Kommunalwahl 2020: Kurt Gribl tritt nicht mehr an

Dramatischer Wahlkampfauftakt: Eva Weber soll in der Kommunalwahl als OB-Kandidatin für die CSU antreten. Oberbürgermeister Kurt Gribl will nicht mehr kandidieren.

Dramatischer kann ein Wahlkampfauftakt nicht verlaufen: Amtsinhaber Kurt Gribl will in der Kommunalwahl 2020 nicht mehr als Oberbürgermeister-Kandidat für die CSU antreten. Mit dieser Nachricht überraschte er am Mittwoch die Augsburger.

Kurt Gribl war als politischer Quereinsteiger für die CSU 2008 das erste Mal angetreten und hatte in den Wahlen den damaligen SPD-Oberbürgermeister Paul Wengert für viele überraschend aus dem Amt gedrängt. Nun hört er nach nur zwei Amtsperioden auf, dabei waren seine Aussichten, auch aus der Wahl 2020 als Sieger hervorzugehen, mehr als gut. Umso überraschender kommt nun für alle Außenstehenden Gribls Entscheidung.
Er habe sich immer wieder geprüft, ob er denn weitermachen wolle – und das auch schon in der ersten Wahlperiode, versucht Gribl seinen Entscheidungsprozess verständlich zu machen. Um den Jahreswechsel herum sei er sich dann sicher gewesen. „Diese Entscheidung ist emotional nicht einfach, aber sie ist richtig“, sagt Gribl über seinen Rückzug nach zwölf Jahren an der Spitze der Stadtregierung.

Der Schritt folge seinem Politikverständnis: „Es muss möglich sein, politische Verantwortung selbstbestimmt wieder aus der Hand zu geben, um bei geänderten Aufgaben anderen Kompetenzen Raum zu geben.“ Er wolle ein Politiker sein, der „loslassen kann, auch und gerade wenn gute Erfolge erzielt wurden“. Denn: Für die bevorstehende Aufgabe in Augsburg, „empfehle ich nicht mehr mich selbst“, gibt Gribl offen zu. Sie erfordere andere persönliche Befähigungen und einen anderen Zugang zur Stadtgesellschaft.

Und noch eines stellt Gribl als Grund für seine überraschende Absage klar: „Eine letzte Amtszeit mit Ansage wird es für mich nicht geben.“ Denn: Eine solche dritte und letzte Amtsperiode würde nur Machtspiele begünstigen. Schon jetzt sei absehbar, dass sich parteipolitische Gruppierungen auf die Wahl 2026 als mögliche Chance zum Machtwechsel eingestellt haben – die sechs Jahre nach 2020 wären dann geprägt von Streit aus politischen Motiven zulasten der Stadt, wie Gribl befürchtet. „Verstärkt würde dies durch den „erwartbaren Wettbewerb der gehandelten Kronprinzen und Kronprinzessinnen“. Das würde der Stadt nicht gut tun, ist Gribl überzeugt. Persönlich will der Noch-OB Neues in seinem Leben zulassen. Mit knapp 56 wird er im Mai 2020 jung genug sein, um Neues zu wagen. „Ich strebe nichts an und ich habe keine Angebote“, weist er Spekulationen über neue Aufgaben in Politik und Wirtschaft zurück.

Der CSU wolle er allerdings die Treue halten. Im Herbst wird der Parteivorstand neu gewählt. Ob er als stellvertretender Parteivorsitzender wieder antritt, macht Gribl vom Willen und den Bedürfnissen der Partei abhängig. „Wenn mich die CSU braucht, bin ich da“, versichert er. Für den Parteivorsitzenden Markus Söder komme die Entscheidung überraschend, aber verdiene Respekt. „Zum Glück hat Augsburg eine starke Bürgermeisterin“, unterstützt Söder die Augsburger CSU in ihrem Entschluss, Finanzreferentin und zweite Bürgermeisterin Eva Weber als Kandidatin ins Rennen um das Oberbürgermeisteramt zu schicken. Die Entscheidung fiel offenbar noch am Dienstagabend, nachdem Gribl parteiintern über seinen Schritt informiert hatte.

Das sei keine Nacht-und-Nebel-Aktion gewesen, stellt Bezirksvorsitzender Johannes Hintersberger klar. Vielmehr gelte Eva Weber schon länger als mögliche Nachfolgekandidatin – laut Hintersberger und Fraktionsvorsitzendem Bernd Kränzle im Einvernehmen mit der gesamten Augsburger CSU. Freilich muss Weber noch offiziell von der Delegiertenversammlung bestätigt werden, einen Termin dafür gibt es noch nicht.
„Es war uns wichtig, zu zeigen, dass es einen nahtlosen Übergang gibt“, erklärt Hintersberger die Festlegung auf Weber. Und die freut sich auf die Aufgabe: „Ich bin keine Kronprinzessin und das Amt ist kein Erbhof“, sagt Weber zu ihrer inoffiziellen Nominierung. „Ich mache es gerne“ – vorausgesetzt, die Partei und die Augsburger sprechen ihr das Vertrauen aus.
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