Nach dem Diesel-Urteil: Fahrverbote auch in Augsburg?

Fahrverbot für Dieselfahrzeuge sind in Augsburg aktuell kein Thema. Foto: Kristin Deibl

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts über Fahrverbote in deutschen Innenstädten hat nicht nur Dieselfahrer aufgeschreckt. Auch die Handwerkskammer Schwaben meldet sich kritisch zu Wort. Doch die Aufregung scheint momentan unbegründet - zumindest was Augsburg anbelangt.

"Fahrverbote sind für das Handwerk eine Katastrophe. Jetzt sollen die Handwerker den Kopf dafür hinhalten, dass Hersteller und Politik nicht alle möglichen Maßnahmen ausgeschöpft haben", schimpft Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) in einer Pressemitteilung.

Die Unternehmen hätten im Vertrauen auf eine normgemäße Zulassung bis in die jüngste Zeit Fahrzeuge mit "Euro 5" erworben. "Mit enteignungsgleichen Fahrverboten werden nun die Handwerker und ihre Beschäftigten für die Fehler von Herstellern und Politik haftbar gemacht", empört sich Wagner weiter. Die Markteinführung von "Euro 6"-Fahrzeugen, in den "für das Handwerk relevanten Segmenten", sei zu spät erfolgt und bei leichten Nutzfahrzeugen meist erst ab September 2016 umgesetzt worden. Auch alternative Antriebe stünden für das Handwerk bislang kaum zur Verfügung. Der Anteil der von Fahrverboten betroffenen Fahrzeuge wäre deshalb exorbitant hoch. "Handwerksbetriebe, die mit ihren Servicefahrzeugen nun nicht mehr in die Städte dürfen, sind die Lackierten", fasst Wagner seine Befürchtungen zusammen.

Doch Augsburg hat diesem Urteil relativ entspannt entgegen geblickt. "Ich glaube nicht, dass es unmittelbar aufschlägt bei der Stadt Augsburg", erklärte dazu Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) bereits auf der Stadtratspressekonferenz vergangener Woche.

Denn: In der Fuggerstadt werden die Grenzwerte für Stickoxide zwar überschritten, aber nicht in einem Ausmaß wie in Stuttgart oder München. An der Messstation in der Karlstraße lag 2017 der Wert um vier Mikrogramm über der Grenzmarke von 40 Mikrogramm, wie Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) berichtet - in München und Stuttgart lagen die Werte mit 78 und 73 Mikrogramm deutlich darüber.

Erben möchte die noch vorhandene Überschreitung in Augsburg durch andere Maßnahmen als das Aussperren der Dieselfahrzeuge in den Griff bekommen. "Wir haben keinen Plan für ein Fahrverbot in der Schublade", betont Erben. Stattdessen sollen intelligente Ampelschaltungen den Autoverkehr flüssig und so die Abgasemission gering halten. Zudem bemüht sich die Stadt, die Elektromobilität zu stärken.

Die Stadtwerke etwa planen, 16 neue Ladesäulen zu installieren. "Nur weil keine Fahrverbote drohen, dürfen wir nicht die Hände in den Schoß legen", weiß OB Gribl um die Notwendigkeit, auch weiter an diesem Thema zu arbeiten. Augsburg müsse schauen, "dass wir möglichst weit weg kommen von den Grenzwerten", so Gribl. Helfen soll ein Masterplan zur Senkung der Stickoxid-Belastung, den die Stadt bis 31. Juli erarbeiten will. Darin sollen die Maßnahmen gebündelt und deren Wirksamkeit bewertet werden.

An Fahrverbote für Augsburg glaubt auch Bundestagsabgeordneter Volker Ullrich (CSU) nicht. "Ich gehe davon aus, dass Augsburg auch mit langfristig wirkenden verkehrsberuhigenden Maßnahmen gut aufgestellt ist", verkündet Ullrich in einer Pressemitteilung. 
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.