Laute Kritik an AVV-Tarifreform: Auf dem Bürgerforum kochen die Emotionen hoch

Die Kritik an der AVV-Reform ist vor allem in der Stadt Augsburg groß. Die Stadtwerke wurden daher vom Stadtrat beauftragt, ein Bürgerforum zu veranstalten. Dieses fand am Montagabend im Kongress statt. (Foto: Janina Funk)
 
Beim Vortrag von Gerd Probst kam Unruhe auf. Die Teilnehmer reagierten mit Zwischenrufen und ironischem Applaus auf die Aussagen des Marketing-Beraters.

Die Veranstaltung ist eine knappe halbe Stunde alt, da verbreitet sich im Plenum abrupt Unruhe. Der Redner im Foyer der Augsburger Kongresshalle hat gerade „familienfreundlich“ gesagt – im Kontext der AVV-Reform. Das ist offenbar ein Reizwort für die rund 100 Teilnehmer des Bürgerforums. Referent Gerd Probst, der für den AVV als Berater tätig ist, erhält für den Rest seines Vortrags an vielen Stellen kritische Zwischenrufe und höhnischen Applaus. Und auch nach den einleitenden Worten des Marketing-Strategen beruhigen sich die Gemüter nicht.

Seit 1. Januar gilt der neue Tarif des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV). Die Kritik an den Änderungen fiel in der Folge vor allem im Bereich der Stadt Augsburg heftig aus. So heftig, dass die Stadtwerke vom Augsburger Stadtrat beauftragt wurden, ein Bürgerforum einzuberufen. Auf eben jenem sprechen am Montagabend zunächst Zweite Bürgermeisterin Eva Weber, Stadtwerke-Chef Walter Casazza und AVV-Geschäftsführer Olaf von Hoerschelmann – und Gerd Probst, der über Preisanpassungen und Abo-Zuwächse referiert.

Bürgerforum zur AVV-Reform: Ironischer Jubel zu Beginn

Als der Berater sagt, durch die Reform gebe es nun eine „echte Kurzstrecke“ und der neue Tarif habe Fahrten „für Senioren deutlich günstiger gemacht“ brandet ironischer Jubel auf. „So langsam wird es lachhaft“, „alles nur Abzocke“ und „man wird ins Abo gezwungen, weil alles andere jetzt so teuer ist“ schallt es nach und nach aus verschiedenen Richtungen. Probst bleibt bei seiner Linie: „Das Ziel, mit einer schwarzen Null mehr Fahrgäste zu gewinnen, haben wir erreicht.“ Wieder höhnischer Applaus.

In vier Arbeitsgruppen, so das Konzept der weiteren Veranstaltung, sollen im Anschluss Vorschläge für die „Zukunft des Nahverkehrs“ zusammengetragen und Anregungen an den AVV geäußert werden. Wie schwierig es gewesen sei, unter den einzelnen Tarif-Partnern Konsens herzustellen, hatte vorab nochmals AVV-Geschäftsführer von Hoerschelmann betont. Doch der gefundene Kompromiss kommt auch bei den Nahverkehrskunden auf dem Bürgerforum nicht allzu gut an. Ob der Wegfall der Preis-Zonen in manchen Ticket-Kategorien, eine zu kurze Kurzstrecke oder fehlende günstige Alternativen vor 9 Uhr: Die Kritik ist umfassend.

Auch fühlen sich einige Fahrgäste nicht ernst genommen. „An den Stationen wird man zwar gehört, aber ob man wirklich Gehör findet, ist wohl mehr als fraglich“, sagt ein junger Mann. Er und seine Begleiter stellen sich als „eine verärgerte Familie aus Pfersee“ vor.

Die Tochter der Familie erzählt, sie zahle nach der Reform nun für 7 Minuten Straßenbahnfahrt ins Augsburger Zentrum für hin und zurück 5 Euro. „Für uns ist es um 100 Prozent teurer geworden“, beklagt die Mutter.

Tarifreform: „Warum geht es denn in München auch ab 8 Uhr?“

„Unglaublich“, „Wahnsinn“ und „Warum geht es denn in München auch ab 8 Uhr?“, heißt es einen Tisch weiter. Und ein Fahrgast an der übernächsten Station schimpft ganz allgemein über diese „Scheinveranstaltung“.

Bürgermeisterin Weber zieht am Ende der zweieinhalbstündigen Versammlung freilich ein anderes Fazit. Sie spricht von einem „guten Dialog“.

Stadtwerke-Geschäftsführer Casazza möchte „die Anregungen für die Weiterentwicklung des Tarifs“ nun mitnehmen in seinen Bericht im übernächsten Stadtrat. Im Mai wird dort die Diskussion über die AVV-Reform weitergeführt.
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Wissen tanken aus Augsburg - City | 25.04.2018 | 14:26  
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