Kommentar zur Werner-Egk-Entscheidung: Mehrheit des Stadtrats lässt nötiges Fingerspitzengefühl vermissen

Es war eine knappe Mehrheit, die sich am Ende einer zweistündigen Debatte gegen eine Namensänderung aussprach. 31 zu 25 lautete das Ergebnis der Abstimmung im Augsburger Stadtrat. Die Werner-Egk-Schule wird daher weiterhin nach dem Komponisten und Nazi-Mitläufer benannt sein.
Es ist die falsche Entscheidung, die der Augsburger Stadtrat getroffen hat. Die CSU fordert Kontextualisierung statt Namensänderung – und übersieht dabei, dass man Werner Egk im Stadtteil auch kontextualisieren könnte, ohne ihn zu ehren. Denn letzteres ist es, eine Schule nach jemandem zu benennen: eine Ehrung. Eine Namensänderung hingegen wäre nicht – wie die CSU argumentiert – „einen Deckel draufzumachen“, sondern schlicht eine Aberkennung der Ehrung, die jemand wie Werner Egk nunmal nicht verdient.

Hinzu kommt, dass sich eine Kontextualisierung im Grundschulunterricht, mit sechs- bis zehnjährigen Kindern, als schwieriges Unterfangen erweisen wird. Auch die Angst, die CSU, WSA und Pro Augsburg äußerten, dass nach einer Namensänderung der Oberhauser Schule sogleich zig andere Einrichtungen, Plätze und Straßen umbenannt werden müssten – weil ja jeder „Schatten“ in seiner Biografie habe – ist ein fragwürdiges Argument. Jeder Fall muss einzeln betrachtet werden. Und bei Werner Egk wurde dies ausgiebig getan.

Zumal einer, der mit dem NS-Regime kooperierte, anders zu bewerten ist als Augsburger Persönlichkeiten aus weiter zurückliegenden Epochen. Für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ist es angebracht, besonderes Fingerspitzengefühl walten zu lassen.

Die Mehrheit des Stadtrats hat dies nicht getan.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.