Klimastreik während der Unterrichtszeit: Wie Augsburger Schulen reagieren

Weltweit demonstrieren seit einigen Monaten Schüler für eine bessere Klimapolitik. (Foto: Symbolbild: Aloysius Patrimonio-123rf.com)

Augsburg - Unter dem Motto "Fridays for Future - Schulstreik fürs Klima" rufen momentan bundesweit Schüler zu Demonstrationen auf. So auch in Augsburg. Zwar werden die Demonstrationen von Schülern der jeweiligen Städte selbst organisiert, aber sie sind nicht alle zufällig zum gleichen Zeitpunkt auf diese Idee gekommen: Eine Bewegung die, nach eigenen Angaben "weder an eine Partei noch an eine Organisation gebunden" ist, hat Schüler aufgerufen, am 18. Januar für ihre Stadt eine Demonstration zu organisieren.

"Die Bewegung hat ihre eigene Dynamik und wird genauso wie diese Website durch hunderte individueller junger Menschen getragen", schreiben die Organisatoren in ihrem Internetauftritt. Ursprünglich hatte die Bundjugend, der unabhängige Jugendverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), zu Schulstreiks aufgerufen, und zwar nach dem Vorbild einer Schülerin aus Schweden.

Die 15-jährige Greta Thunberg geht seit August 2018 mindestens einmal die Woche nicht in den Unterricht, sondern setzt sich jeden Freitag mit ihren Schulbüchern vor das Parlament. Denn wenn die Politik ihr die Zukunft verbaue, dann müsse sie auch nicht für sie lernen. Zu Beginn ihrer Streiks, drei Wochen vor der Wahl des Parlaments, schwänzte sie sogar jeden Tag die Schule. Die Berichterstattung über das Mädchen inspirierte Schüler weltweit, sich dem Streik anzuschließen.

Am 26. November 2018 organisierte die Bundjugend den ersten größeren Streik in Deutschland. Damals demonstrierten rund 200 Schüler vor dem Ministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin für einen schnellen Kohleausstieg und echten Klimaschutz.

"Der Zeitpunkt ist uns unverständlich" 

Nun hat die Bewegung "Fridays for Future" für den 18. Januar zu bundesweiten Streiks und für den 25. Januar zu einem erneuten Streik in Berlin aufgerufen. Auch in Augsburg ist für den 18. Januar eine Demonstration angemeldet. Um 11 Uhr wollen sich die Schüler treffen, nach eigenen Angaben erwarten sie rund 1500 Demonstranten.

Ob sie diese Zahl auch tatsächlich erreichen werden, ist ob der Reaktion der Schulen wohl eher fraglich: Denn diese unterstützen das Demonstrieren während der Schulzeit nicht. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Peter Kempf, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Schwaben, eine Leitlinie zum Umgang mit dem Klimastreik herausgegeben. Darin stellt er klar: Schüler, die aufgrund des Streiks dem Unterricht fernbleiben, fehlen unentschuldigt. Das sei von den Schulen mit den dafür vorgesehenen Maßnahmen zu ahnden.

"Wir reagieren genauso, wie der Ministerialbeauftragte uns das vorgeschlagen hat", meinte dazu etwa Peter Schwertschlager, Schulleiter des Gymnasiums St. Anna.

Etwas differenzierter betrachtet es Herbert Schuhknecht, Schulleiter des Holbein Gymnasiums. "Wir werden erst einmal schauen, wie viele Schüler welcher Jahrgangsstufen an den Streiks teilnehmen" so Schuhknecht. "Wer das macht, muss natürlich mit irgendeiner Art der Ordungsmaßnahme rechnen." Das sei auch schon an die Eltern und die SMV kommuniziert worden. Wie diese Ordnungsmaßnahme aber aussehen werde, das habe die Schule noch nicht entschieden. Da gebe es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, erklärt Schuhknecht. Etwa könnte bestimmt werden, dass die Schüler die verpassten Stunden an einem anderen Freitag am Nachmittag nachholen müssen.

"Wir gehen natürlich davon aus, dass das nicht alle abhalten wird", sagt Schuhknecht. Das Anliegen an sich sei ja auch ein positives, allerdings sei der Schule der Zeitpunkt unverständlich. Zwei Stunden später, nach Unterrichtsende, wäre das schließlich alles gar kein Problem gewesen. "Die Schüler können gerne demonstrieren, von mir aus jeden Freitag", so Schuhknecht, "aber dann ab 14 Uhr, nach dem Unterricht."
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