„Merkle blockiert 700 neue Wohnungen in Hochfeld“

Augsburg soll bis 2035 nochhmal um bis zu 40.000 Einwohner wachsen. Für die werden Wohnungen gebraucht, findet OB-Kandidat Lars Vollmar
Die Freien Demokraten fordern die Stadt Augsburg auf, die städtebauliche Entwicklung des ehemaligen Bahnbetriebswerks in Hochfeld nicht länger zu blockieren. Auf der Fläche an der Firnhaberstraße könnte gemeinsam mit dem Bahnpark ein neues Stadtviertel mit einer interessanten Mischung aus Wohnungen, Gewerbe und Kultureinrichtungen entstehen. Dazu ist eine sogenannte Freistellung von Bahnbetriebszwecken notwendig – doch diese droht ausgerechnet der städtische Baureferent Gerd Merkle (CSU) mit negativen Stellungnahmen gegenüber dem Eisenbahnbundesamt zu verhindern.

„Wir müssen leider feststellen, dass das Bemühen, knapp 700 neue Wohnungen in einer guten innerstädtischen Lage zu schaffen, von der Stadt derzeit massiv behindert wird“, sagt Lars Vollmar, Oberbürgermeisterkandidat der Freien Demokraten. Dass der bisherige Eigentümer des 80 Hektar großen Areals südlich des Bahnparks, die Münchner Isaria, entnervt aufgegeben habe und das Bahngelände an das Unternehmen Solidas verkauft habe, wertet die FDP als Warnsignal. „Wieder einmal hat es die Stadt Augsburg nicht geschafft, ein für Investoren attraktives Klima zu schaffen.“

Das Verhalten von Baureferent Merkle ist für die Liberalen mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung unverständlich. „Augsburg wird in Kürze die Marke von 300.000 Einwohnern überschreiten und soll in den nächsten 15 Jahren noch einmal um 40.000 Menschen wachsen. Wir können es uns nicht leisten, solche Gelegenheiten, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, entgehen zu lassen.“

Das ehemalige Bahnbetriebswerk in Hochfeld bietet aus Sicht der Liberalen viele Vorteile. Anders als beim Planungsgebiet Haunstetten Südwest, für das 200 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verschwinden müsste, wäre die Umwidmung der Industriebrache an der Firnhaberstraße nicht mit zusätzlichem Flächenverbrauch verbunden. Das in Frage kommende Gelände südlich des Bahnparks ist zudem viel näher an Hauptbahnhof und Altstadt gelegen als Haunstetten – nämlich 2 statt 8 Kilometer – was das Fahrrad als Verkehrsmittel für die zukünftigen Bewohner in Frage kommen lässt.

Anders als in Haunstetten Südwest sind in Hochfeld die Eigentumsverhältnisse geklärt. Das Areal wurde kürzlich von der Augsburger Immobilienfirma Solidas erworben. „Um nicht falsch verstanden zu werden: wir brauchen Haunstetten Südwest. Aber Haunstetten allein wird den Wohnungsmangel in Augsburg nicht beseitigen. Wir brauchen auch Hochfeld Südwest.“

Die FDP hält es für schädlich, dass Merkle nicht auf eine Entscheidung des Eisenbahnbundesamtes hinarbeitet, dass das Gelände nicht mehr für den Bahnbetrieb erforderlich ist. Merkles negative Stellungnahme ist aus Sicht der Freien Demokraten nur wenig überzeugend.

„Wir halten die Aussage, dass die Flächen weiterhin Potenzial für schienengebundene oder bahnaffine Nutzungen hätten, für eine massive Fehleinschätzung.“ Vollmar verweist darauf, dass die britische Bahngesellschaft Go ahead, die ab 2021 das Regionalbahnnetz im Großraum Augsburg übernehmen wird, bereits angekündigt habe, ein neues Betriebswerk bei Langweid zu bauen. Für Vollmar ist deshalb höchst unwahrscheinlich, dass auf dem Augsburger Bahngelände eine bahnaffine Nutzung zu erwarten ist.

Die weitere Argumentation der Stadt, dass der Denkmalschutz und Verkehrsprobleme in Hochfeld einer Freistellung im Weg stünden, sind für die Freien Demokraten ebenfalls nicht überzeugend. Die denkmalgeschützten Gebäude seien vor allem auf dem Areal des historischen Bahnparks, der bei der Bebauung kaum Bedeutung habe. Für die Planung einer verbesserten Anbindung von Hochfeld an den öffentlichen Nahverkehr habe die Stadt ausreichend Zeit, intelligente Vorschläge zu machen.

Weiterhin ist Vollmar aber auch enttäuscht vom Umgang der Stadt mit dem historischen Bahnpark. „Wir haben mit dem Bahnpark ein einzigartiges bayerisches Industriedenkmal in Augsburg und ich habe den Eindruck im Stadtrat ist dies bisher noch nicht angekommen.“ Es gelte deshalb alles zu tun, um die Zukunft des historischen Bahnparks zu sichern.

Damit die Förderung auch im Rahmen eines Gesamtkonzepts eine breite Akzeptanz erfährt und die eingesetzten Mittel zu einer sichtbaren Entwicklung des Areals führen, schlägt die FDP Augsburg vor, dass der historische Bahnpark Teil eines neuen Stadtquartiers werden solle. „Uns ist bewusst, dass zuerst die Planungshoheit bei der Stadt liegen muss, aber sobald eine Freistellung vom Bahnbetrieb erreicht sei, könne man über ein gutes Projekt Wohnen und Kultur verbinden“, so Vollmar abschließend.
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