Mauer spaltet den Stadtrat: Fraktionen sind sich über Erhalt des Fundaments am Theater uneinig

Ein Stück Stadtgeschichte: Fundamente, die während Grabungen am Theater freigelegt wurde, dokumentieren die verschiedenen Entstehungsphasen der Augsburger Stadtmauer. (Foto: Yaren Kaskaya)

Einst trennte die Stadtmauer die Fuggerstadt von möglichen Angreifern, nun spaltet sie den Augsburger Stadtrat. Dieser entschied am Donnerstag, das Mauerfundament, das Archäologen während Grabungen neben dem Theater entdeckt hatten, zu erhalten und für die Bürger sichtbar zu machen. Wirklich einig waren sich die Mitglieder des Gremiums dabei mit 42 zu 14 Stimmen aber nicht. Auch innerhalb von so mancher Fraktion gingen die Meinungen auseinander, ob die Stadt 4,3 Millionen Euro in den Erhalt des historischen Fundes investieren soll.



Um das Fundament in der nordwestlichen Ecke des Theatervorplatzes für die Öffentlichkeit sichtbar zu bewahren, müssen die Garderobe und der Sprinklertank im geplanten neuen Orchesterprobengebäude verlagert werden. 4,3 Millionen Euro kostet die Konservierungsvariante, für die sich die Stadt in ihrer Beschlussvorlage ausgesprochen hatte. Weitere Möglichkeiten wären gewesen, die Mauer zu vernichten, wofür lediglich Kosten für die Dokumentation des Fundes angefallen wären, oder sie zu erhalten, aber wieder unter der Erde verschwinden zu lassen. Wie Oberbürgermeister Kurt Gribl betonte, hätte die Stadt in diesem Fall aber auch rund 3,8 Millionen Euro investieren müssen.
Persönlich sei er klar dafür, 500 000 Euro mehr auszugeben, wenn der Fund damit nicht unsichtbar im Boden verschüttet schlummere. Ein wesentliches Argument Gribls wie auch des Baureferenten Gerd Merkle war die aktuelle Bewerbung der Stadt um den Weltkulturerbe-Titel für ihre historische Trinkwasser-Wirtschaft. „Augsburg wird derzeit kritisch beobachtet, was den Umgang mit historischen Funden angeht“, erklärte Merkle.
Man habe intensiv diskutiert, sei aber nicht zu einer einheitlichen Haltung gekommen, sagte der neue Vorsitzende der SPD Florian Freund. „Die Mehrheit ist aber der Meinung, das ist zu viel Geld für einen Fund, der aus Sicht der Denkmalschutzbehörde wünschenswert aber nicht zwingend ist.“ Sebastian Sommer, Generalkonservator am Landesamt für Denkmalschutz, hatte in der Oktobersitzung des Stadtrates erklärt, dass die Behörde keine Forderung nach einem Erhalt der Mauer stelle. Er wolle wohl aber ein „dringendes Plädoyer“ dafür an den Rat richten.
Die Grünen-Fraktion stellte sich geschlossen gegen den Beschluss. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber es wurden bereits mehr als zwei Millionen Euro an einer anderen Stelle in die Stadtmauer gesteckt“, begründete Verena von Mutius die Haltung ihrer Fraktion. Sie schlug stattdessen eine Dokumentation der Mauer im Theater vor, ohne aber den Fund selbst darzustellen.
Die CSU hingegen stimmte geschlossen dafür, das Mauerfundament zu bewahren und zugänglich zu machen. Fraktionsvorsitzender Bernd Kränzle wollte gar den ein oder anderen Stadtrat doch noch überzeugen: „Ich appelliere leidenschaftlich dafür, dem Erhalt zuzustimmen.“ Andreas Jäckel betonte die „überragende fachliche Bedeutung“ des Mauerstücks und warnte bezugnehmend auf die Begründung der Grünen davor, „verschiedene kulturelle Projekte miteinander zu verrechnen“.
Das Fundament am Theater unterscheidet sich dahingehend von den anderen ohnehin rar gesäten Resten der Stadtmauer in Augsburg, dass es verschiedene Phasen der Geschichte zeige, wie Stadtarchäologe Sebastian Geirhos in der Sitzung im Oktober erläutert hatte. Es sei „eines der letzten Relikte“ und überraschend gut erhalten.
Dieses Relikt für künftige Generationen zu bewahren, wünscht sich Claudia Eberle von Pro Augsburg. „Es werden so viele Millionen in Dinge investiert, die nur die aktuelle Generation betreffen.“ Allerdings repräsentiere sie damit nur die Meinung der einen Hälfte ihrer Fraktion, erklärte Eberle. Der anderen Hälfte machen vor allem die Kosten Gedanken, wie Rudolf Holzapfel erklärte. Er rechne damit, dass für den Erhalt der Mauer und die damit einhergehenden Verzögerungen bei der Theatersanierung am Ende nicht 4,3 Millionen, sondern rund 7 Millionen Euro auf die Stadt zukommen. „Für eine Mauer, die nur durch Glas zu sehen ist, ist das zu viel.“
Die Mehrheit der Stadträte stimmte trotzdem dafür, die Mauer zu erhalten. Einst schützte sie die Stadt, nun wird sie geschützt und soll den Bürgern die Stadtgeschichte näherbringen.
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