gute Gespräche mit den entsprechenden Verantwortlichen bezüglich einer Förderung geführt habe. Die bisherigen Signale seien alle positiv.

Zudem werde die Stadt auch Szenarien ausarbeiten für den Fall, dass Fördermittel ausblieben, "damit es keine Enttäuschungen gibt und auch die Durchführung der WM nicht gefährdet ist", sagt OB Gribl.

Einen ganz anderen Aspekt hat Stadtrat Peter Grab (WSA) zu kritisieren. Ihm gehe es um mehr Gerechtigkeit in der Förderung der Sportvereine, insbesondere der Jugend. Man müsse auch an die anderen denken. Doch aus dem Gremium ist niemand gewillt, sich von Grab zu diesem politische Schlagabtausch locken zu lassen. Wurm wiegelt ab, dass die Sportförderung insgesamt nicht mit der einmaligen Unterstützung eines sportlichen Großereignisses vergleichbar sei.

Aber was ist, falls Ende März in Japan die Entscheidung nicht für Augsburg als WM-Austragungsort ausfällt? Wurm will nicht verschweigen, dass es einen Konkurrenten in der Bewerbung gebe: eine Stadt in Norditalien. Wie in der Frage nach den Fördermitteln ist der Referent äußerst zuversichtlich, dass die WM 2022 nach Augsburg kommt. Diesem Optimismus schließen sich die übrigen Stadträte nur allzu gerne an. Lediglich Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) zieht in Erwägung, dass es nicht reicht für Augsburg. "Ich wünsche mir sehr, dass wir bei der Generalsanierung bleiben, wenn die WM nicht kommt", appelliert sie an ihre Ratskollegen.

Oberbürgermeister Gribl sieht das etwas differenzierter, wie er auf Nachfrage in der Stadtrats-Pressekonferenz wenige Stunden zuvor einräumt. Falls Augsburg den Zuschlag nicht bekommen sollte, müsse man freilich trotzdem etwas tun an dem denkmalgeschützten Bauwerk. Allerdings müsste der Eiskanal dann in seiner Bedeutung als Standort für den internationalen Kanusport noch einmal überprüft werden. "Aber daran will ich gar nicht denken", unterstreicht Gribl seinen Optimismus - hinsichtlich WM-Zuschlag und Fördermittel gleichermaßen.
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