Kostendebakel: Weniger Theater für mehr Geld

An dieser Stelle neben dem Großen Haus entsteht wohl doch kein Orchesterprobensaal. Foto: David Libossek

Die Kosten für die Theater-Sanierung steigen um 20 Millionen Euro. Gleichzeitig ist der neue Entwurf eine abgespeckte Variante.

Es sollte ein Stück zeitgenössischer Architektur an prominenter Stelle der Stadt werden: Das neue Orchesterprobengebäude am Staatstheater. Als der Entwurf 2017 vorgestellt wurde, verglich die Stadt die Wirkung des modernen, frei stehenden Baus mit der des neuen Königsplatzes. Durch verglaste Fassaden sollten Passanten Einblick in den Betrieb des Staatstheaters erhalten und das Orchester bei der Probe beobachten können. Zwei Jahre später ist nun klar: Das Gebäude wird so wohl nicht entstehen.

Kostensteigerung ausgerechnet im Bauteil 2

Im April dieses Jahres informierte das beauftragte Architekturbüro Achatz die Stadt zum ersten Mal über geschätzte Kostensteigerungen in einer Höhe, die Baureferent Gerd Merkle auf einer Pressekonferenz am Mittwoch als "absurde Wasserstandsmeldung" bezeichnete. Die Stadt traf das unvorbereitet: Denn die Mehrkosten von rund 45 Millionen Euro waren ausgerechnet im Bauteil 2 aufgetaucht; Architekt Walter Achatz habe zuvor immer "glaubhaft rübergebracht", dass solch unvorhergesehene Kostensteigerungen bei Neubauten nicht vorkommen. 

Darum wurde für diesen Bauabschnitt im Gegensatz zum Bauteil 1, der Sanierung des Großen Hauses, auch kein finanzieller Puffer eingerechnet. Der geforderte Kostendeckel, also das gesetzte Limit der Stadt, für die Neubauten liegt inzwischen bei rund 80 Millionen Euro - bereits eine Steigerung gegenüber ursprünglich geplanten 72,8 Millionen. Der Stadtrat habe gegenüber dem Architekten immer artikuliert, dass Augsburg sich mehr auch nicht leisten könne, sagte Merkle. Eine Kostensteigerung wie bei der Hamburger Elbphilharmonie werde es beim Staatstheater nicht geben. Stattdessen müssen nun Einsparmaßnahmen erarbeitet werden. 

Eine Woche nachdem die Stadt im April von der Kostensteigerung erfuhr, fanden Gespräche mit Architekt Walter Achatz statt. Dieser hat nun ein Alternativkonzept erarbeitet, das statt der unerschwinglichen 125,8 Millionen Euro die Kostenprognose wieder auf 92,3 Millionen Euro drückt. Damit sei man "immer noch vom Deckel entfernt", so Merkle. Der Architekt habe aber angegeben, dass bei weiteren Einsparungen das Gebäude nicht mehr funktioniere. 

Kürzungen wurden an den Positionen vorgenommen, die die Kosten auch in die Höhe getrieben hatten. So soll zum Beispiel das vierte Untergeschoss, das als Langzeitlager für Kulissen gedacht war, doch nicht gebaut werden. Bei Probebohrungen war aufgefallen, dass der Grundwasserspiegel vor Ort höher ist als erwartet. Das Geschoss würde halb unter Wasser stehen, was die Baumaßnahmen deutlich verteuern würde. Das dritte Untergeschoss wird laut neuem Entwurf kleiner.

Das "Neue Haus", eine zweite Spielstätte für das Theater, war ursprünglich als Teil eines großen Neubaus hinter dem Haupthaus vorgesehen, der unter anderem auch Werkstätten und Probebühnen enthalten soll. Dadurch müsste allerdings das gesamte Gebäude als Versammlungsstätte eingestuft werden, was teure Brandschutzmaßnahmen erfordern würde.

Merkle: Kein Luxus, aber funktional

Deshalb soll die Spielstätte nun an der prominenten Stelle zwischen dem Großen Haus und der Volkhartstraße gebaut werden, die ursprünglich für das Orchesterprobengebäude vorgesehen war. Dieses wird stattdessen in den großen Neubau integriert.

Der neue Entwurf sei kein Luxus, aber funktional, meinte Merkle. Er entstand auch in Absprache mit der Theaterleitung, die diese Variante mittragen will. Besonders der Verlust der Lagerflächen tue dem Theater aber "sehr, sehr weh". Stattdessen müssten externe Lagerflächen angemietet werden. Auch diskutiert werden soll, ob der Bauteil 2 in mehrere Bauphasen aufgeteilt und erst in zehn oder 20 Jahren fertiggestellt werden soll. Zehn Millionen Euro könnten so wohl vorerst gespart werden. Allerdings wäre es möglich, dass diese zehn Millionen Euro die Stadt in zehn Jahren aufgrund der Baukostensteigerung 20 Millionen Euro kosten. Am Donnerstag wird dem Stadtrat das neue Konzept vorgestellt. 

"Die Verläufe sind offengestanden nicht erfreulich", sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl am Mittwoch. Dass die Sanierung eine anspruchsvolle Aufgabe ist, sei von Beginn an klar gewesen. Nun befände man sich in einer schwierigen Situation. "Mit Aufgeregtheit zu reagieren, ist aber der falsche Weg", meinte Gribl. Stattdessen müsse man konsequent weiterplanen. 
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