Kommentar zur Theatersanierung: Augsburg braucht keine Neubau-Notlösung

So sollte das neue Orchesterprobengebäude aussehen. Es wird nun wohl nicht gebaut. (Foto: Visualisierung © form 3d-AAA)

Was da nach Monaten der heimlichen Schadensbegrenzung öffentlich wird, ist ein schwerer Schlag. Und zwar für alle. Für jene, denen die Sanierung schon immer zu teuer war, und für die, die sich auf die architektonische Aufwertung durch das Orchesterprobengebäude freuten. Besonders für die Beschäftigten des Theaters, die angekündigte Verbesserungen nun doch nicht bekommen.

Die hohen Kosten waren von Beginn an damit gerechtfertigt, dass sie ein modernes, zukunftsfähiges Theater finanzieren. An einem repräsentativen Staatstheater wollte man nicht mehr mit Notlösungen arbeiten. Diese lassen sich nun wegen schlechter Planung nicht mehr vermeiden. Die Stadt bekommt weniger, und muss dafür auch noch mehr bezahlen.

Das Baureferat gibt Architekt Walter Achatz die Schuld. Doch es ist kaum vorstellbar, dass er allein für das Debakel verantwortlich sein soll. Darf das Baureferat den Versprechen des Architekten so unreflektiert glauben? Im Baureferat hätte man es besser wissen müssen. Die Behauptung, bei einem Neubauprojekt würden keine Kostensteigerungen auftreten, wiederlegt gerade die von Merkle selbst erwähnte Elbphilharmonie eindrucksvoll. Statt geplanter 77 Millionen kostete sie Hamburg am Ende über 800 Millionen Euro. 

Freilich ist Augsburg nicht Hamburg und kann eine solche Kostenexplosion nicht tragen.
Doch es kann auch nicht sein, dass bei jeder künftigen Kostensteigerung ein Teil des Neubaus wieder gestrichen wird. Damit verliert er seine Daseinsberechtigung.

Für 90 Millionen Euro sollte nicht nur eine neue Notlösung entstehen, sondern ein optimales Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter. Sonst wäre es am Ende besser gewesen, einfach die Brechtbühne stehen zu lassen.
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