"Man muss für seine Freiheit kämpfen": Programm zum Hohen Friedensfest

Karolina Cicha tritt mit dem Streicherensemble der Augsburger Philharmoniker während des Festivals der Kulturen auf. Foto: Rafal Maslow
 
Ex-Bundespräsident Joachim Gauck spricht zur Eröffnung des Rahmenprogramms am 24. Juli im Goldenen Saal. Foto: J.Denzel-S.Kugler


Mit dem Motto "Freiheit" geht das diesjährige Rahmenprogramm zum Hohen Friedensfest zurück zu den Ursprüngen des stadteigenen Feiertags. Gleichzeitig ist das Thema aktueller denn je - und das spiegelt auch das Kulturprogramm wider.

160 Seiten stark ist das Programmheft, in einem größeren Format als im vergangenen Jahr. "Wir haben uns die Freiheit genommen, etwas zu wachsen", erklärt Christiane Lembert-Dobler, die Leiterin des Friedensbüros im Kulturamt der Stadt Augsburg. Sie und ihr Team haben insgesamt 75 Veranstaltungen an 38 Orten für den Zeitraum zwischen 24. Juli und 8. August organisiert. Dazu gehören auch das Festival der Kulturen am 26. und 27. Juli und der Taubenschlag auf dem Moritzplatz, der "selbst schon fast ein eigenes Festival ist", wie Lembert-Dobler feststellt.

Zur Eröffnung am Mittwoch 24. Juli, um 19 Uhr im Goldenen Saal spricht kein geringerer als Ex-Bundespräsident Joachim Gauck
. Nach einem Kurzvortrag will er mit jungen Augsburgern ins Gespräch kommen über die Herausforderungen in Bezug auf Freiheit und Verantwortung.

Überhaupt gibt es in diesem Jahr besonders viele Diskussions- und Gesprächsformate. Es sei ein Wunsch der Besucher, (mit-)reden zu können, so Lembert-Dobler. Das Bedürfnis habe sich im Programm niedergeschlagen. "Man muss seine Freiheit erkämpfen." Das Zitat stammt von Seyran Ates, die für die Rechte muslimischer Frauen, für einen liberalen Islam und gegen politisch-religiösen Extremismus in Deutschland und Europa streitet. Beim Interreligiösen Frauendialog
am 25. Juli um 19.30 Uhr im Moritzsaal spricht Seyran Ates mit Professor Elisabeth Naurath von der Universität Augsburg und Christiane Lembert-Dobler über ihre Motive, ihren Weg und ihre nicht ganz leichte Situation als eine der ersten Imaminnen in einer Männerdomäne.

"Keine Religion ist auch keine Lösung
", meint Karl-Helmut Lechner, ehemaliger Pfarrer, heute bei der Partei "Die Linke" aktiv, zudem im Gesprächskreis Weltanschaulicher Dialog der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin und Autor von "Religionsfreiheit und Politik". Welche Rechte sollten Religionen haben? Lechner wird dazu am 29. Juli um 19.30 Uhr im Annahof einen Vortrag halten und im anschließenden Gespräch über mögliche Wege zum religiösen Frieden in der Gesellschaft diskutieren.

Ausdrücklich zum Mitmachen eingeladen sind alle auch beim Angebot des Salon Irmgard mit seinem Tableau vivant (lebendem Bild) "Freiheit: ein(e) Prozess(ion)
". Als Ausgang dient das berühmte Gemälde von Eugène Delacroix "Die Freiheit führt das Volk (an)" aus dem Jahr 1830 - die allegorische - und barbusige - Freiheit reckt die Tricolore in die Höhe und stürmt einer bewaffneten Volksmenge voran. Dieses Gemälde soll am 28. Juli zwischen 16 und 20 Uhr an mehreren Plätzen in der Innenstadt nachgestellt werden - auch mit Hilfe von Passanten. Erste Station ist der Rathausplatz.

"Freie Szenen
" ist der Titel eines Theater-Walks, der das Publikum an drei Orte in der Innenstadt führt und die Gäste mit unterschiedlichen Freiheits-Facetten konfrontiert. Mit dabei sind Bluespots Productions, Junges Theater Augsburg, Theter Ensemble und Gianna Formicone. Treffpunkt ist am 3. August um 18 Uhr an der Stadtmetzg.

