Kommentar zur Theatersanierung: Die Stadt wiederholt ihre Fehler

Die Theatersanierung könnte deutlich teurer werden, als bislang erwartet. (Foto: Symbolbild / Peter Maier)

Mögliche Kostensteigerungen im zweistelligen Millionenbereich, Fehlplanungen, Intransparenz und schuld an allem soll der Architekt sein - das aktuelle Durcheinander um den Theaterumbau erinnert unangenehm an das Chaos während der Sanierung des Curt-Frenzel-Stadions. 

Freilich steht zumindest aktuell nicht zu befürchten, dass im Großen Haus nach der Sanierung niemand auf die Bühne sieht, aber die Planungspanne für das "Neue Haus" wirft Fragen auf. Wie kann sich ein Baureferent mit seiner Mannschaft nach den Erfahrungen an der Eishockey-Arena so blauäugig auf die Einschätzungen eines Architekten verlassen? Insbesondere mit den Brandschutzbestimmungen für Versammlungsstätten sollte sich Referent Gerd Merkle inzwischen bestens auskennen, die spielten nämlich bereits bei der Sanierung des Eisstadions eine entscheidende Rolle - zumindest um die Tücke dieser Verordnung sollte Merkle wissen, was Architekt Walter Achatz mit "Interpretationsspielraum" umschreibt. Da hätte auch der städtische Projektleiter Norbert Reinfuss nachfragen können, ja müssen.

Und der unerwartet plötzlich gestiegene Grundwasserspiegel? Vielleicht waren vier Stockwerke von vornherein zu tief gedacht?

Aber die entscheidende Frage ist nun, was die Bürger dieser Stadt für ihr Geld überhaupt noch bekommen. Der im Vorfeld versprochene architektonische Schlussstein für die Achse Theodor-Heuss-Platz - Königsplatz - Staatstheater, der alle Bedürfnisse des Theaters, seiner Mitarbeiter sowie seiner Besucher befriedigt, wird es wohl nicht. Stattdessen darf sich Augsburg auf eine Notlösung einstellen - doch dafür sind 186 Millionen Euro zu viel.

Merkle macht es sich zu einfach, wenn er sagt, dass noch kein finanzieller Schaden entstanden ist. Denn das wird er unweigerlich, allein schon durch den erneuten Planungsaufwand und mögliche Verzögerungen im Ablauf.

Und neu geplant werden muss auf jeden Fall sehr intensiv. Die Ideen müssen insgesamt auf den Prüfstand und auch einer Variante, die eine zweite Spielstätte am Gaswerk belässt, darf sich die Stadt jetzt nicht verschließen.
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