Kehrtwende im Fall Werner-Egk-Schule: CSU will keine Umbenennung und schlägt komplizierte Abstimmung vor

Die Debatte um die Werner-Egk-Schule soll bald abgeschlossen sein: Am Mittwoch wird im Stadtrat erneut abgestimmt. (Foto: Johanna Schokrowski)

Der umstrittene Name könnte nun doch bleiben: Nachdem die CSU-Fraktion Anfang April weiteren Beratungsbedarf angemeldet hatte, steht die Umbenennung der Werner-Egk-Schule am Mittwoch erneut auf der Tagesordnung des Stadtrats. Mit einer einfachen Zustimmung oder Ablehnung des Antrags soll es diesmal aber nach Wille der CSU-Fraktion nicht getan sein.

Eigentlich hätte der Stadtrat über die Namensänderung bereits Anfang April abstimmen sollen. Doch die Debatte in der Oberhauser Bevölkerung, die unter anderem vorschlug, stattdessen einen öffentlichen Platz nach Egk zu benennen, führte wohl auch zu Zweifeln im Stadtrat. Die Zustimmung wurde vertagt - die CSU-Fraktion meldete Beratungsbedarf an, um fraktionsintern erneut über die Umbenennung zu diskutieren.

Die Schule selbst hätte sich eigentlich bereits für einen neuen Namen entschieden: Wenn es nach der Schulgemeinschaft geht, soll die sie zukünftig „Grundschule Augsburg Oberhausen Mitte“ heißen.

Damit folgt die Schule der Empfehlung der von der Stadt beauftragten Kommission für Erinnerungskultur, die den Komponisten Werner Egk als „Nutznießer der nationalsozialistischen Herrschaft, der nach 1945 nicht zur kritischen Selbstreflexion bereit war“ nicht als Vorbild für Grundschüler geeignet sieht.

Kompliziertes Abstimmungsverfahren

Für die Abstimmung am Mittwoch befürwortet die CSU-Fraktion nun einen Vorschlag von Schulreferent Hermann Köhler: Diesmal sollen die Stadträte der Namensgebung nicht einfach nur zustimmen, sondern in einem offenen Beschlussvorschlag zwischen "drei Abstimmungsalternativen" wählen:

1. Die Zustimmung zu der von der Erinnerungskomission empfohlenen Namensänderung
2. Die Ablehnung der vorgeschlagenen Namensänderung
3. Die Ablehnung der Namensänderung unter Berücksichtigung einer adäquaten, historisch einwandfreien Aufarbeitung der Biographie des Namensgebers im Kontext seiner beruflichen Verflechtungen während der Zeit des Nationalsozialismus

Den Beschlussvorschlag wird Köhler im Stadtrat einbringen.

CSU will keine Umbenennung

Die CSU-Fraktion lies in ihrer Pressemitteilung keine Zweifel daran, wie sie am Mittwoch abstimmen wird. "Wir haben die Vorlage in der Fraktionssitzung ausgiebig diskutiert und sind zu der einhelligen Meinung gekommen, dass mit der Kontextualisierung die Möglichkeit gegeben wird, sich dem Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven zu nähern", so der Fraktionsvorsitzende Leo Dietz.

Es handle sich um ein höchst transparentes Vorgehen, das sowohl die Arbeit der Erinnerungskommission als auch den Wunsch der Bürger einbeziehe, "den Sohn der Stadt nicht nachträglich und posthum zu diskreditieren und aus dem kulturellen Gedächtnis der Stadt zu tilgen."

Darstellung auf Homepage oder Tafel

Die Kontextualisierung könne sowohl eine Aufarbeitung auf der Homepage der Stadt als auch "analoge Aufarbeitung" wie eine Tafel beinhalten. "Wir sollten diesen anstrengenden, aber vernünftigen Weg gehen, wenn wir es wirklich ernst meinen mit der kritischen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit", meint Stadtrat Max Weinkamm.

Drei zusätzliche Stimmen aus anderen Fraktionen bräuchte die CSU am Mittwoch bei einem vollbesetzten Stadtrat, um den Antrag der Schule abzulehnen und die Kontextualisierung zu beschließen. Diese könnten zum Beispiel von Pro Augsburg kommen. Fest steht: Dieses Mal soll die Entscheidung ein für alle Mal fallen.
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