Zu sehen gibt es auch viel auf der Großen Leinwand. Zum Filmangebot des Programms gehört etwa der Stummfilm-Klassiker "Menschen am Sonntag
". Die Aufführung am 2. August im Liliom Kino wird von Live-Musik begleitet, mit Andreas Rosskopf (Gitarre), Eric Zwang-Ericsson (Drums) und Christian Buss (Saxophon).

Freilich kommt auch das geschriebene Wort nicht zu kurz. Acht Autoren sind eingeladen, um sich bei den "2. Augsburger Gesprächen zu Literatur und Engagement
" mit dem Thema Freiheit und Verantwortung zu befassen. Neben dem internen Austausch der Beteiligten gibt es öffentliche Aktionen, Lesungen, Filmpräsentationen und Podiumsdiskussionen. Mit dabei sind Sybille Lewitscharoff, Kathrin Röggla, Christoph Peters, Rainer Merkel, Pierre Jarawan, Tanasgol Sabbagh, Stefan Kaegi von Rimini Protokoll und die Filmemacherin Susanne Heinrich.

Mit den verrücktesten Verschwörungstheorien haben sich die Journalisten Christian Alt und Christian Schiffer in ihrem Buch "Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungstheorien
" auseinandergesetzt. Am 31. Juli lesen sie ab 19.30 Uhr im tim daraus vor.

Wichtiger Bestandteil des Kulturprogramms ist die Musik. Hier ist besonders das Festival der Kulturen
am Freitag und Samstag, 26. und 27. Juli zu nennen. Girisha Fernando holt dafür internationale Künstler nach Augsburg, er bietet aber auch einheimischen Musikern eine Bühne. Einer der Höhepunkte des Festivals - und auch des gesamten musikalischen Jahres in Augsburg - wird der gemeinsame Auftritt von Karolina Cicha
und dem Streicherensemble der Augsburger Philharmoniker
am Freitag, 26. Juli, ab 20.30 Uhr im Annahof sein. Die Besucher erwartet laut Veranstalter "eine spannende Begegnung zwischen polnischem NeoFolk, Weltmusik, Klassik und Jazz.

Aber auch tänzerisch ist einiges geboten, etwa mit dem brasilianischen Kampftanz Capoeira. Am 27. Juli findet von 14 bis 16 Uhr ein Workshop im Augustanasaal statt, um 17 Uhr zeigen die Tänzer dann auf dem Stadtmarkt ihr Können.

Das zweite Festival im Rahmenprogramm ist der Taubenschlag
auf dem Moritzplatz. Hier sind bereits ab 21. Juli bis zum Hohen Friedensfest am 8. August ein "kosten- und barrierefreier Zugang zu Kunst, Kultur und Bildung sowie zahlreiche Gestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten" geboten, wie die Veranstalter, der Verein Stadtraum mit dem Friedensbüro und St. Moritz, versprechen. Bis 16 Uhr bestehen freie Spielmöglichkeiten, etwa mit Tischkickern, ab 16 Uhr ist Programm geboten: Diskussionen, Workshops, Vorträge und Konzerte sollen Raum lassen für neue Ideen zum Thema Freiheit.

Am 8. August
selbst dürfen sich die Augsburger und die Gäste der Stadt auf Bewährtes freuen. Nach den Ökumenischen Gottesdiensten
in St. Anna und evangelisch St. Ulrich (Beginn jeweils 10 Uhr) sind wieder alle ab 11.30 Uhr auf den Rathausplatz zur Friedenstafel
eingeladen. Auf dem Kinderfriedensfest in Zoo und Botanischem Garten dürfen sich alle zwischen 12 und 17 Uhr an 50 Mitmachangeboten austoben.
Info:Das komplette Programm ist im Internet unter www.friedensstadt-augsburg.de.

Das Friedensfest in Augsburg

Die Protestanten in Augsburg feierten erstmals am 8. August 1650 mit Dank- und Friedensgebeten das Ende ihrer Unterdrückung, das möglich wurde durch den Westfälischen Frieden, der 1648 auch den Dreißigjährigen Krieg beendete. Seitdem feiert Augsburg das Hohe Friedensfest jedes Jahr.  Im Jahr 1950 beschloss der bayerische Landtag, dass der 8. August ein staatlicher, auf die Stadtgrenzen Augsburgs begrenzter Feiertag ist.
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