Kommentar: Die Politik muss auf die Schiene setzen

Das dritte Gleis zwischen Augsburg und Dinkelscherben ist zwar im Bundesverkehrswegeplan, aber noch lange nicht umgesetzt. (Foto: Symbolbild / Saskia Kerschbaum)

Die Region braucht das dritte Gleis und das sofort. Obwohl sich darin inzwischen auch alle in der Politik und bei der Bahn einig sind, zeigt das aktuelle Winterchaos um den Fuggerexpress, wie wichtig diese Forderung tatsächlich ist.

Es ist richtig, dass sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Führungsriege der Bahn zur Brust nimmt und verlangt, dass die Probleme im Konzern abgestellt werden. Wichtig ist dabei nur, dass er vor lauter Fernverkehr nicht die für Pendler so wichtigen Regionalzüge vergisst. Denn auch wenn die Bahn im Großraum Augsburg nicht mehr oder bald nicht mehr Betreiberin der Strecken ist, für die Infrastruktur – Schiene und Bahnhöfe – bleibt sie verantwortlich.

Und Minister Scheuer sollte nicht vergessen, dass er und seine Vorgänger großen Anteil daran hatten und haben, wie sich die Bahn entwickelte oder besser: nicht entwickelte. Während der Ausbau der Autobahn A8 als großer Meilenstein für die bayerische Infrastruktur gefeiert wurde, ist eine der wichtigsten Bahnverbindungen Europas – die Magistrale Paris – Augsburg – Budapest auf bayerischem Boden nur zwischen Augsburg und München vergleichbar verbessert. Nur zur Erinnerung: Seit knapp zehn Jahren stellt die CSU den Bundesverkehrsminister – der Entschluss, die Bahnstrecke zwischen Paris und Budapest auszubauen, steht freilich schon etwas länger fest. Im Jahr 1990 hatte man im europäischen Schulterschluss geplant, sie zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auszubauen. Doch Bayern kommt nicht aus den Startblöcken.

Und wenn der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs 2025 wirklich abgeschlossen sein sollte, dann müssen die Züge aus Paris abbremsen, sobald sie die bayerische Landesgrenze überfahren – ein Szenario, das sich kein Verkehrsminister, egal welcher Partei, wünschen kann.

Damit nicht genug: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft selbst erwartet für die Zeit nach der Eröffnung von Stuttgart 21 „aufgrund der erheblich verkürzten Fahrzeit ein deutlich ausgeweitetes Fernverkehrsangebot zwischen Stuttgart und München. Solange die Strecke Augsburg – Ulm nicht ausgebaut ist, wird dies voraussichtlich vermehrt zu Überholungen und Fahrzeitverlängerungen im Regionalverkehr führen“. Die einzige Schlussfolgerung daraus kann sein, das dritte Gleis jetzt endlich zu bauen. Es wäre wichtig für die treuesten Kunden der Bahn – die Pendler.
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